Holzwolle «Made im Toggenburg» gegen Erosion
11.09.2019

Holzwolle «Made im Toggenburg» gegen Erosion

In einem mehrjährigen Forschungsprojekt hat die HTW Chur in Zusammenarbeit mit dem Istituto Scienze della Terra SUPSI und verschiedenen Wirtschaftspartnern die Eignung von Schweizer Holzwollevliesen im Erosionsschutz geprüft. Besonderes Augenmerk galt der Kombination mit einer biodiversitätsfördernden Begrünung aus lokalem Saatgut. Nun ist der Schlussbericht da und zeigt: Holzwollevliese sind eine überzeugende Lösung im Kampf gegen die Erosion. Als Holzwolle-Herstellerin war auch die Lindner Suisse Holzwollemanufaktur aus Wattwil eng in die Forschungsarbeiten eingebunden.

Es zeigt sich, dass durch den Klimawandel begünstigte Trockenperioden in Kombination mit zunehmenden Starkniederschlägen zu erhöhten Erosionsproblemen führen. Vermehrt kommen steile Hänge ins Rutschen und müssen saniert werden. Ebenso entstehen im Zuge von Bauprojekten neue Böschungsflächen, die einer möglichst raschen Begrünung bedürfen, um sie nachhaltig zu sichern.

In einer Studie, die seit 2015 läuft und im Mai 2019 ihren Abschluss fand, hat das «Institut für Bauen im alpinen Raum» der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW in Chur zusammen mit SUPSI auf verschiedenen Versuchsflächen Praxistests mit Holzwollevlies als Erosionsschutz durchgeführt.

Zur Verwendung kamen die Holzwollevliese «Howolis» der Lindner Suisse Holzwolle Manufaktur aus Wattwil. Ziel der breit angelegten Studie war es, fachliche Grundlagen zu erarbeiten, um die aus den USA bekannte Technik des nachhaltigen Erosionsschutzes an die Schweizer Gegebenheiten anzupassen. Die untersuchten Versuchsflächen liegen unter anderem in Schiers GR, Monte Bar TI oder Brütten ZH.

Die Studie kommt zum Schluss, dass nebst der idealen Holzwolle-Rezeptur, die auf verschiedenen Baumarten basiert, die Hangvorbereitung massgeblich zum Erfolg beiträgt. Als ebenso wichtig streicht sie die standortgerechte Begrünung heraus.

Für die Biodiversität der Schweiz ist es von grosser Bedeutung, wie die Begrünung der zu stabilisierenden Flächen erfolgt. Besonders bewährt hat sich in Kombination mit den Holzwollevliesen der Einsatz von autochthonem, also lokal gewonnenem Saatgut (System HoloSem). So entstehen extensive Flächen, die optimal an die Verhältnisse vor Ort angepasst sind und einen hohen Wert für die Natur haben. Die Holzwolle stellt dabei den Erosionsschutz so lange sicher, bis sich die Vegetation etabliert hat und für langfristige Stabilität sorgt. Bei der Begrünung von Rohböden hat sich gemäss der Praxisstudie die Beigabe geringer Mengen eines organischen Langzeitdüngers bewährt, um der Saat gute Startbedingungen zu geben.

Der HTW-/SUPSI-Bericht kommt zum Schluss, dass der Erosionsschutz mittels Holzwollevlies aus nachwachsenden Rohstoffen nachhaltig, zukunftsweisend und technisch überzeugend ist. Es sei an der Zeit, «dass die öffentliche Hand, Forschung und Lehre, Firmen, Bauherren und Private diese einheimische Alternative zu den importierten Erosionsschutznetzen aus Jute- oder Kokosfaser zur Kenntnis nehmen und in ihre Projekte einplanen», so der Bericht.