26.04.2018

Bündner Baukartelle gebüsst

Die Weko büsst die Engadiner Bauunternehmen Foffa Conrad AG, Bezzola Denoth AG, Zeblas Bau AG, Lazzarini AG, Koch AG Ramosch, Alfred Laurent AG und René Hohenegger Sarl mit insgesamt über 7,5 Millionen Franken, weil sie jahrelang Beschaffungen manipuliert und Preise abgesprochen haben. Der «Whistleblower», der den Fall ins Rollen brachte, zahlte einen hohen Preis dafür.

Die Wettbewerbskommission des Bundes hat eine weitere kartellrechtliche Untersuchung im Kanton Graubünden abgeschlossen, wie sie am Donnerstag bekanntgab (schon 2017 liess sie illegale Absprachen im Münstertal auffliegen). Die Weko stellte fest, dass Bauunternehmen in verschiedenen Kartellen mehrere hundert Ausschreibungen im Hoch- und Tiefbau abgesprochen hatten.

Die Bündner Bauunternehmen stimmten jeweils untereinander ab, welches von ihnen den Auftrag erhalten soll. Meist wurden gleichzeitig die Offertpreise bestimmt. Einen Teil der Kartelle führten die Bauunternehmen laut Weko systematisch und über mehrere Jahre hinweg durch. Diese Abreden wurden zum Teil an den vom bündnerischen Baumeisterverband organisierten Vorversammlungen getroffen. Geschäftsführer des Bündner Baumeisterverbandes ist Andreas Felix, Präsident der Bündner BDP und Kandidat für die Regierungsratswahlen im Juni. Zuständiger Regierungsrat ist Volkswirtschaftsdirektor Jon Domenic Parolini, ebenfalls BDP. Beide Politiker bestreiten, von den Absprachen gewusst zu haben. Die «Republik» widerspricht dem.

Die Kartelle betrafen Ausschreibungen des Kantons Graubünden, von Gemeinden des Unterengadins und von Privaten. Die Auftragshöhe der abgesprochenen Bauarbeiten reicht von wenigen zehntausend bis zu mehreren Millionen Franken.

Adam Quadroni hat den riesigen Fall ins Rollen gebracht, weiss der «Blick». Als Baumeister aus dem Unterengadin war er selbst Teil des Kartells. Bis er 2009 zum Whistleblower wurde und die Bündner Behörden involvierte. Diese wollten zunächst nichts davon wissen. Erst als die Dokumente zu Weko kamen, nahm der Fall Fahrt auf, so der «Blick».

Für sein Engagement bezahlte Quadroni einen hohen Preis, wie die «Republik» schreibt. Einst war er erfolgreich und wohlhabend. Doch fehlende Aufträge trieben seine Firma, die er vom Vater übernommen hatte, 2013 in den Konkurs, schreibt der «Blick». Sozial geriet er ins Abseits, die Ehe zerbrach. Im letzten Sommer wurde er brutal von der Polizei abgeführt und in die Psychiatrie eingewiesen.

Schon vier Tage später wurde er entlassen. Offenbar war er gar nicht gefährlich, so zitierte die «Schweiz am Wochenende» den Chefarzt. Doch die Frau und seine drei Kinder waren da gemäss «Blick» schon weg.