Das Ländle feiert Geburtstag
24.01.2019

Das Ländle feiert Geburtstag

Am 23. Januar feierte das Fürstentum Liechtenstein den offiziellen Auftakt zu seinem 300. Jubiläum. Mit einer einzigartigen Geburtstagsfeier startete das kleine Land im Herzen von Europa in sein Jubiläumsjahr. Unter den Gratulanten waren auch die Bundespräsidenten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.

«Ich empfinde Dankbarkeit und Stolz, weil das Fürstentum Liechtenstein auf insgesamt sehr glückliche 300 Jahre zurückblicken kann», sagte S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein während des Festakts zur Feier des 300. Geburtstag des Fürstentums Liechtenstein mit internationalen Gästen. Seine Dankbarkeit gelte den vielen Persönlichkeiten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Geschichte Liechtensteins in ihren jeweiligen Bereichen ihren Teil dazu beigetragen haben. «Unser Dank gilt aber auch unseren Nachbarn, ohne deren gute und enge Zusammenarbeit die glückliche Entwicklung unseres Landes nicht möglich gewesen wäre», so Erbprinz Alois weiter. 

Dafür verantwortlich seien unterschiedliche Faktoren gewesen. Liechtenstein habe das Glück gehabt, wegen seiner Armut und geografischen Randposition lange ein uninteressanter Staat zu sein. Während der ersten Jahre sei hauptsächlich die internationale Vernetzung und Anerkennung der Fürstenfamilie für das Überleben verantwortlich gewesen. Später waren es die rasche Reaktion auf kritische Entwicklungen und das rechtzeitige Einbringen der Anliegen Liechtensteins auf internationaler Ebene. «Nur so glückte die europäische Integration durch die Anpassung des EWR-Vertrags auf Liechtenstein, nur so war die Neuausrichtung des Finanzplatzes möglich», sagte Erbprinz Alois.

Faktoren für den Erfolg
Einen Erfolgsfaktor, den Liechtenstein nicht beeinflussen konnte, war gemäss Erbprinz Alois die globale Öffnung der Märkte. Ohne diese wäre die Entwicklung Liechtensteins zu einem breit diversifizierten und hochspezialisierten Wirtschaftsstandort nicht möglich gewesen. Heute sei Liechtenstein in der glücklichen Position, selbst ein Vorbild für andere zu sein. «Liechtenstein verfügt bereits heute über etliche Nachhaltigkeitsinitiativen, die auch international auf Interesse stossen oder das Potenzial dafür haben», so Erbprinz Alois. Durch kluge weitere Schritte in Richtung einer umfassenden Nachhaltigkeit erhöhe sich nicht nur die Attraktivität des Standorts Liechtenstein, sondern man könne der Staatengemeinschaft auch einen Mehrwert bieten.

«Liechtenstein ist es in den letzten 300 Jahren nie so gut gegangen wie heute», fasste der Erbprinz zusammen. «Die Zukunft ist voller Herausforderungen. Wenn wir unsere hohe Lebensqualität für uns und unsere Nachkommen erhalten wollen, dürfen wir uns nicht auf unserer glücklichen Position ausruhen. Wir müssen aktiv bleiben und die Grundlagen für die hohe Lebensqualität immer wieder von neuem sichern.». Dies gelte auch für die Aussenpolitik. Es sei wichtig, die guten Beziehungen zu den Nachbarn weiter zu pflegen und sich die Anerkennung als wertvolles Mitglied der globalen Staatengemeinschaft zu sichern – und so auch dem globalen Trend einer multipolaren und instabilen Weltordnung entgegenzuwirken.

Spannende Reise durch Geschichte
Die Geburtstagsfeier am 23. Januar bestand aus zwei Handlungssträngen, die im Laufe des Tages miteinander verwoben wurden: Zum einen würdigten circa 800 Personen aus der Bevölkerung die Vereinigung der Herrschaft Schellenberg mit der Grafschaft Vaduz mit einem Jubiläumsmarsch. Zum anderen fand im SAL in Schaan ein Festakt statt, der die geladenen Gäste auf eine Reise durch die Geschichte des Fürstentums Liechtenstein führte. An diesem Festakt nahmen neben dem Staatsoberhaupt Liechtensteins, Fürst Hans-Adam II., auch das Erbprinzenpaar und die Bundespräsidenten der Schweiz, Österreichs und Deutschlands teil.

Auch die Teilnehmer des Jubiläumsmarsches beschäftigten sich intensiv mit der eigenen Geschichte indem sie während der Wanderung immer wieder an verschiedenen Stationen Aufgaben in Zusammenhang mit Liechtensteins Geschichte erfüllen mussten.. «Diese Aufgaben galt es von den Wanderern spielerisch zu lösen. Es ging also um mehr als nur um einen Marsch – die Teilnehmenden wurden selbst zu den Hauptdarstellern der Veranstaltung», sagte Michelle Kranz, Geschäftsführerin von Liechtenstein Marketing, das mit der Durchführung der Geburtstagsfeierlichkeiten beauftragt wurde.

Der Jubiläumsmarsch war in zwei Gruppen gegliedert. Eine Gruppe begann ihre Reise durch die Geschichte bereits am Morgen bei der Burg Gutenberg im Süden des Landes, die andere gegen Mittag bei der Burgruine Schellenberg im Norden Liechtensteins. Getroffen haben sich diese Gruppen dann am Nachmittag beim sogenannten «Scheidgraben», ein Graben, der die beiden Landesteile «Unterland» und «Oberland» voneinander trennt. Dort stellten die Gruppen mit einer Lichtershow symbolisch die Vereinigung der beiden Landesteile nach.

Gleichzeitig mit dem Marsch wurde im SAL in Schaan ein Festakt durchgeführt, an dem nebst Staatsgästen aus dem Ausland auch Ehrengäste aus Liechtenstein sowie 300 Gewinner aus der Bevölkerung dabei waren. Am Bühnenprogramm wirkten S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, wie auch Regierungschef Adrian Hasler und Landtagspräsident Albert Frick mit. Aber auch verschiedene Repräsentanten aus der Bevölkerung waren Teil des abwechslungsreichen Abendprogramms. «Ein wirklich magischer Moment war, als die Marschteilnehmer zu den Gästen des Festakts gesellt haben», schildert Kranz einen der Höhepunkte des Abends. Im Anschluss an den Festakt gab es sowohl für die Marschteilnehmer, als auch für die geladenen Gäste einen Geburtstagskuchen. «Ich denke, ein Geburtstag ohne Geburtstagskuchen wäre nicht das gleiche gewesen», schmunzelte Kranz.

Internationale Gratulanten
Die Gäste überbrachten Liechtenstein auch aus dem Ausland ihre Glückwünsche. «Ich gratuliere dem Fürstentum Liechtenstein ganz herzlich zu seinem Jubiläum und zu seiner 300-jährigen Geschichte. Den Liechtensteinerinnen und Liechtensteinern danke ich für die hervorragenden nachbarschaftlichen Beziehungen», sagte Ueli Maurer, Bundespräsident der Schweiz, am Apéro im Anschluss an den Festakt.

Die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Liechtenstein dürfe man als schlicht vorbildlich bezeichnen – gerade in einer Welt, in der Machtpolitik und gegenseitige Einmischungen wieder vermehrt zwischenstaatliche Verhältnisse bestimmen. «Im Gegensatz dazu pflegen Liechtenstein und die Schweiz bei aller Verschiedenheit in der Staatsordnung seit Generationen eine enge Verbundenheit, Zusammenarbeit und Freundschaft. Wir achten Eigenheiten und betonen Gemeinsamkeiten. Ich wünsche dem Fürstentum Liechtenstein und all seinen Bewohnern und Bewohnerinnen eine Zukunft in Frieden, Sicherheit und Wohlstand», so der Schweizer Bundespräsident.

Ähnliche Wünsche äusserte auch der Österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen. «Ich wünsche dem Fürstentum Liechtenstein und seiner Bevölkerung weitere erfolgreiche 300 Jahre und bin überzeugt, dass die sehr guten Beziehungen zwischen Österreich und Liechtenstein anhalten, zu unser beider Wohl.» Auch wünsche er Liechtenstein, dass es seinen technologisch zukunftsgerichteten und nachhaltigen Kurs weiter verfolge. Eine Stärke des Fürstentums sehe er daher nicht nur in der beeindruckenden wirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch in der klaren europäischen Ausrichtung.

Die Nähe der beiden Länder zeige auch ein Blick in die Geschichte: Liechtenstein ernannte im Mai 1919 mit Prinz Eduard den ersten akkreditierten ausländischen Diplomaten der neuen Republik Österreich und der Besuch von Bundeskanzler Bruno Kreisky im Jahr 1975 sei der erste offizielle Besuch eines ausländischen Regierungschefs in Liechtenstein gewesen. «Liechtenstein ist wohl das Nachbarland, mit dem Österreich die engsten und harmonischsten Beziehungen hat. Wir verfolgen meist sehr ähnliche aussenpolitische Ziele. Mit keinem anderen Land gibt es einen solch regen Besuchsaustausch von Regierungsmitgliedern», sagte Van der Bellen.

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident Deutschlands, zeigte sich erfreut, dem Fürstentum Liechtenstein zu seinem runden Jahrestag gratulieren und gemeinsam begehen zu können: «Dreihundert Jahre Liechtenstein – was für ein stolzer Grund, um zu feiern!» Gemeinsam blicke man an diesem Tag auch auf drei Jahrhunderte facettenreicher deutsch-liechtensteinischer Geschichte zurück. «Was unsere Länder heute eng verbindet, sind die gemeinsame Sprache und tiefe Wurzeln in unserer gemeinsamen Kultur und Historie», so Steinmeier weiter. Dies werde täglich in den vielen persönlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Liechtensteinern gelebt. Mehr als 1500 Deutsche leben und arbeiten im Fürstentum, viele weitere pendeln als Grenzgänger jeden Tag zwischen den Ländern hin und her. Wirtschaftlich seien die beiden Länder im Europäischen Wirtschaftsraum auf das Engste miteinander verflochten.

Es sei gerade in diesen Zeiten, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern noch einmal an grösserer Bedeutung gewinnen: «Liechtenstein und Deutschland sind enge und gleichgesinnte Partner in der internationalen Zusammenarbeit. Aus unserem gemeinsamen Einsatz für Menschenrechte, bei der Bewältigung globaler Herausforderungen und internationaler Krisen kennen und schätzen wir das Fürstentum als profilierten und überzeugten Mitstreiter», führte Steinmeier aus. In einer Zeit, in der nationale Alleingänge eine Renaissance erleben und der Wert multilateraler Zusammenarbeit nicht mehr von allen geteilt werde, sei eine solche Partnerschaft besonders wertvoll. «Ich wünsche uns allen daher, dass die Stimme Liechtensteins in internationalen Angelegenheiten auch künftig laut und deutlich zu hören sein wird. Auf die nächsten 300 Jahre des Fürstentums – und auf weiterhin gute Nachbarschaft in Vertrauen und Freundschaft», so der deutsche Bundespräsident.

Reibungsloser Ablauf
Die Anwesenheit der Bundespräsidenten der Schweiz, Deutschland und Österreich haben Auswirkungen für alle Teilnehmer des Festakts gehabt. Diese waren bereits bei der Vorbereitung, aber auch am Anlass selbst spürbar gewesen, der unter grosser Polizeipräsenz durchgeführt wurde. Dennoch sei alles reibungslos vonstatten gegangen. «Die verschiedenen Institutionen, die an der Organisation der «Geburtstagsfeier» beteiligt waren, haben hervorragend zusammen gearbeitet. Dank der guten Vorbereitung und gut organisierten Durchführung können wir auf einen sehr erfolgreichen Auftakt des Jubiläumsjahrs zurückblicken», freute sich Michelle Kranz nach dem erfolgreich durchgeführten Jubiläumsauftakt. Die kurz nach dem Anlass erhaltenen Rückmeldungen seien durchwegs positiv gewesen. «Angefangen beim Jubiläumsmarsch, über die Dokumentation des Tages hinweg bis hin zur Durchführung des Festakts im SAL verlief alles planmässig», so Kranz.

Auch aus Sicht der Landespolizei war die Geburtstagsfeier ein voller Erfolg. «Der Einsatz der Landespolizei verlief exakt wie geplant», sagte Mario Büchel, Einsatzleiter der Landespolizei. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen, so das Fazit.

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