Ausgezeichnete Ideen für künftige Filme
16.01.2020

Ausgezeichnete Ideen für künftige Filme

Das Amt für Kultur in St.Gallen hat die vier Preisträgerinnen und Preisträger des Film-Wettbewerbs bekanntgegeben und für ihre Ideen gewürdigt. Für die Weiterbearbeitung des Filmstoffs zu einem Treatment, eine Vorstufe des Drehbuchs, erhalten die Ausgezeichneten je 15'000 Franken.

Zwanzig Zürcher und sechs St.Galler Pflegefachfrauen klagen mit ihren Berufsverbänden ihre Kantone wegen Lohnungleichheit an – und gewinnen. Ausgehend von diesen wegweisenden juristischen Fällen wendet sich die Zürcherin Valentina Zingg in ihrer Idee zum Dokumentarfilm «Die Lohnklägerinnen» einem Thema zu, das auch heute noch aktuell ist. Zingg will im Film die Geschehnisse nicht einfach nacherzählen, sondern eine Reflektion über die vergangenen Ereignisse ins Zentrum rücken und auch selbstkritische Fragen aufwerfen, heisst es in der Mitteilung.

«Die Lohnklägerinnen» ist eine von vier ausgezeichneten Filmideen, die für die Ausarbeitung einer ersten Drehbuchvorlage mit 15'000 Franken von der Filmkommission des Kantons St.Gallen unterstützt werden, so die Mitteilung weiter. Zu den weiteren Ausgezeichneten gehören der aus Buchs stammende Remy Blaser, Madeleine Gentinetta aus Zürich und der Thurgauer Roland Schäfli. Gestern fand im Kinok in der St.Galler Lokremise die Preisverleihung statt.

Drama, Komödie und Science-Fiction
Die ausgewählten Filmideen überzeugten durch ihre gute Qualität und Originalität, so die Mitteilung weiter. Geradezu skurril mutet die Geschichte von Remy Blaser an. In «Fiat Lux» spinnt er die Geschichte um die bekannte Schweizer Sekte weiter, vermischt sie gekonnt mit fiktionalen Elementen und siedelt sie im rheintalischen Buchs an. «Die daraus entstehende Science-Fiction-Geschichte hat das Potenzial, eine spannende Vorlage für einen abendfüllenden Spielfilm zu werden», wie Kommissionsmitglied Brigitte Hofer die Filmidee von Remy Blaser würdigt.

Ernsthaft und leichtfüssig zugleich nähert sich Roland Schäfli dem Thema Schweizer Réduit in «Kanonenbrot». Die Mobilmachung führt die beiden Konkurrenten Röbi und Otto ins St.Galler Rheintal, wo sie gemeinsam in einer geheimen Stellung Wehrdienst leisten und tagsüber in der oberirdisch getarnten Bäckerei als Bäcker arbeiten. Diese absurde Ausgangslage biete dem Schreiber ausgezeichnete Spiel-, Handlungs- und Slapstickmöglichkeiten, aber auch Weiterentwicklungschancen für seine beiden Haupt- und mehreren Nebenfiguren, so Laudatorin und Kommissionsmitglied Esther Hungerbühler.

Auf eine Toggenburger Alp führt die Geschichte von Madeleine Gentinetta, wo der Städter und Blogger Pascal auf den Sennen und Agraringenieuren Norbert trifft. Obwohl der Beginn der Geschichte von Desastern begleitet ist, wandelt sich das Drama zur liebenswerten Komödie, in der Menschliches ins Zentrum rückt und es weder Verlierer noch Helden gibt. Ideen für einen langen Spielfilm seien genügend da, betont Ursula Badrutt in ihrer Laudatio von «Say Cheese».

Förderung von Filmideen
Der Förderung von Entwickung und Erarbeitung von Drehbüchern wird in der Schweiz eher wenig Bedeutung geschenkt. Im Vergleich zur sehr aufwändigen Herstellung von Filmen beziehen Stoff- und Projektentwicklungen weniger Fördergelder, heisst es in der Mitteilung.

Gute Ideen, Treatments und erste Drehbuchfassungen sind aber wichtige Voraussetzungen für überzeugende und spannende Filme. An dieser Stelle setzt die Filmkommission des Kantons St.Gallen an und führte 2019 zum zweiten Mal den Treatment-Wettbewerb durch. Damit fördere sie auch die Attraktivität des Kantons bezüglich der Auswahl von Stoffen und Drehorten, schreibt der Kanton.

Eingegangen seien knapp zwanzig Dossiers von durchgehend guter Qualität. Die Filmkommission wählte schliesslich die vier überzeugendsten Filmideen aus und unterstützt deren Weiterverarbeitung zu einem Treatment mit je 15‘000 Franken.

Resultate in Form fertiger Filme seien allerdings erst in einigen Jahren zu erwarten. So könne auch zu den vor zwei Jahren prämierten Filmideen noch keine Premiere gefeiert werden, doch sind die Projekte allesamt auf einem guten Entwicklungsstand, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die kantonale Filmkommission ist von der positiven Wirkung dieses frühen Förderinstruments auf die St.Galler Filmlandschaft überzeugt. Die Kommission besteht aus Brigitte Hofer, Filmproduzentin, und Luc Schaedler, Dokumentarfilmer, sowie Ursula Badrutt, Leiterin der Kulturförderung, Esther Hungerbühler, Mitarbeiterin Kulturförderung, und Mireille Loher, Geschäftsführerin der Filmkommission im Amt für Kultur.

St.Galler Premiere
Anlässlich der Preisverleihung am 15. Januar 2020 zeigte das Kinok den bereits mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm des Rheinalers Lasse Linder, «Nachts sind alle Katzen grau». Es ist Lasse Linders Bachelorfilm im Zusammenhang mit seiner Ausbildung an der Hochschule Luzern, Design und Kunst und war zum ersten Mal in St.Gallen zu sehen. Die Schweizer Premiere fand 2019 am Locarno Film Festival statt.