St.Gallen

Dem Glück am Arbeitsplatz auf der Spur

Dem Glück am Arbeitsplatz auf der Spur
Ricarda Rehwaldt
Lesezeit: 3 Minuten

Kann Arbeit glücklich machen? Darüber diskutierten am 20. Januar 2026 an einer Fachtagung des Forums BGM Ostschweiz in St.Gallen rund 200 Teilnehmer mit Experten aus Wissenschaft und Praxis.

Text: PD/stz.

«Sagen Erwachsene, sie müssten statt dürften noch arbeiten, lernen Kinder früh, dass Arbeit etwas Mühsames ist.» Mit diesem Satz eröffnete Ricarda Rehwaldt, Professorin für Psychologie und Expertin für Glück bei der Arbeit, ihren Vortrag an der Fachtagung «Glück am Arbeitsplatz: alles Zufall?» im Pfalzkeller St.Gallen. Die Vorstellung sei in unserer Gesellschaft tief verankert, dass Arbeit eine Belastung sei. «Ist das nicht traurig?», fragte Rehwaldt die 200 Teilnehmer und leitete die zentrale Frage des Tages ein: Kann Arbeit auch glücklich machen?

Zur Fachtagung am 20. Januar 2026 hatte das Forum BGM Ostschweiz eingeladen. Nebst Ricarda Rehwaldt beleuchteten drei weitere Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft unter der Leitung von Moderator Marco Fritsche das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Stärken und Gemeinschaft

Damit ein Glücksgefühl bei der Arbeit entsteht, braucht es gemäss Rehwaldt bestimmte Bedingungen. «Entscheidend sind die drei Faktoren Sinnempfinden, Selbstverwirklichung und Gemeinschaft», sagte sie. «Mitarbeiter empfinden Glück bei der Arbeit, wenn sie einen Sinn erkennen, ihre Stärken einbringen können und Teil einer Gemeinschaft mit gemeinsamen Werten sind.»

Rehwaldt unterscheidet klar zwischen Zufriedenheit und Glück. Gute Bezahlung oder angenehme Arbeitsbedingungen sorgen für Zufriedenheit, führen jedoch nicht automatisch zu Glück. Letzteres wirke effektiver, da es die Kreativität, Kommunikation, Gesundheit und Bindung ans Unternehmen fördere. «Warum gibt es kein betriebliches Glücksmanagement?», fragte sie und forderte dazu auf, Glück aktiv als Führungs- und Kulturthema zu gestalten, anstatt es dem Zufall zu überlassen.

Celina Kind und Moderator Marco Fritsche
Celina Kind und Moderator Marco Fritsche

Praxisbeispiele aus Unternehmen

Dass die Erkenntnisse aus der Forschung durchaus der Praxis entsprechen, zeigte das Referat von Celina Kind, HR-Managerin der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). Dort ist betriebliche Gesundheitsförderung fest in der Unternehmenskultur verankert. Doch wie steht es um das Glück? Diese Frage hatte Celina Kind im Vorfeld der Tagung Mitarbeitern der LLB gestellt und deren Antworten in einem Video festgehalten.

Glück mache für sie aus, täglich lernen zu dürfen, der starke Zusammenhalt im Team, gute Gespräche mit Kollegen sowie die Möglichkeit, sich gemeinsam weiterzuentwickeln. «Dafür braucht es eine wertschätzende Unternehmenskultur, Vertrauen und ein Arbeitsklima, in dem sich Mitarbeiter offen äussern und einbringen können», sagte sie. Entscheidend sei vor allem auch eine positive Fehlerkultur.

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Barbara Ehrbar-Sutter
Barbara Ehrbar-Sutter

Welche Rolle zwischenmenschliche Anerkennung spielt, darauf ging Barbara Ehrbar-Sutter von der Breitenmoser Appenzeller Fleischspezialitäten AG ein. «Zu Kündigungen kommt es meist nicht wegen des Jobs selbst, sondern wegen der Beziehungen, die am Arbeitsplatz fehlen», sagte sie. Glück entstehe durch faire Behandlung, Wertschätzung, sichtbare Dankbarkeit und echtes Interesse am Gegenüber.

Wie wichtig dies sei, habe ihr ein komplexer Betriebsumzug bestätigt. «Obwohl während mehrerer Monate niemand Ferien nehmen konnte, alle mehr arbeiten mussten und stärker gefordert waren, kam es zu keiner einzigen Kündigung. Trotz des grossen Mehraufwandes haben wir beim Swiss Arbeitgeber Award den dritten Platz belegt. Das sagt viel aus», sagte sie.

Barbara Studer
Barbara Studer

Hirnfreundliche Atmosphäre schaffen

«Wieso prägen sich die meisten von uns Negatives besser ein als Positives?», fragte Barbara Studer, Neurowissenschaftlerin, Musikerin und Hirncoach, zu Beginn ihres Referates und zeigte auf, wie sich mentale Gesundheit und eine hirnfreundliche Arbeitsatmosphäre gegenseitig beeinflussen. Psychologische Sicherheit, ein konstruktiver Umgang mit Fehlern und eine bewusste Emotionssteuerung seien zentral, damit Menschen am Arbeitsplatz mental gesund und produktiv bleiben.

Studer warnte vor Multitasking und ständigen Unterbrechungen und plädierte für Pausen und soziale Verbundenheit. Zum Abschluss der Tagung lud sie die Teilnehmer zu kurzen Übungen ein, zu einem «entspannenden Schaumbad fürs Gehirn», wie sie es bezeichnete. Durch bewusstes Einatmen und sanftes Summen aktivierten die Teilnehmer den Vagusnerv, was entspannend wirke. «Auf diese Weise sind wir wieder konzentrierter, im Moment präsent und kreativer», sagte Studer.

Durch diese Übung gestärkt, gingen die Teilnehmer anschliessend zum Apéro über, wo sie die Impulse des Tages in persönlichen Gesprächen weiter vertiefen konnten.

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