St.Gallen

Wiler Start-up fordert Inserategiganten heraus

Wiler Start-up fordert Inserategiganten heraus
In der Schweiz werden pro Tag im Schnitt über 2000 Occasionsautos verkauft
Lesezeit: 3 Minuten

Die Fanicla Medien Gruppe GmbH tritt mit sechs spezialisierten Online-Marktplätzen gegen die etablierten Plattformen an. Autos, Töffs, Immobilien, Stellen sowie Kauf- und Mietangebote lassen sich kostenlos veröffentlichen. Geld verdienen will das Wiler Start-up nicht mit Inserategebühren und Abos, sondern mit Werbung, Kooperationen und freiwilligen Hervorhebungen.

Text: stz.

Der Schweizer Markt für Online-Inserate wird von wenigen reichweitenstarken Anbietern geprägt. Plattformen wie AutoScout24, MotoScout24, Homegate, ImmoScout24, tutti.ch, anibis.ch oder Ricardo gehören heute zur Swiss Marketplace Group (SMG). Die Wiler Fanicla Medien Gruppe GmbH will diesem konzentrierten Markt eine kostenlose Alternative entgegensetzen.

Das Unternehmen betreibt sechs eigenständige Portale: gratis-auto-inserate.ch, gratis-toeff-inserate.ch, gratis-immo-inserate.ch, gratis-job-inserate.ch, gratis-verkauf-inserate.ch und gratis-miet-inserate.ch. Die Plattformen sind auf Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar und lassen sich mit einem gemeinsamen Login nutzen.

«Unsere Gegenposition ist einfach: Wer etwas verkaufen, vermieten oder anbieten will, soll dafür keinen Eintritt bezahlen», sagt Geschäftsführer Aniello Nino Fabozzi. «Wir sind überzeugt, dass der Schweizer Inseratemarkt mehr Auswahl und einen fairen Gegenpol zu den grossen Plattformen braucht.»

Gebühren im Fokus

Dass das Thema einen Nerv trifft, zeigt die aktuelle Preisentwicklung: AutoScout24 weist für private Autoinserate derzeit Paketpreise zwischen 99 Franken für 30 Tage und 299 Franken bis zum Verkauf aus. Auch tutti.ch verlangt seit 2025 in ausgewählten Kategorien und oberhalb bestimmter Limiten Gebühren. Für Fahrzeuge mit einem Verkaufspreis ab 3000 Franken etwa kostet ein Einzelinserat zwischen 19.90 und 49.90 Franken.

Bei Immobilien können die Kosten noch deutlich höher ausfallen. Der Eidgenössische Preisüberwacher einigte sich Anfang 2026 mit der SMG auf neue Regeln für Ricardo und mehrere Immobilienplattformen. Für Homegate, ImmoScout24 und weitere Portale wurde ein transparenteres «Flex Offer» vereinbart. Dieses umfasst eine monatliche Grundgebühr von 44 Franken sowie eine Insertionsgebühr von 505 Franken für Kaufobjekte beziehungsweise 370 Franken für Mietobjekte, jeweils exklusive Mehrwertsteuer.

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Kostenlos bleibt kostenlos

Fanicla setzt auf ein anderes Geschäftsmodell: Das Erfassen, Veröffentlichen und Verwalten der Inserate bleibt kostenlos. Ebenso verlangt das Unternehmen keine Verkaufsprovision und kein Abo von Suchenden. Dieses Versprechen hat Fanicla öffentlich festgeschrieben.

Finanziert wird das Netzwerk über Werbeflächen, Kooperationen und freiwillige Top-Platzierungen. Diese sind regulär ab fünf Franken erhältlich. Während einer laufenden Einführungsaktion kostet eine Hervorhebung für sieben Tage 3.50 Franken. Wer keine Zusatzleistung bucht, kann die Grundfunktionen dennoch vollständig nutzen.

«Das Gratisangebot ist keine zeitlich beschränkte Startaktion», betont Fabozzi. «Wer heute bei uns inseriert, soll dies auch in Zukunft kostenlos tun können. Zusätzliche Sichtbarkeit darf etwas kosten – das eigentliche Inserieren nicht.»

Auch für Garagen und andere professionelle Anbieter sieht Fanicla kostenlose Lösungen vor. Bestehende Fahrzeugbestände können über CSV-, Excel-, XML- oder JSON-Dateien sowie über eine Export-URL importiert werden. Auf Wunsch richtet das Unternehmen einen täglichen Datenabgleich ein.

Privatpersonen, die ihr Angebot bereits auf einer anderen Plattform veröffentlicht haben, sollen es laut Fanicla mithilfe des bestehenden Links innert kurzer Zeit übernehmen können.

Reichweite als grösste Herausforderung

Entwickelt und betrieben werden die Portale in Wil. Die Fabozzi sieht die regionale Verankerung als Stärke, weiss aber auch, dass Technik allein noch keinen erfolgreichen Marktplatz schafft.

«Unsere grösste Herausforderung ist die Sichtbarkeit», sagt der Geschäftsführer. «Ein Inserateportal wird für den Nutzer umso wertvoller, je mehr Angebote und Interessenten zusammenfinden. Deshalb bauen wir jetzt Bekanntheit auf und zeigen, dass eine kostenlose Alternative funktionieren kann.»

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