«Wil West» nimmt Kurs auf 2035
Text: pd/stz.
Das interkantonale Entwicklungsprojekt Wil West nimmt wieder Fahrt auf. An der Standortkonferenz vom 31. August 2026 im Stadtsaal Wil informierten die Projektpartner rund 90 Vertreter aus Wirtschaft und Politik über den aktuellen Stand und die nächsten Schritte. Drei Tage zuvor waren bereits die betroffenen Grundeigentümer und Pächter über das weitere Vorgehen orientiert worden.
Die politische Grundlage steht: Am 8. März 2026 stimmten 54,68 Prozent der St.Galler Stimmberechtigten dem Verkauf der Grundstücke an den Kanton Thurgau und der Kompensation der Fruchtfolgeflächen zu. Damit fand die überarbeitete Lösung im zweiten Anlauf eine Mehrheit. Auch der Grosse Rat des Kantons Thurgau hat dem Grundstückgeschäft zugestimmt. Das amtliche Abstimmungsergebnis weist 85’420 Ja- und 70’794 Nein-Stimmen aus.
Thurgau übernimmt die Koordination
Mit dem Grundstückverkauf verändert sich die Rollenverteilung im Projekt. Der Kanton Thurgau übernimmt die Flächen im Projektperimeter Münchwilen und bleibt Eigentümer, bis die Grundstücke an einen geeigneten Investor weiterverkauft werden. Gleichzeitig koordiniert er künftig die verschiedenen Teilprojekte.
Die weitere Planung erfolgt gemeinsam mit dem Kanton St.Gallen, dem Bundesamt für Strassen, der Regio Wil, den Gemeinden Münchwilen und Sirnach, der Stadt Wil sowie weiteren Partnern. Im Zentrum stehen die Infrastrukturplanung, die Raumplanung und Landumlegung, die Kompensation der Fruchtfolgeflächen und die Vorbereitung der Investorensuche.
Noch in der zweiten Hälfte 2026 soll der Vorvertrag für den Landverkauf zwischen den Kantonen St.Gallen und Thurgau unterzeichnet werden. Parallel dazu erarbeiten die Verantwortlichen die Vorgaben für die Investorenausschreibung.
Gesucht wird ein Partner, der das Gebiet nach den qualitativen, wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen der beiden Kantone entwickelt. Der Kanton Thurgau wird die Arealentwicklung nicht selbst übernehmen. Die Grundstücke sollen vielmehr unter klar definierten Bedingungen an einen Investor veräussert werden.
Projektierung startet im Oktober
Ab Oktober 2026 soll die strukturierte Projektierung in den einzelnen Teilprojekten wieder aufgenommen werden. Dazu gehören der neue Autobahnanschluss an die A1, die kantonalen Strassen- und Wegeprojekte, Anpassungen an der Bahnlinie Frauenfeld–Wil mit einer neuen Haltestelle sowie die kantonale Nutzungszone und die Landumlegung.
Ziel ist es, die zentralen Vorhaben in der zweiten Hälfte 2027 koordiniert öffentlich aufzulegen. Neben den technischen Planungen müssen bis dahin auch politische Entscheide auf kantonaler und kommunaler Ebene vorbereitet werden.
Aus heutiger Sicht könnten die Einzonung der kantonalen Nutzungszone und die Baubewilligungen für die zentralen Infrastrukturprojekte Anfang 2030 vorliegen. Voraussetzung ist allerdings, dass allfällige Rechtsmittelverfahren den Zeitplan nicht wesentlich verzögern.
Für die eigentlichen Bau- und Erschliessungsarbeiten werden weitere fünf bis sechs Jahre veranschlagt. Damit dürfte Wil West gegen Mitte der 2030er-Jahre bereit für die ersten grösseren Unternehmensansiedlungen sein.