Auswirkungen von Covid-19 auf die Arbonia
09.04.2020

Auswirkungen von Covid-19 auf die Arbonia

Vor dem Hintergrund der Ausbreitung von Covid-19 und infolge der bisherigen Anordnungen und Massnahmen der jeweiligen Regierungen werden die einzelnen Volkswirtschaften Europas und damit einhergehend die Weltkonjunktur 2020 in eine Rezession gleiten. Infolgedessen wird auch die Arbonia-Gruppe im Geschäftsjahr 2020 betroffen sein.

Trotz diesen Entwicklungen sei die Arbonia dennoch in allen vier Divisionen gut ins Geschäftsjahr gestartet, teilt der Gebäudezulieferer aus Arbon mit. Im ersten Quartal 2020 betrug das währungsbereinigte Umsatzwachstum 2.7% gegenüber der Vorjahresperiode. Der Nettoumsatz nahm um 2.0% auf CHF 326.2 Mio. ab. Das EBITDA stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 12.6% auf CHF 22.5 Mio.

Obwohl die Ergebnisse in den ersten drei Monaten über den Vorjahreswerten und auch über den eigenen Erwartungen lagen, haben sich die Einschätzungen für das laufende Jahr seit der Veröffentlichung der Ergebnisse für das Gesamtjahr 2019 im Februar 2020 durch die Covid-19-Pandemie, die angeordneten Massnahmen der Regierungen und deren wirtschaftlichen Folgen negativ verändert. Da heute weder die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen noch diejenigen auf die Geschäftsbereiche der Arbonia abzuschätzen sind, hat sich die Konzernleitung entschieden, die Guidance für das laufende Geschäftsjahr vorerst auszusetzen.

Aktuelle Situation
Die Bauaktivität in Europa ist unterschiedlich stark betroffen. Während in einigen Ländern Baustellenschliessungen angeordnet wurden, ist in anderen der stationäre Handel geschlossen, sodass Endkunden von diesem nicht mehr bedient werden können. Die Arbonia ist hiervon aktuell bedingt betroffen, da die Vertriebsaktivitäten eingeschränkt sind. Zum heutigen Zeitpunkt sind jedoch alle Produktionsstandorte in Betrieb. Das Werk in Dilsen (BE) operiert bis Ostern mit reduzierter Produktionskapazität. Aufgrund einer behördlichen Sondergenehmigung konnten die Sabiana-Werke in Italien nach einwöchiger Schliessung die Produktion von Lüftungsgeräten, Fan Coils und elektronischen Filtern in reduziertem Umfang für mehrheitlich systemrelevante Projekte und Kunden wieder aufnehmen. Das patentierte Filtersystem «Crystall» ist sowohl in häuslichen als auch gewerblichen und industriellen Lüftungsgeräten bzw. -anlagen sowie Fan Coils einsetz- und nachrüstbar. Dank seiner bakteriziden Wirkung ist das System äusserst effektiv bei der Filterung von biologischen Kleinstpartikeln und Viren aus der Raumluft und eignet sich daher besonders für die Verbesserung der Innenluftqualität in Krankenhäusern, Pflegeanstalten, Seniorenheimen, Arztpraxen, Hotels sowie öffentlichen Gebäuden mit hohem Publikumsverkehr. Auch das russische Flachheizkörperwerk in Stupino hat nach einwöchiger Unterbrechung aufgrund der Erteilung einer behördlichen Genehmigung für systemrelevante Unternehmen seine Produktion wieder vollumfänglich aufgenommen.

Jede Division behält die Auslastung der Kapazitäten und die Versorgung der Werke mit Material im Auge, um kurzfristig und flexibel reagieren zu können. Damit verbunden sind die ständige Überprüfung der Lieferketten sowie der Logistik, die vor allem in Italien zeitweise unterbrochen waren.

Die Verunsicherung durch Covid-19 hat viele Kunden dazu bewegt, Lagerbestände aufzubauen, um die eigene Lieferfähigkeit sicherzustellen. Dies spiegelt sich in einem erfreulichen Auftragseingang und -bestand sowie einer positiven Absatzentwicklung in den ersten Monaten des Jahres wider.

Aufgrund der in der Vergangenheit getätigten Investitionen in die Automatisierung der Werke kann der an einigen Standorten angestiegene Krankenstand der Mitarbeitenden grösstenteils abgefangen werden. Zudem nutzt die Arbonia, wo notwendig, die nationalen Hilfsprogramme wie Kurzarbeitsentschädigungen für betroffene Gesellschaften, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Ausblick
Unter der Voraussetzung, dass Baustellen nicht grossflächig geschlossen werden, der Grossteil der Produktionsstandorte offen bleibt und sich die Pandemie bis Mitte des Jahres eindämmen lässt, sollte die Zuversicht zurückkehren und zurückgestellte Investitionen in Neubau und Renovation wieder fortgeführt werden. Zudem ist mit einem steigenden Bedarf an Gesundheitsimmobilien zu rechnen. Ebenfalls wirken die langen Planungs- und Realisierungszeiten zusätzlich stabilisierend auf die Baukonjunktur.

Dennoch geht die Arbonia davon aus, dass die Geschäftstätigkeit im zweiten Quartal 2020 eingeschränkt sein wird, dies durch einen Rückgang der Nachfrage und Probleme in der Beschaffung sowie der Logistik.

Trotz der soliden Bilanz mit einer hohen Eigenkapitalquote von 57% hohen Liquiditätsreserven (Liquidität und fest zugesagte Kreditlinien) sowie eingeleiteten Massnahmen (u.a. Anpassung Investitionsbudget 2020) behält sich der Verwaltungsrat vor, an seiner ordentlichen Verwaltungsratssitzung am 24. April 2020 im Vorfeld der Generalversammlung zu entscheiden, ob er der Generalversammlung wie geplant eine Dividende von CHF 0.22 pro Namenaktie (CHF 0.11 pro Namenaktie aus Kapitaleinlagereserven und CHF 0.11 pro Namenaktie aus dem Bilanzgewinn) für das Geschäftsjahr 2019 vorschlägt oder ob er diese bis auf Weiteres aufschieben wird. Dies unter Berücksichtigung der dann vorherrschenden Situation in Bezug auf Covid-19.

Die Positionierung der Arbonia in ihrem Wettbewerbsumfeld in Kombination mit ihren stabilen Geschäftsmodellen (Neubau und Renovation, Gewerbe- sowie Wohnbau) sowie der Ausblick auf das traditionell stärkere zweite Halbjahr stimmen die Konzernleitung dennoch optimistisch, den konjunkturellen Abschwung bewältigen zu können. Dies auch aufgrund der Annahme, dass die Bauwirtschaft zwar eine temporäre Abkühlung erfahren wird, sich aber die Rahmenbedingungen wie tiefe Zinsen, Urbanisierung, Energieeffizienz, staatlich geförderter Ausbau der Infrastruktur für eine positive Bauaktivität nicht ändern werden.