St.Gallen

Bürokratie bremst den Wohnungsbau

Bürokratie bremst den Wohnungsbau
Markus Mettler, Claudia Strässle, Christian Willi, Gregor Rutz und Claudia Marty
Lesezeit: 4 Minuten

Zum dritten Mal seit dem erfolgreichen Neustart im Jahr 2024 wurde das Würth Haus Rorschach zum Treffpunkt der Ostschweizer Immobilienbranche. An der Immo Vision 2026 stand am 19. August das Thema «Raumplanung unter Druck: Zwischen haushälterischer Nutzung und Blockadepolitik» im Fokus.

Text: Markus Fässler

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«Die Zinsen sind tief, also geht es den Immobilien gut. Somit können wir direkt zum Apéro, denn viel mehr gibt es von meiner Seite nicht zu sagen.» Mit diesen Worten eröffnete Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St.Galler Kantonalbank, seinen Vortrag zum Thema «Immobilien profitieren vom Tiefzinsumfeld». Zur Erleichterung der rund 200 Teilnehmer hatte der Stammreferent der Immo Vision natürlich noch sehr viel mehr zur aktuellen Lage zu sagen.

Der SVIT Ostschweiz und der Hauseigentümerverband des Kantons St.Gallen luden am 19. August 2026 gemeinsam mit den Partnern St.Galler Kantonalbank und Würth Haus Rorschach erneut zur beliebten Plattform für die Immobilienwirtschaft ein. Medienpartner war wie bereits 2025 das Unternehmermagazin «LEADER».

Steigende Immobilienpreise

Thomas Stucki erwartet trotz der von Unsicherheiten geprägten Weltwirtschaft für die Schweiz nur eine geringe Rezessionsgefahr. Auch bei der Inflation sieht er das Land in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Obwohl geopolitische Konflikte und steigende Energiepreise weiterhin Risiken darstellen, hat sich die Teuerung deutlich abgeschwächt. Entsprechend gebe es derzeit keinen Anlass für die Schweizerische Nationalbank, den Leitzins anzuheben.

Davon profitiert der Immobilienmarkt. Die Zinsen dürften in den nächsten Jahren tief bleiben, während die Nachfrage nach Wohnraum weiter zunehmen werde. Zudem werden Renditeliegenschaften im aktuellen Tiefzinsumfeld wieder attraktiver. Gleichzeitig ist das Angebot an Wohnungen vielerorts weiterhin knapp. «Die Preise werden künftig insbesondere beim Wohneigentum weiter steigen», so Stucki. Gegen Immobilien spreche derzeit also wenig. Wenn überhaupt, dann höchstens, dass die politischen Hürden gerade im Bereich der Mietwohnungen und in den Städten grösser werden.

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Markus Mettler, Gregor Rutz, Claudia Marty, Claudia Strässle, Thomas Stucki und Christian Willi
Markus Mettler, Gregor Rutz, Claudia Marty, Claudia Strässle, Thomas Stucki und Christian Willi

Innenverdichtung zwischen politischem Wunsch und baulicher Realität

Dem konnte Markus Mettler, Leiter der Halter Gruppe, nur beipflichten. Sein Referat «Innenverdichtung mit oder statt Raumplanung?» zeigte eindrücklich, weshalb die politisch gewünschte Innenverdichtung vielerorts deutlich schwieriger umzusetzen ist, als es auf dem Papier erscheint. Grundsätzlich sei die Ausgangslage klar: Die Schweiz brauche mehr Wohnraum. Innenentwicklung sei deshalb richtig und wichtig. Doch zwischen diesem politischen Ziel und der Realität klaffe eine immer grössere Lücke.

Er machte deutlich, dass Projektentwicklungen heute weit mehr seien als reine Bauvorhaben. Verdichtungsprojekte müssten unterschiedlichste Interessen wie Freiraumgestaltung, Mobilität, Lärmschutz oder Energieeffizienz unter einen Hut bringen. Gleichzeitig nähmen Einsprachen, politische Diskussionen und langwierige Bewilligungsverfahren stetig zu. Die Folge: Selbst breit abgestützte Projekte sind oft über Jahre hinweg blockiert.

Zudem brachte Mettler die privaten Investoren ins Spiel. Häufig gehe vergessen, welche Rolle sie überhaupt übernehmen. Sie stellen das notwendige Kapital bereit, tragen das unternehmerische Risiko und schaffen dringend benötigten Wohnraum. «Trotzdem stehen sie in der Öffentlichkeit vermehrt schlecht da. Der Denkfehler in der Verdichtungsdebatte ist, dass Dichte nur Investoren nütze. Doch Dichte ist eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Raumentwicklung», so Mettler.

Wachsende Regulierungsdichte

Aus der Stadt Zürich, die er als «Epizentrum des Irrsinns» bezeichnete, reiste Gregor Rutz, Präsident des HEV Schweiz und SVP-Nationalrat, an den Bodensee. In seinem Vortrag «Wohnraum schaffen, Eigentum fördern, Bürokratie abbauen – eine Unmöglichkeit?» richtete er den Blick auf die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Rutz machte deutlich, dass der Wohnraummangel aus seiner Sicht verschiedene Ursachen habe. Zu den grössten Problemen zählten langwierige Baubewilligungsverfahren und eine stetig wachsende Regulierungsdichte. Beides verteuere das Bauen und erschwere die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Als Beispiel nannte er eine Wohnüberbauung im Zürcher Seefeld mit 63 Wohnungen aus den 1920er-Jahren. Die Baubewilligung sei damals eine einzige Seite lang gewesen. Heute umfasse sie für ein ähnliches Projekt 120 Seiten. Sein Fazit: Je mehr sich der Staat einmische, desto mehr Investoren zögen sich zurück.

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Einsprachen sind nicht das Hauptproblem

Mit der Frage, wie es gelingen kann, mehr Wohnraum zu schaffen, ohne dabei auf Widerstand in der Bevölkerung zu stossen, beschäftigte sich die von Claudia Marty moderierte Podiumsdiskussion. In der Runde sassen Markus Mettler, Gregor Rutz, Claudia Strässle, Präsidentin des SVIT Ostschweiz, sowie Christian Willi, Präsident des HEV Kanton St.Gallen.

Laut einer Studie sind nicht in erster Linie die Baugesetze das grösste Problem, sondern Einsprachen aus der Bevölkerung, die Projekte verzögern oder blockieren können. Claudia Strässle beurteilt dies differenzierter. «Natürlich fressen Einsprachen sehr viele Ressourcen und viel Energie. Es gibt extreme Beispiele, aber normalerweise lassen sich solche Fälle regeln», sagte sie. Viel problematischer sei alles, was im Vorfeld ablaufe und viel zu viel Zeit benötige. Ins gleiche Horn stiess Christian Willi: «Früher war das Erlangen einer Baubewilligung ein 100-Meter-Sprint, heute ist es ein Marathon.»

Die verdiente Erholung von diesem Marathon folgte zum Abschluss der Immo Vision 2026. Beim traditionellen «BBB – Bratwurst, Bürli & Bier» klang der Anlass in gewohnt ungezwungener Atmosphäre aus. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die Diskussionen aus den Referaten und dem Podium im persönlichen Gespräch weiterzuführen und Kontakte innerhalb der Ostschweizer Immobilienbranche zu pflegen.

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