24.09.2018

Angehörige rücken in den Fokus

Sie sollen anderen Mut machen: Zwei Gruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz sind am Freitag, 21. September, von Alzheimer Thurgau mit dem Fokuspreis ausgezeichnet worden. Es sei wichtig, verstanden zu werden und auch mal gemeinsam zu lachen, erklären die Initiantinnen.

«Diese Auszeichnung ist quasi stellvertretend für alle, die sich täglich engagieren»: Mit diesen Worten überreichte Heidi Schänzle-Geiger (links im Bild), Vizepräsidentin von Alzheimer Thurgau, den mit insgesamt 2‘000 Franken dotierten Fokuspreis 2018 an zwei Gruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz – eine aus Sulgen, eine aus Romanshorn. Die Verleihung fand am Freitag, 21. September – dem Weltalzheimertag –, im Casino Frauenfeld statt. «Die Gruppen geben den Angehörigen ein Zusammengehörigkeitsgefühl und tragen sie durch die anspruchsvollen Zeiten», sagte Schänzle anerkennend.

Seminar war der Ursprung
Mit dem Fokuspreis zeichnet Alzheimer Thurgau jährlich Personen und Gruppen aus, die in besonderer Art und Weise zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen beitragen. In der ganzen Schweiz sind rund 148‘000 Menschen von Demenz betroffen, rund 4‘300 Menschen mit Demenz leben im Thurgau. Besonders schwierig ist die Situation für die Angehörigen, die lernen müssen, den Betroffenen richtig zu begegnen. Um das zu erleichtern, bietet Alzheimer Thurgau verschiedene Seminare an. Ein solches Seminar war der Ursprung der Angehörigengruppe in Sulgen, erzählt Initiantin Lilo Städeli: Als bei ihrem Schwiegervater Demenz diagnostiziert wurde, sei der Besuch des Angehörigenseminars gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter eine grosse Hilfe gewesen – nicht zuletzt, weil die beiden dort Gleichbetroffene kennenlernten. Den wertvollen Austausch führen sie seit Ende des Kurses in der Angehörigengruppe fort.

Nicht nur Probleme wälzen
«Zuhören ist das A und O», stellt Städeli fest. Sie erzählten sich gegenseitig von schönen Erlebnissen, aber natürlich auch von Schwierigkeiten. «Die anderen Mitglieder wissen genau, was man durchmacht. Gegenseitig können wir uns Tipps geben, Mut zusprechen und uns neu motivieren.» Auch die Gruppe «Vergissmeinnicht» in Romanshorn ist aus einem Angehörigenkurs heraus entstanden. Initiantin Sibylle Hug (rechts) erklärt: «Wir besprechen alltägliche Situationen miteinander und sind uns gegenseitig eine Stütze. Wir wälzen aber nicht nur Probleme, sondern geniessen zusammen den Moment und haben es lustig.» Beide Gruppen möchten andere Angehörige motivieren. Und sie möchten Leute für Demenz sensibilisieren, die noch nicht direkt damit in Kontakt gekommen sind. «Demenz fordert uns letztlich alle auf, den Fokus nicht ausschliesslich auf unsere ‹Selbstoptimierungspläne› zu richten, sondern Verantwortung für die Betroffenen zu übernehmen», betont Hug.

Vorbild für andere
Auch Heidi Schänzle-Geiger hofft, dass die Angehörigengruppen ein Vorbild für andere sein können: «Sie sollen allen Angehörigen Mut machen, über Demenz zu sprechen und sich die Hilfe zu holen, die ihnen zusteht.»

Alzheimer Thurgau in Kürze
Alzheimer Thurgau setzt sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein. Im Vordergrund stehen Information und Beratung in den acht Anlaufstellen sowie bedarfsgerechte Angebote. So lanciert Alzheimer Thurgau im Oktober 2018 eine Wandergruppe für Menschen mit Demenz sowie das «Café Vergissmeinnicht» in Frauenfeld, in dem sich Betroffene und Angehörige in angenehmer Atmosphäre austauschen können.

Auf dem Bild: Heidi Schänzle-Geiger (links), Vizepräsidentin von Alzheimer Thurgau, überreicht Jacques Diserens, Vertreter der Angehörigengruppe Sulgen, und Sibylle Hug, Vertreterin der Angehörigengruppe Romanshorn, den Fokuspreis.

www.alz.ch/tg