Einsatz für Insekten ausgezeichnet
07.02.2019

Einsatz für Insekten ausgezeichnet

Gegen viele Widerstände aus Wirtschaft und persönlichem Umfeld hat der Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus aus Gais AR seine Innovation „Insect Respect“ weiterentwickelt. Für sein „Unternehmerisches Herz“ hat ihn nun die WirtschaftsWoche gemeinsam mit der Würth-Gruppe ausgezeichnet.

Auslöser für den Unternehmenswandel war der Dialog mit den St.Galler Konzeptkünstlern Frank und Patrik Riklin. Sie initiierten die Gegenbewegung „retten statt töten“ und setzten 2012 gemeinsam mit Hans-Dietrich Reckhaus die Aktion „Fliegen retten in Deppendorf“ um.

Am 6. Februar 2019 zeichnete die WirtschaftsWoche Hans-Dietrich Reckhaus für sein „Unternehmerisches Herz“ aus. Die Preisübergabe fand beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall statt. Die Jury des gleichnamigen Preises zeigte sich begeistert von der innovativen Lösung, die der Biozid-Unternehmer mit Insect Respect der ganzen Branche anbietet.

Anfangs alle gegen sich
„Hans-Dietrich Reckhaus hatte zu Beginn alle gegen sich“, sagt Daniel Rettig, Ressortleiter Erfolg der WirtschaftsWoche, „doch weil er von seiner Entscheidung überzeugt war, hat er sich gegen alle Widerstände durchgesetzt – und Recht behalten.“

 „Wir brauchen Vorbilder, die das Unbequeme nicht scheuen, die Kritik mutig in Kauf nehmen und keine Angst haben, Profit und Verantwortung in Zusammenhang zu stellen – Vorbilder mit einem unternehmerischen Herz, die so das Wachstum für eine gute gesunde Zukunft bestimmen“, erläutert Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe in seiner Laudatio.

Transformation der Wirtschaft nötig
„Ein unternehmerisches Herz sollte für eine zukunftsfähige Wirtschaft schlagen“, sagt Hans-Dietrich Reckhaus. Zukunftsfähig seien Modelle, die auch langfristig tragfähig sind und den weltweiten Biodiversitätsverlust nicht noch verschärfen. Der Geschäftsführer der Reckhaus Gruppe und Initiator von Insect Respect hat die Dringlichkeit des Insektensterbens und den Wert der Sechsbeiner erkannt und strebt daher eine Reduktion der Insektenbekämpfung an.

Reckhaus initiierte das Gütesiegel „Insect Respect“ für einen neuen Umgang mit Insekten: „Wir berechnen, wie viele und welche Insekten mit Bioziden im Innenraum bekämpft werden. Um diesen ökologischen Schaden zu kompensieren, errichten wir insektenfreundliche Lebensräume“, erklärt Reckhaus. Grosse deutsche Handelsunternehmen wie dm-Drogeriemärkte und Aldi Süd nutzen das Gütesiegel für ihre Eigenmarke-Produkte. „Mein Ziel ist es, die Gesellschaft zu sensibilisieren und den Markt der Biozidhersteller zurückzudrängen“.

Umkehr durch Künstler
Auslöser für den Unternehmenswandel und das weltweit einzigartige Ausgleichsmodell war der Dialog mit den Ostschweizer Konzeptkünstlern Frank und Patrik Riklin. Sie konfrontierten Hans-Dietrich Reckhaus mit der Frage: Wie viel Wert hat eine Fliege? Ihre Antwort: Retten statt töten. Die daraus entstandene Gegenstrategie mündete in einen Transformationsprozess und in die Entwicklung von „Insect Respect“. Den Höhepunkt bildete die gemeinsame Kunstaktion „Fliegen retten in Deppendorf“ (2012), die ein ganzes Dorf mobilisierte und eine Fliege mit dem weltweit ersten Flugticket für ein Insekt in den Wellness-Urlaub ins Schloss Elmau führte.

Jede Fliege zählt – Tag der Insekten am 21. März 2019
Gerade hat Reckhaus die 4. Auflage seines Buchs „Warum jede Fliege zählt“ veröffentlicht. Die komplett überarbeitete und umfangreich ergänzte Publikation zeigt das ambivalente Verhältnis von Menschen und Insekten: Die Tiere sind wichtig als Nützlinge, aber auch bekannt als Schädlinge. Weltweit gehen ihre Zahl und Vielfalt stark zurück. (ISBN 978-3-033-07049-3).

Am 20./21. März 2019 veranstaltet Reckhaus zusammen mit dem Museum für Naturkunde Berlin den 3. bundesweiten Tag der der Insekten. Mit ca. 200 Gästen aus Forschung, Umweltorganisationen, Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft kommt dort die «Lobby für Insekten» zum Schwerpunkt «Wirtschaft» zusammen: Was können Unternehmen gegen das Insektensterben unternehmen?

Auf dem Bild: Dr. Hans-Dietrich Reckhaus (2.v.l.) mit den Unternehmern Reinhold und Carmen Würth sowie Robert Friedmann (rechts), Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe. Foto: Sebastian Muth