Heule tritt ab
Text: pd/stz.
Ein prägendes Kapitel Balgacher Industriegeschichte geht in neue Hände über: Diego Heule hat die Hemag Balgach AG per 1. Januar 2026 verkauft. Bis Ende Juni bleibt der 57-Jährige noch operativ tätig, danach endet seine Aufgabe im Unternehmen vollständig. «Es ist ein bewusster Schritt», sagt Heule. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.»
Die Hemag war über Jahrzehnte eng mit seinem Leben verbunden. Nach dem Verkauf an Ingolf Planer blieb Heule seinem früheren Unternehmen während eines halben Jahres erhalten. Ab Juli ist er nicht mehr am Unternehmen beteiligt. Verbunden bleibt er mit der Hemag Balgach AG lediglich als Vermieter der Betriebsliegenschaft.
Die Geschichte der Hemag begann 1977. Den Grundstein legten Peter und Liliana Heule-Morini, die Eltern von Diego Heule. Der erste Serienauftrag kam damals von den Schweizerischen Bundesbahnen. Später folgten Aufträge in den Bereichen Spezialwerkzeuge, Montagen, Logistik und hochpräzise Teile.
Für Diego Heule wurde der Familienbetrieb früh zu einem vertrauten Ort. Nach der Matura am Gymnasium in Appenzell absolvierte er ein Bankpraktikum und schloss die Ausbildung zum kantonal approbierten Naturarzt AR ab. 1995 nahm er parallel zu seiner Tätigkeit als Naturarzt seine Arbeit bei der Hemag im Teilpensum auf. Ab 2000 war er fest im Familienbetrieb tätig, 2008 kaufte er diesen seinem Vater ab. Damals zählte die Hemag vier Mitarbeiter.
In den folgenden Jahren baute Heule den Betrieb Schritt für Schritt aus. Er investierte in Maschinen, Qualität und Menschen. Heute beschäftigt die Hemag rund 30 Mitarbeiter. «Mir war immer wichtig, dass die Hemag ein Ort ist, an dem man gerne arbeitet», sagt Heule.
Ein sichtbarer Meilenstein folgte 2010 mit dem Bau und Bezug des eigenen Produktions- und Verwaltungsgebäudes im Industriegebiet Wegen in Balgach. Der Neubau von Carlos Martinez Architekten setzte am Dorfeingang einen markanten Akzent. Für Heule war das Gebäude mehr als eine Hülle für Maschinen und Büros. Es war Ausdruck einer Haltung: solide, zukunftsgerichtet und auf industrielle Qualität ausgerichtet.
Mit dem neuen Standort wuchs auch die eigene Produktion. Die Hemag baute ihre Kompetenzen in der Präzisionsbearbeitung aus. Dazu gehören Karusselldrehen, Fräsen, Materialbeschaffung, Lagerung und Logistik. Das Unternehmen fertigt Komponenten für die Bereiche Energie, Kraftwerk- und Turbinenbau, Sicherheit, Raumfahrt, Anlagenbau und weitere Industriezweige.
Der Verkauf der Hemag war für Diego Heule kein spontaner Entscheid. Er ist über längere Zeit gereift. Sein Sohn hat kein Interesse daran, die Firma weiterzuführen. Gleichzeitig spürte Heule, dass er sich nach einem neuen Lebensabschnitt sehnt. «Das Unternehmertum in der Industrie habe ich gesehen», sagt er.
Heule hat viel aufgebaut, viel erlebt und viel erreicht. Nun möchte er nicht mehr jeden Tag «müssen». Nach Jahrzehnten mit Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden und Investitionen will er mehr Raum für sich und seine Familie schaffen. «Unternehmertum ist etwas Wunderbares. Es verlangt einem aber auch vieles ab. In den letzten Jahren hatte ich wenig Freizeit und teils schlaflose Nächte», sagt er.
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Ganz abgeschlossen ist der Abschied von der Hemag-Familie für Diego Heule noch nicht
Im August organisiert er für seine ehemaligen Mitarbeiter und deren Familien ein Abschiedsfest. «Es soll ein Dank sein für die Firmentreue und die stets wertschätzende Zusammenarbeit. Die Hemag war für mich immer auch eine Familie. Darum ist es mir wichtig, mich persönlich zu bedanken.»
Trotz des Abschieds von der Hemag bleibt Heule eng mit Balgach verbunden. Einerseits als Eigentümer der Betriebsliegenschaft, andererseits mit dem Sitz seiner zweiten Firma. «Ich bin und bleibe hier verwurzelt», sagt er.
Künftig will sich Diego Heule Themen widmen, die ihn seit seiner Ausbildung zum Naturarzt begleiten: Menschen, Bewusstsein und persönliche Entwicklung. Er möchte Menschen nicht als Therapeut begleiten, sondern als Gesprächspartner, Mentor und Impulsgeber. «Erfolg zeigt sich nicht nur auf dem Bankkonto. Innere Zufriedenheit ist mindestens so wichtig», sagt Heule.
In nächster Zeit will er sich gezielt weiterbilden und ein neues Projekt aufbauen. Für die Hemag beginnt unter neuer Eigentümerschaft ein weiteres Kapitel. Für Diego Heule endet ein grosses. «Ich bin dankbar für alles, was war, und freue mich auf das, was kommt.»