Wie Re-Nut aus Nussschalen Lebensmittel macht
Text: stz.
Was in der Lebensmittelindustrie gewöhnlich als Nebenprodukt endet, wird bei Re-Nut zum wertvollen Rohstoff: die Nussschale. Das 2022 gegründete St.Galler Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Mandeln, Haselnüsse oder Erdnüsse nicht mehr vorgängig geschält werden müssen. Stattdessen gelangen Kern und Schale gemeinsam in die Mühle.
Die ungeschälten Nüsse werden mit Wasser fein vermahlen. Anschliessend trennt ein Dekanter die entstandene Masse in feste Bestandteile, einen Pflanzendrink und auf Wunsch zusätzlich in Nussöl. Die Feststoffe lassen sich unter anderem zu Mehl verarbeiten und in Backwaren, Brotaufstrichen, Schokolade, Glace oder pflanzlichen Fleischalternativen einsetzen.
Mehr Ertrag aus derselben Ernte
Weil die Schale ungefähr gleich viel wiegen kann wie der Kern, verspricht das Verfahren eine deutlich höhere Ausbeute. Nach Angaben von Re-Nut lässt sich die Menge der gewonnenen festen Nussbestandteile gegenüber der herkömmlichen Verarbeitung verdoppeln. Gleichzeitig bleiben Ballaststoffe und antioxidative Pflanzenstoffe aus der Schale im Produkt erhalten.
Auch ökologisch soll sich die umfassendere Nutzung der Rohstoffe auszahlen. Eine gemeinsam mit dem Umweltbewertungsspezialisten Eaternity erstellte Lebenszyklusanalyse auf Pilotmassstab weist für Mandelprodukte einen geringeren CO₂- und Wasserfussabdruck aus. Wie gross diese Einsparungen in der industriellen Produktion tatsächlich ausfallen, muss sich nach dem Produktionsstart zeigen.
Hinter der Technologie stehen CEO Roland Laux und der Verfahrenstechniker Tilo Hühn. Die Idee entstand 2016 bei einem Besuch von Haselnussplantagen in der Türkei. Heute verfügt Re-Nut über mehrere erteilte und angemeldete Patente. Das St.Galler Unternehmen will die Technologie nicht primär in eigenen Fabriken einsetzen, sondern Verfahren und Know-how an Nussverarbeiter und Lebensmittelhersteller lizenzieren.
Erste Grossanlage entsteht in Michigan
Den entscheidenden Schritt vom Pilotverfahren zur industriellen Anwendung plant Re-Nut in den USA. In Fenton im Bundesstaat Michigan soll die erste kommerzielle Anlage Nordamerikas entstehen, die Pflanzendrinks direkt aus ungeschälten Nüssen gewinnt.
Projektpartner ist Fenton Food and Beverage, ein Unternehmen des kanadischen Getränkeunternehmers Yahya Abbas. Abbas ist auch Eigentümer von YaYa Foods, einem der grössten nordamerikanischen Hersteller pflanzlicher Milchalternativen. Die neue Gesellschaft ist rechtlich und operativ eigenständig.
Laut dem Staat Michigan sollen bis zu 56,2 Millionen Dollar in das Werk investiert und mindestens 96 Arbeitsplätze geschaffen werden. Michigan unterstützt das Vorhaben mit einem leistungsabhängigen Beitrag von 960'000 Dollar sowie mit zeitlich begrenzten Steuererleichterungen. Der kommerzielle Produktionsstart ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen.
Vorbereitende Versuche laufen bereits im Food Process Test Center des Anlagenbauers GEA in Janesville im Bundesstaat Wisconsin. Dort wurde das Re-Nut-Verfahren erstmals kontinuierlich auf einer grösseren Versuchslinie betrieben. Produziert wurde eine haltbare Mandelcreme aus ganzen Mandeln samt Schale.
Gelingt die industrielle Skalierung, könnte sich das kleine St.Galler Unternehmen als Technologielieferant für einen internationalen Wachstumsmarkt etablieren. Re-Nut verkauft dabei nicht die einzelne Packung Pflanzendrink, sondern die Idee dahinter: mehr Lebensmittel aus derselben Nuss zu gewinnen.