Ein neuer Player auf dem Bankenplatz St.Gallen
22.02.2019

Ein neuer Player auf dem Bankenplatz St.Gallen

Die Valiant-Bank eröffnet 2019 eine Filiale an der Marktgasse in St.Gallen. Es ist der erste von mehreren Ostschweizer Standorten der Berner Bank. Welches Potenzial sieht der neue Marktteilnehmer? Und wie will man sich im Hypothekengeschäft behaupten? Adeline Düing, Regionenleiterin Privat- und Geschäftskunden der Valiant Bank AG in St.Gallen, gibt im LEADER-Exklusivinterview Auskunft.

Adeline Düing, gemäss Medienmitteilung Ihrer Bank soll die Eröffnung im zweiten Quartal 2019 erfolgen. Können Sie das Zeitfenster schon etwas einengen?
Die Eröffnung in St.Gallen ist Ende Oktober 2019 vorgesehen. Wir freuen uns schon sehr auf den Start in der Ostschweiz. Zur Eröffnung werden wir auch einen Tag der offenen Tür organisieren. Die Bevölkerung aus der Region wird sich ein Bild der modernen Valiant-Geschäftsstelle machen, das Team kennenlernen und die neuen digitalen Dienstleistungen testen können.

Was wird Sie persönlich bis zur Eröffnung noch fordern?
Valiant ist hier heute noch nicht wirklich bekannt. Wir setzen derzeit alles daran, die Region auf die Eröffnung der ersten Geschäftsstelle der lila Bank in der Ostschweiz vorzubereiten. Bis dahin gibt es noch viel zu tun – und wir sind mit Vollgas daran.

Das Angebot auf dem Bankenplatz St.Gallen ist ja alles andere als gering. Wieso wagt sich Valiant in dieses Umfeld?
Valiant hat in den letzten Jahren schon viele Erfahrungen gesammelt mit dem Eintritt in neue Marktgebiete. Wir haben vor zwölf Jahren die ersten Schritte in die Romandie gemacht und in den letzten beiden Jahren auch an den Lac Léman. Die Bankendichte war auch an diesen Standorten gross, und trotzdem haben wir es geschafft, uns unseren Platz zu sichern. Wir gehen ja bewusst in Regionen, die wachsen, wo es auch Potenzial für neue Marktteilnehmer hat. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Valiant als Alternative zu den bestehenden Banken durchaus willkommen ist. Damit rechnen wir auch im Raum St.Gallen.

Wo sehen Sie für Ihre Bank das grösste Potenzial?
Valiant hat ein eigenes Modell entwickelt, um sich in neuen Marktgebieten gut zu positionieren: Wir beziehen nur moderne Geschäftsstellen an besten Lagen. Das gibt Vertrauen. Und unsere Kundenberater sind lokal verankert. Auch das gibt Vertrauen. Für die KMU-Kunden sind wir mobil unterwegs, beraten sie auf Wunsch auch im Betrieb und ersparen ihnen so den Weg. Und zudem wollen wir im Raum St.Gallen mit einer Vergleichshypothek etwas Einzigartiges auf dem Hypothekenmarkt anbieten: Ein Kunde kann sich bei uns beraten lassen, erhält aber verschiedene Offerten, auch von anderen Anbietern. Mit diesen Argumenten werden wir bei Kundinnen und Kunden hoffentlich punkten.

Ein immenser Konkurrenzkampf herrscht gerade auch im erwähnten Hypothekengeschäft. Andere Banken werfen hier die langjährige Verankerung in der Region in die Waagschale.
Natürlich ist die lokale Verankerung wichtig. Aber dabei geht es vor allem um die Angestellten vor Ort. Wir haben in St.Gallen und Wil Leute gefunden, die seit vielen Jahren in der Bankbranche in dieser Region arbeiten. Ich war bei Raiffeisen, Katrin Ruckstuhl, die Leiterin der Geschäftsstelle Will, ebenfalls. Und Pascal Studer, der Leiter unserer Geschäftsstelle in St.Gallen, arbeitete bei der hiesigen Migros Bank. Auch wenn wir mit unserem Standort neu sind – die Mitarbeiter sind alles «alte Hasen». Sie sind hervorragend vernetzt und kennen die lokalen Gegebenheiten bestens.

Welche Aspekte muss ich als möglicher Kunden prüfen, bevor ich mich für einen Finanzierungspartner entscheide?
Der Erwerb eines Eigenheims ist für viele Menschen die Investition des Lebens. Auch steckt im Kauf oder Bau von Wohneigentum meistens viel Herzblut und Geld. Dabei gilt: Je grösser und langfristiger die Investition, desto wichtiger die Planung. Als regional ausgerichtete Bank kennen wir bei Valiant den Immobilienmarkt vor Ort und können deshalb umfassend beraten.

Wie handhabt Ihre Bank die Formel, wonach ich einen Fünftel der Finanzierung selbst einbringen muss?
Eigenkapital ist für den Erwerb von Wohneigentum entscheidend, egal ob man das Traumobjekt schon gefunden hat oder erst den Rahmen abstecken will. Im Normalfall müssen es mindestens 20 Prozent des Verkehrswertes sein. Das Eigenkapital kann sich allerdings aus verschiedenen Teilen zusammensetzen. Neben den Ersparnissen (sogenannte Barmittel) können zum Beispiel auch Erbvorbezüge oder Vorsorgegelder ins Eigenkapital eingerechnet werden. Wichtig ist, dass sich die Kunden gut überlegen, welche Mittel sie verwenden wollen, und sich kompetent beraten lassen. Wir zeigen individuell die unterschiedlichen Möglichkeiten auf.

Der Traum vom Eigenheim kann auch zum Alptraum werden. Was wird gemacht, damit das nicht passiert?
Nebst dem Eigenkapital ist auch die Tragbarkeit ein entscheidendes Kriterium, das man berücksichtigen muss: Kann sich der Käufer das Traumobjekt leisten, auch wenn die Zinsen vielleicht wieder ansteigen? Das persönliche Beratungsgespräch ist eine zentrale, wichtige Voraussetzung, um die ideale Finanzierung zu finden. Daneben arbeiten wir mit unterstützenden digitalen Tools wie beispielsweise unserem Hypo-Check. Dieser kann von unseren Kunden selbstständig genutzt werden und verifiziert anhand weniger Angaben den Kaufpreis einer Immobilie. Zudem stellt er weitere wertvolle Informationen zusammen – und es können verschiedene Finanzierungsszenarien berechnet werden.

Text: Marcel Baumgartner
Bild: Marlies Thurnheer