10-Millionen-Initiative: Wer zahlt den Preis?
Text: Johannes Binswanger und Reto Föllmi
1. Die Pflege
Rund 40 Prozent der berufstätigen Ärzte und rund 30 Prozent der Pflegefachpersonen in Spitälern und Pflegeheimen stammen aus dem Ausland. Ohne sie fehlte schon heute Personal.
Was ein Pflegemangel bedeutet, zeigt ein Fall, den die Schweiz selbst ausgelöst hat: Nach der Franken-Aufwertung 2011 wechselten viele deutsche Pflegekräfte zu uns. In den deutschen Spitälern, aus denen sie kamen, vor allem in den grenznahen Regionen, fehlten danach rund 12 Prozent des Pflegepersonals.
Forscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und des ifo-Instituts in München haben untersucht, was das für die Patienten bedeutete. Die Behandlungsqualität sank, Wartezeiten und Sterblichkeit nahmen zu.
Wenn in Zukunft Pflegepersonal in der Schweiz aufgrund der Kündigung des Freizügigkeitsabkommens fehlt, geben diese Erkenntnisse ohne jeden Alarmismus einen Anhaltspunkt zur Einschätzung der Folgen für Patienten in der Schweiz.