Raiffeisen rechnet mit stabilen Hypothekarzinsen
Text: pd/stz.
Die geopolitischen Spannungen haben die Energiepreise zeitweise deutlich steigen lassen. Dennoch geht Raiffeisen Schweiz davon aus, dass die Folgen für die Schweizer Inflation überschaubar bleiben. Die befürchteten Engpässe bei der globalen Energieversorgung seien bisher geringer ausgefallen als zunächst erwartet, schreibt die Bankengruppe in ihrer am 30. Juli veröffentlichten Zinsprognose.
Damit habe sich auch die grundlegende Preisdynamik in der Schweiz kaum verändert. Abgesehen von den Erdölprodukten sei kein breiter Inflationsschub festzustellen. Für Hypothekarnehmer sind das gute Nachrichten: Raiffeisen erwartet sowohl bei Saron-Hypotheken als auch bei langfristigen Festhypotheken wenig Bewegung.
Nationalbank bleibt beim Nullzins
Die Schweizerische Nationalbank SNB beliess ihren Leitzins bei ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung im Juni bei 0 Prozent. Gleichzeitig bekräftigte sie ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen.
Die Inflation war zwar von 0,1 Prozent im Februar auf 0,6 Prozent im Mai gestiegen. Verantwortlich dafür waren laut SNB jedoch hauptsächlich die höheren Preise für Erdölprodukte. Von den übrigen Waren und Dienstleistungen ging nur geringer Preisdruck aus.
In ihrer bedingten Inflationsprognose rechnet die Nationalbank für 2026 und 2027 mit einer durchschnittlichen Teuerung von jeweils 0,6 Prozent. Für 2028 erwartet sie 0,7 Prozent. Die Prognose setzt voraus, dass der Leitzins während des gesamten Zeitraums bei 0 Prozent bleibt.
Aus Sicht von Raiffeisen besteht deshalb derzeit kein Anlass für eine geldpolitische Kursänderung. Die Bankengruppe bringt ihre Einschätzung so auf den Punkt: «Das spricht für unveränderte Saron-Hypotheken-Konditionen und auch für wenig Bewegung bei den langfristigen Zinsen.»
Saron bewegt sich nahe bei null
Besonders direkt wirkt sich der SNB-Kurs auf Saron-Hypotheken aus. Der Saron ist ein Referenzzinssatz für den Schweizer Geldmarkt und orientiert sich eng am Leitzins der Nationalbank. Mitte Juli lag er leicht unter der Nulllinie.
Der effektive Zinssatz einer Saron-Hypothek besteht allerdings nicht nur aus dem Referenzzins. Hinzu kommt eine mit der Bank vereinbarte Marge. Diese richtet sich unter anderem nach der Höhe und Laufzeit der Finanzierung, der Belehnung, der Bonität des Kunden sowie nach Lage und Qualität der Immobilie.
Ein unveränderter SNB-Leitzins bedeutet deshalb stabile Rahmenbedingungen, aber nicht automatisch identische Konditionen für sämtliche Hypothekarnehmer.
Festhypotheken folgen dem Kapitalmarkt
Bei langfristigen Festhypotheken ist der Zusammenhang mit dem Leitzins weniger direkt. Während die Nationalbank vor allem die kurzfristigen Geldmarktzinsen steuert, entstehen die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt. Massgebend sind unter anderem die Inflationserwartungen, die Konjunkturaussichten sowie die Refinanzierungskosten der Banken.
Raiffeisen erklärt in ihrer Analyse zur Entstehung der Hypothekarzinsen, dass sich die Empfehlungen für Festhypotheken an den täglich schwankenden Refinanzierungssätzen auf den Kapitalmärkten orientieren.
Da Raiffeisen weder mit einem nachhaltigen Inflationsschub noch mit einer baldigen Zinserhöhung der Nationalbank rechnet, dürften auch die langfristigen Hypothekarzinsen vorerst in einer engen Bandbreite bleiben. Ganz ausgeschlossen sind kleinere Ausschläge allerdings nicht.
Franken bleibt ein wichtiger Faktor
Ein entscheidender Unsicherheitsfaktor bleibt der Schweizer Franken. Dieser hat zuletzt etwas an Wert verloren, weil sich die erwarteten Zinsunterschiede gegenüber dem Euroraum und den USA vergrössert haben. Dadurch ist der unmittelbare Handlungsdruck für die Nationalbank gesunken.
Bei einer erneuten Verschärfung der geopolitischen Lage könnte der Franken als sicherer Hafen jedoch wieder stärker werden. Eine rasche und übermässige Aufwertung würde Schweizer Exporte verteuern und den ohnehin geringen Preisauftrieb zusätzlich bremsen. Die SNB hält deshalb ausdrücklich an ihrer Bereitschaft fest, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.
Weitere Risiken gehen von den Energiepreisen, der internationalen Handelspolitik und einer möglichen Abschwächung der Weltwirtschaft aus. Daraus lässt sich ableiten: Ein neuer Inflationsschub könnte vor allem langfristige Finanzierungen verteuern. Eine schwächere Wirtschaft oder ein deutlich stärkerer Franken würden dagegen den Druck auf die Nationalbank erhöhen, ihre Geldpolitik erneut zu lockern.
Kein Grund für überstürzte Entscheide
Auch andere Marktbeobachter rechnen kurzfristig mit einem weitgehend stabilen Zinsumfeld. Die UBS erwartet ebenfalls, dass die SNB ihren Leitzins in den kommenden Quartalen bei 0 Prozent belässt. Ab 2027 hält sie bei einer kräftigeren Konjunkturerholung allerdings einen langsamen Anstieg der Zinsen für möglich.
Für Hypothekarnehmer bedeutet die Prognose von Raiffeisen deshalb vor allem Planungssicherheit. Die Wahl zwischen einer Saron- und einer Festhypothek sollte dennoch nicht allein auf einer kurzfristigen Zinsprognose beruhen. Entscheidend sind ebenso die finanzielle Tragbarkeit, die gewünschte Flexibilität und die persönliche Bereitschaft, Zinsschwankungen auszuhalten.
Der nächste wichtige Prüfstein folgt am 24. September. Dann veröffentlicht die Schweizerische Nationalbank ihre nächste geldpolitische Lagebeurteilung. Bis dahin spricht vieles für stabile Hypothekarzinsen und wenig Bewegung am Schweizer Finanzierungsmarkt.