Erstes Ostschweizer Digitalisierungs- und KI-Barometer erschienen
Text: stz.
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Die Studie liefert eine empirische Standortbestimmung für Unternehmen im Thurgau sowie in den Kantonen St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden und versteht sich ausdrücklich nicht als Ranking, sondern als Orientierungshilfe. Grundlage des Barometers ist eine Onlinebefragung von 181 Unternehmen im Zeitraum vom 5. November bis 12. Dezember 2025 durch das Sozial- und Marktforschungsunternehmen DemoSCOPE AG. Die Studie basiert auf einer freiwilligen Selbstselektionsstichprobe (Convenience Sample) und bildet einen besonders digital affinen Ausschnitt («digitale Champions») ab.
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Dynamik: 84 Prozent der befragten Unternehmen setzen generative KI bereits ein, häufig mit Fokus auf interne Anwendungen. Gleichzeitig bleiben zentrale Voraussetzungen zurück. So sind Weiterbildung, Schulungen zur KI-Ethik und Datenkompetenz in vielen Organisationen noch nicht strukturell verankert.
Caroline Obolensky, Geschäftsführerin des TIDIT, stellte zentrale Erkenntnisse vor und ordnete die Resultate im nationalen Kontext ein. Besonders aufschlussreich war der Vergleich mit der Digitalen Verwaltung Schweiz und deren E-Government-Studie 2025. Dabei zeigte sich: Die Ostschweizer Kohorte nimmt in mehreren Bereichen eine Spitzenposition ein.
So liegt die Ostschweiz bei der Nutzung der digitalen Signatur deutlich vor dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. 30 Prozent der befragten Organisationen nutzen die digitale Signatur häufig, national sind es lediglich zehn Prozent. In diesem Bereich kann die Region als digitale Vorreiterin gelten.
Gleichzeitig macht das Barometer bestehende Defizite sichtbar.
Insbesondere die Datenkompetenz bleibt ein Engpass innerhalb der digitalen Kompetenzen. Auch bei der Weiterbildung besteht Handlungsbedarf: 44 Prozent der Unternehmen bieten Schulungen zu Künstlicher Intelligenz an. Geht es um ethische Fragen im Zusammenhang mit KI, sind es lediglich 19 Prozent.
Die Resultate verdeutlichen, dass technologische Anwendung und strategische Transformation nicht automatisch Hand in Hand gehen. Während einzelne Instrumente bereits breit genutzt werden, braucht es vertiefte Kompetenzen, systematische Weiterbildung und eine stärkere Verankerung ethischer Fragen in den Organisationen.
Caroline Obolensky sagt: «Wir sehen in der Ostschweiz eine Gruppe digital fortgeschrittener Unternehmen, die KI praktisch nutzt. Gleichzeitig zeigt das Barometer: Der Engpass liegt weniger bei der Technologie als bei digitalen Kompetenzen, Ressourcen und der strategischen Umsetzung im Alltag.» Zu den häufigsten in der Befragung genannten Hürden zählen fehlende Zeit und Kapazitäten, Kosten, Prozesskomplexität sowie regulatorische Unsicherheiten.
Das vollständige Barometer steht ab sofort zum Download bereit.
Die Erkenntnisse werden am 11. Mai 2026 am I+D Campus in Kreuzlingen vertieft diskutiert. Ziel ist es, die Resultate gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung und Forschung weiterzuentwickeln und konkrete Impulse für die digitale Transformation in der Ostschweiz zu setzen.
Ermöglicht wurde das Barometer durch die Zusammenarbeit mit der DemoSCOPE AG, der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell sowie der Industrie- und Handelskammer Thurgau.