Gesundheitswesen im Visier
12.06.2019

Gesundheitswesen im Visier

Die Sitag AG aus Sennwald setzt ihren Wachstumskurs fort: 2018 waren es 20 Prozent. Seit Februar hat sie ein neues Bearbeitungscenter und setzt als erste Schweizer Büromöbelherstellerin die Lasertechnologie für Freiformen ein. Ein Highlight-Text aus der aktuellen LEADER-Ausgabe von Tanja Millius.

Toni Lee, die Sitag AG ist sehr erfolgreich unterwegs. Was ist ihr Erfolgsrezept?
Innovative und qualitativ hochstehende Produkte sind das Eine. Die Kombination von Serienprodukten verbunden mit Spezialprodukten, welche wir ganz spezifisch auf den Kunden ausrichten, ist ein anderer und sehr wesentlicher Punkt für unseren Erfolg. Wir produzieren alle Sitag Stuhl- und Möbelprogramme an unserem Hauptsitz in Sennwald. Das – verbunden mit Schnelligkeit und Kundennähe – bringt uns grosse Vorteile.

Was machen Sie besser als andere Schweizer Büromöbelhersteller?
Die Sitag AG gehört heute zum grössten Büromöbelhersteller Europas, der Nowy Styl Group. Die polnische Gruppe verfügt über die grösste Komponentenfertigung von Büromöbelteilen Europas. Das eröffnet für Sitag unter anderem grosse Vorteile im Beschaffungsbereich. Trotz der Konzerngrösse ist es uns gelungen, die Flexibilität und Schnelligkeit eines KMU zu erhalten. Unsere Fluktuationsrate ist tief, wodurch wir wichtiges Know-how in der Firma behalten. Flache Hierarchiestufen und modern ausgerichtete Arbeitswelten in unserem Showroom, dem Sitag Home of Visions, fördern zudem die Motivation unserer Mitarbeiter.

Sie haben diverse Grosskunden in der Kundenkartei – hilft die Zugehörigkeit zur Nowy Styl Group, um überhaupt an solche Grossaufträge zu kommen?
Natürlich haben wir durch die Zugehörigkeit zu der Nowy Styl Group die Möglichkeit anders zu agieren. Die internationale Zusammenarbeit mit der Gruppe hilft uns, unsere Produkte noch stärker auch auf Exportmärkten zu platzieren. Sei es durch Lieferung von Fertigprodukten oder durch die Vergabe von Lizenzen an unsere Schwesterfirmen. Gleichzeitig haben wir Zugriff auf eine enorm grosse Produktpalette aus der Gruppe, die es uns ermöglicht, neue Kundensegmente zu erreichen. Dank der Gruppenzugehörigkeit können wir Grosskonzerne fast auf der ganzen Welt mit Produkten versorgen.

Wo haben Sie bisher von der Übernahme vor knapp vier Jahren generell profitiert?
Ein Unternehmen wie die Sitag AG wäre zu klein, um in Zukunft alleine auf dem Markt zu bestehen. Alleine die Produktentwicklung wird immer schneller und kostenintensiver. Heute stehen uns innerhalb der Gruppe viel grössere Budgets zur Verfügung. Hier liegt einer der grössten Profite. Ein weiterer Vorteil ist natürlich der internationale Marktzugang. Auch bringt der Informationsaustausch zwischen den Angestellten der Nowy Styl Group viel Know-how in die einzelnen Unternehmen.

Auch für nächstes Jahr prognostiziert die Sitag AG ein Wachstum – mit 13 Prozent etwas vorsichtiger. Was heisst das für die Auftragsbücher?
Wir konnten letztes Jahr dank diversen Grossobjekten einen Auftragseingang von plus 20 Prozent verbuchen, dabei war der Zuwachs in der Schweiz alleine 28 Prozent. Für 2019 haben wir nicht mehr das gleiche Wachstum, glauben aber, den budgetierten Mehrumsatz von 13 Prozent zu erreichen. Im Moment sind wir absolut auf Kurs, denn unser Auftragsvorrat ist aktuell klar über dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Wo liegt das grösste Wachstumspotenzial der Sitag AG?
Unser Marktanteil in der Schweiz liegt unter zehn Prozent. Das alleine zeigt, dass noch Potenzial vorhanden ist. Noch wichtiger ist aber, dass wir heute in ganz neue Segmente vorstossen können. Die Nowy Styl Group hat vor einigen Monaten beispielsweise die Firma Kusch+Co in Deutschland übernommen. Der Objektmöbelhersteller vertreibt neben Büroeinrichtungen auch Lösungen für Flughäfen, Hafenterminals, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Vor allem im Gesundheitswesen erhoffen wir uns einiges.

Was heisst das konkret?
Wir möchten beispielsweise in Altenheimen stärker Fuss fassen. Ferner haben wir auch dank der Nowy Styl Group die Möglichkeit, vor allem bei grossen Projekten attraktive Angebote zu unterbreiten. Die Welt wird immer globaler, und wir sind überzeugt, dass wir dank eines gut etablierten CRM-Systems weltweit Informationen so sammeln können, dass wir auch in der Schweiz davon profitieren.

Mit dem neuen Bearbeitungscenter und der Lasertechnologie für Freiformen ist die Sitag Vorreiterin unter den Schweizer Büromöbelherstellern: Was für Vorteile versprechen Sie sich davon?
Bereits 2011 war Sitag mit der Lasertechnologie im Kantenbereich der erste Büromöbelhersteller in der Schweiz, der diese angewendet hat. Nun sind wir die erste Schweizer Firma, die auch Freiformflächen mit Laserkanten belegt und in diesem hohen Qualitätsstandard herstellt. Dank höchster Präzisionsleistung sind die Kantenübergänge mit optischer Nullfuge nicht sichtbar. Diese Qualitätsverbesserung verteuert das Produkt nicht, macht es aber langlebiger und edler. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bessere Qualität zum gleichen Preis. Dadurch erhoffen wir uns einen Marktvorteil.

Sind in Zukunft noch weitere Innovationen geplant?
Selbstverständlich werden wir auch in Zukunft unter dem Dach der Nowy Styl Group an weiteren Innovationen arbeiten, sei es an neuen Produkten oder Produktionstechniken. So wird im Sommer unter anderem eine innovative neue Stuhlfamilie aus unserem Hause auf den Markt kommen.

Zum Schluss: Wenn Sie einen Wunsch bezüglich Wirtschaftspolitik frei hätten, wie lautete dieser?
Die Politik sollte sich darüber Gedanken machen, wie wir die immer grösser werdende Gesetzesflut und Bürokratie endlich reduzieren können. Jährlich tausende Seiten von neuen Gesetzen und Vorschriften – das kann es einfach nicht sein.