Ausserordentliche Generalversammlung in ausserordentlicher Lage
11.05.2020

Ausserordentliche Generalversammlung in ausserordentlicher Lage

Die diesjährige Generalversammlung der IHK Thurgau sollte ein spezieller Anlass werden. Ursprünglicher Grund war das 150-jährige Bestehen der Kammer – doch es kam alles anders. Das Coronavirus zwingt derzeit alle zum Umdenken und Umorganisieren. Und so entstand die erste digitale Generalversammlung der IHK Thurgau.

Moderne Veranstaltungstechnik ermöglichte eine komplett digitale Abstimmung in Echtzeit und, dank passwortgeschütztem Zugang, nur für Mitglieder. Die Rahmenbedingungen für eine ordentliche Versammlung waren also gegeben.

Gegen 100 Zuschauer fanden am Freitagabend den Weg vor den Bildschirm. Christian Neuweiler (rechts im Bild, mit IHK-Direktor Jérôme Müggler) eröffnete die Versammlung und blickte für einmal nicht in fast 300 Gesichter, sondern in eine Kameralinse. So ungewohnt die Situation im ersten Moment war, so rasch scheinen sich die Protagonisten im Scheinwerferlicht daran gewöhnt zu haben.

Die digitalen Teilnehmer hiessen alle Geschäfte der Tagesordnung gut und wählten Andrea Roth, CEO der Geobrugg AG und designierter Präsident der Arbeitgebervereinigung Romanshorn, neu in den IHK-Vorstand. In seiner Vorstandstätigkeit bestätigt wurde Dennis Reichardt, Inhaber der Otto Keller AG. Zwei Austritte aus dem Vorstand hatte die Handelskammer dieses Jahr zu verzeichnen; einerseits verlässt Otmar Hofer, ehemals BINA AG, das Gremium. Andererseits wird Alexander von Witzleben, Arbonia AG, aus dem Vorstand verabschiedet. IHK-Präsident Neuweiler bedankt sich bei beiden für ihr Engagement.

Bei der anschliessenden Talkrunde stand das Corona-Thema im Mittelpunkt. Aus verschiedenen Perspektiven wurde die ausserordentliche Lage beleuchtet. Da waren Chantal Roth, Rektorin der Kantonsschule Frauenfeld, welche gemeinsam mit dem Lehrkörper den Unterricht innert kürzester Zeit in den digitalen Raum holen musste. Oder Edith Graf-Litscher, Nationalrätin SP und Gewerkschaftssekretärin, welche zum einen im Rahmen der ausserordentlichen Session die Entscheide des Bundesrates begutachten musste. Zum anderen setzt sie sich derzeit mit den Gewerkschaften für die Sorgen der Arbeitnehmer ein, welche gerade im öffentlichen Verkehr stark von der Krise betroffen sind.

Auch Regierungsrat Walter Schönholzer war in den vergangenen Wochen stark gefordert. Er lobte den engen Austausch, den die Wirtschaftsverbände IHK und TGV in der Krisenzeit mit dem Departement pflegen. Politisch würde er sich wünschen, dass diese Mentalität des raschen Umsetzens auch nach der Krise weiter anhielte. Unternehmer Christian Neuweiler gewährte einen Einblick in die Umwälzungen, welche die Coronakrise in der Industrie verursacht hat. Vor allem der fehlende Kundenkontakt sei immer mehr zu spüren, aber vieles können man gut über Videokonferenzen lösen.

Bei allen vier Perspektiven zeigte sich, dass die Krise auch als Chance für den Innovationsgeist und die Digitalisierung wahrgenommen wird.