17.09.2018

Hirschmann und CDS ausgezeichnet

Die Anerkennungs- und Förderpreise der Hans-Huber-Stiftung mit einer Preissumme von 50‘000 Franken motivieren sechs Unternehmensleiter und Nachwuchsförderer aus der Ostschweiz und Vorarlberg: Sie wurden am Freitagabend, 14. September, in Heerbrugg ausgezeichnet. Ulf Berg hob in seiner Festrede die positiven wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Auswirkungen der Berufsbildung hervor.

Die Anerkennungspreise der Hans-Huber-Stiftung werden jährlich an Personen verliehen, die sich besondere Verdienste im Zusammenhang mit dem dualen Berufsbildungssystem erworben haben. 2018 gingen die Auszeichnungen an Volker Buth, CEO von Hirschmann Automotive in Rankweil (VBG, AT), und an Remo Sieber, Verwaltungsratspräsident des Bauingenieur- und Informatikunternehmens CDS, in Heerbrugg (SG, CH).

Regionale und internationale Vorreiter
«Verantwortung zu übertragen, ist eine Stärke von Remo Sieber», sagte Christian Fiechter, Präsident der Hans-Huber-Stiftung in der Laudatio. Die Lernenden seien motiviert, weil sie schon früh in den produktiven Alltag integriert würden. Ein ehemaliger Lernender sei heute sogar Siebers Nachfolger in der Geschäftsführung. Mit der Lancierung des Ostschweizer Ausbildungspreises für die besten Lehrabschlüsse von Zeichnerinnen und Zeichnern in den Fachrichtungen Ingenieurbau und Architektur habe er zudem der Branche wesentliche Impulse verliehen.

Volker Buth habe den Anerkennungspreis verdient, weil er als CEO der dreiköpfigen Geschäftsführung wesentlich dazu beigetragen habe, dass eine förderliche Unternehmenskultur und ein professionelles Team für die Berufsausbildung aufgebaut werden konnte, sagte Fiechter. Mit dem Aufbau von Lehrlingsausbildungen im Ausland und mit Auslandeinsätzen für die besten Lernenden setze Buth ein wichtiges Zeichen: «Das trägt dazu bei, dass unser erfolgreiches Berufsbildungssystem auf der ganzen Welt Fuss fasst.»

Ehre danke Medaillensegen
Hans-Ulrich Stöckling, Stiftungsrat der Hans-Huber-Stiftung, würdigte die Verdienste einer Berufstrainerin und von drei Trainern: Sie hatten in konsequenter Hintergrundarbeit vier Nachwuchs-Spitzenkräften zu einer Medaille an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi verholfen. Martin Erlacher aus Niederhelfenschwil (SG, CH) begleitete eine Restaurationsfachfrau zur Goldmedaille, und Tobias Hugentobler aus Rickenbach bei Wil (TG, CH) machte einen Schreiner zum «Goldjungen». Gabriela Lugmayr aus Röthis (VBG, AT) coachte eine Speditionsfachfrau zur Bronzemedaillengewinnerin, und ebenfalls Bronze holte sich eine Drucktechnologin dank Rolf Wyss aus Amriswil (TG, CH).

Bildung und Dienen bringt Nutzen
«Wir betreiben Bildung, um einen Nutzen zu haben», brachte es Festredner Ulf Berg auf den Punkt. Der Verwaltungsratspräsident von Ems-Chemie und Inhaber weiterer Verwaltungsratsmandate zeigte auf, warum die Berufsbildung generationenübergreifend weiterentwickelt werden müsse: Länder mit einer «firmengetriebenen Lehrlingsausbildung» hätten allesamt eine tiefere Jugendarbeitslosigkeit, keine hohe Maturaquote und eine ausgewogene Zusammensetzung von kleineren und grösseren Unternehmen: «Diese Länder reagieren relativ gut auf gesellschaftliche Veränderungen und sind eher agil.»

Berg gab aufgrund seiner reichen internationalen Erfahrung überdies einen Einblick in die negativen Folgen in anderen Ländern, deren Wirtschaft unter dem «Schulifizierungs-Weg» leide; mit einem Augenzwinkern erwähnte er die schwedischen «Coiffeur-Maturanden», die wesentlich länger als Absolvierende einer Berufslehre brauchten, um produktiv zu arbeiten. Das Zusammenspiel von Bildung, Wirtschaft, Gesellschaft und sozialen Normen müsse gut funktionieren, was er mit einigen Thesen untermauerte. Angebot und Nachfrage müssten im Einklang sein: Einerseits gelte das «Pull-Prinzip», also das Bedürfnis der Gesellschaft an Menschen mit bestimmten Fähigkeiten; andererseits stehe das «Push-Prinzip», gemäss welchem jede Person die Chance bekommen müsse, die eigenen Fähigkeiten und Interessen einbringen zu können. Die Berufs- und Branchenverbände seien in diesem Diskurs besonders gefordert. Ein Bildungskonto mit Freizügigkeitsleistungen wie bei der privaten beruflichen Vorsorge sei ein möglicher Weg, um das lebenslange, berufsbegleitende Lernen zu fördern.

Er selber, so der gebürtige Däne und heutige Schweizer Bürger, finde es als «ursprünglicher Fremdarbeiter» wichtig, dass Menschen, die nicht in gängige Bildungsnormen passten, unbürokratisch integriert werden. Über alles stellte er ein Zitat des kürzlich verstorbenen Stiftungsgründers Hans Huber, dessen Verdienste an der Preisverleihung ebenfalls gewürdigt wurden: «Zuerst dienen, bevor man verdient.»

Auf dem Bild: Stiftungsratspräsident Christian Fiechter (rechts) gratuliert Volker Buth (links) und Remo Sieber zum Anerkennungspreis.