Wann ist ein Krieg wirklich vorbei?
Text: stz.
Mit Verhandlungen oder durch einen militärischen Sieg? Durch die Erschöpfung der Kriegsparteien oder den Druck von aussen? Die Frage, wie Kriege enden, gehört zu den drängendsten politischen Herausforderungen. Die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum widmet ihr einen Gesprächsabend mit Jörn Leonhard, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg.
Unter dem Thema «Über Kriege und wie sie enden. Historische Perspektiven» untersucht Leonhard, unter welchen Bedingungen sich Wege zur Diplomatie öffnen und weshalb sie häufig lange versperrt bleiben.
Wenn der Krieg sich selbst verlängert
Eine zentrale historische Beobachtung Leonhards: Erfolgreiche Diplomatie setzte häufig voraus, dass alle Kriegsparteien ihre eigene Erschöpfung erkannten und politische Verhandlungen als unausweichlich betrachteten.
Doch gerade die bereits erbrachten Opfer konnten den Krieg weiter antreiben. Zugeständnisse und Friedensbereitschaft erschienen in vielen Kriegsgesellschaften als Verrat an den Gefallenen. So nahm die Gewalt selbst dann noch zu, wenn sich ein Kriegsende bereits abzeichnete.
Hohe Erwartungen an den Frieden
Leonhard richtet den Blick auch auf ein Spannungsfeld der Gegenwart: Die Erwartungen an einen Frieden sind historisch gewachsen. Er soll Sicherheit schaffen, Opfer anerkennen, die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen ermöglichen und gesellschaftliche Verständigung fördern.
Gleichzeitig enden Konflikte immer seltener mit einem klassischen Friedensvertrag. Gerade in Bürgerkriegen und hybriden Konflikten fehlen häufig Akteure, die einen verbindlichen Frieden aushandeln und dessen Bedingungen durchsetzen können. An die Stelle eines Krieges kann deshalb eine Vielzahl lokaler Gewaltherde treten.
Der historische Vergleich soll helfen, solche Muster zu erkennen und die Voraussetzungen tragfähiger Friedenslösungen besser zu verstehen.
Ausgezeichneter Historiker zu Gast
Jörn Leonhard veröffentlichte 2023 das Buch «Über Kriege und wie man sie beendet». Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt er 2024 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er gehört der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina an.
Das Lilienberg-Gespräch beginnt am 16. September um 18 Uhr an der Blauortstrasse 10 in Ermatingen. Die Teilnahme kostet 30 Franken, mit Abendessen 90 Franken. Studenten und Lehrlinge bezahlen mit gültigem Ausweis 10 beziehungsweise 70 Franken. Anmeldeschluss ist Dienstag, 15. September, um 17 Uhr.