09.04.2018

Die Mühleggbahn wird saniert

Die Kabine der Mühleggbahn ist am 3. April in den Ruhestand getreten. Die Bahn wird über den Sommer saniert und steht für ein halbes Jahr still. Wer zu den Dreiweihern hoch will, muss den Bus nehmen. Derweil sucht der «Förderverein Drahtseilbahn Mühlegg» Gönner und neue Aktionäre, um rund 700’00 Franken zur Sanierung beitragen zu können.

Für viele St.Galler ist es die Kutsche zum Naherholungsgebiet: Das Mühleggbähnli tut seit Jahren seinen Dienst und bringt Millionen Besucher nach St.Georgen und zu den Dreiweihern. Nun steht die Standseilbahn bis im Herbst still, denn sie wird für knapp sechs Millionen Franken saniert.

Seit 2004 stand die Kabine in Betrieb. Man hätte sie auch weiter nutzen können. «Man muss die Bahn alle sechs Jahre revidieren, was jetzt wieder der Fall gewesen wäre. Das würde viel Arbeit bedeuten. Wir entschieden uns daher, eine neue Kabine einzusetzen», sagte Philip Schneider, Verwaltungsratspräsident Mühleggbahn, zu fm1today.ch.

Mit der Sanierung soll die Mühleggbahn in erster Linie schneller und für Rollstuhlfahrer besser erreichbar werden. Im November wird die über hundert Jahre alte Bahn wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Mit der Inbetriebnahme der Mühleggbahn zwischen dem Müllertor und dem Dorf St.Georgen entstand 1893 die erste innerstädtische Verkehrsverbindung. Die Mühleggbahn wurde zu jener Zeit mit blosser Schwerkraft betrieben: Zwei Wagen, in deren Boden sich grosse Wassertanks befanden, waren über das Zugseil miteinander verbunden. In der Bergstation wurde das Fahrzeug mit Wasser befüllt. Das Wasser stammte aus dem Brand- und Bädlibach, weil der Mühleggweiher unmittelbar neben der Bergstation bereits für die Dampflokomotiven der Vereinigten Schweizerbahnen angezapft wurde. Mit dem Gewicht des Wassers fuhr es ins Tal hinunter und zog das Fahrzeug aus der Talstation hinauf. In der Mitte des Tunnels kreuzten die Fahrzeuge, die Ausweichstelle ist heute noch am breiten Tunnelprofil erkennbar. Nach Ankunft in der Talstation wurde das Ballastwasser in die Steinach entleert.

Diese Antriebsart funktionierte bis 1950. Dann wurde die Mühleggbahn zur Zahnradbahn umgebaut. 1975 musste die Bahn erneuert werden. Das erforderliche Kapital fehlte, die Bahn stand kurz vor der definitiven Schliessung, als Paul Hell in einer grossen Sammelaktion in letzter Minute das erforderliche Geld zusammenbrachte. Damit wurde die Bahn auf den heute noch bestehenden elektrischen Antrieb umgestellt. Dieses System wird als Schräglift bezeichnet, die Fahrgastkabine fährt im vollautomatisierten Betrieb nach Bedarf auf Knopfdruck.

Die letzte grosse Erneuerung der Bahnanlage erfolgte 2004, wiederum nach einer Spendensammlung und Kapitalerhöhung. Erstmals beteiligte sich auch die öffentliche Hand mit einem städtischen Beitrag von CHF 1.2 Mio. Die Erneuerung kostete CHF 2.8 Mio., die Umbauzeit betrug zwei Monate. Fahrzeuge und Gleisanlage wurden komplett erneuert, der Tunnel sowie Tal- und Bergstation wurden saniert.

Die 2018 anstehende Sanierung des Tunnels, die Erneuerung der Kabine und die Aufwertung der Stationsgebäude werden von drei Partnern getragen: Die Mühleggbahn AG vermag CHF 2 Millionen zu finanzieren, die Stadt St.Gallen wird sich mit CHF 2.8 Millionen am Vorhaben beteiligen, und der Förderverein Drahtseilbahn Mühlegg will mit verschiedenen Aktivitäten weitere CHF 700’000 zum Projekt beitragen, damit das Kulturgut Mühleggbahn weiter bestehen bleibt.

Personen, welchen die Zukunft der Mühleggbahn am Herzen liegt, können sich als neue Aktionäre oder Gönner des Bähnlis engagieren. Alle Informationen dazu finden sich auf http://www.muehleggbahn.ch/Ueber-uns/Foerderverein.htm

Kunstdruck von Otto Forster
Otto Forster, der St.Geörgler Maler und Dachdecker, hat zugunsten der Sammelaktion sein Mühleggbähnli (siehe Startbild) porträtiert. Der Verein Drahtseilbahn Mühlegg verkauft 100 handsignierte Kunstdrucke (66 x 78.3 cm). Ein Bild kostet CHF 500. Der Erlös wird vollumfänglich der Mühleggbahn AG für das Sanierungsprojekt 2018 weitergeleitet.

Bestellmöglichkeiten finden sich ebenfalls unter o. g. Link.