Thurgau

Wann ist ein Krieg wirklich vorbei?

Wann ist ein Krieg wirklich vorbei?
Jörn Leonhard
Lesezeit: 2 Minuten

Eine Waffenruhe beendet noch keinen Konflikt, ein Vertrag garantiert keinen dauerhaften Frieden. Warum der Weg aus einem Krieg so schwierig ist, beleuchtet der Historiker Jörn Leonhard am Mittwoch, 16. September 2026, auf dem Lilienberg in Ermatingen. Der Träger des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises zeigt, welche Erkenntnisse vergangene Kriege für die Gegenwart bereithalten.

Text: stz.

Mit Verhandlungen oder durch einen militärischen Sieg? Durch die Erschöpfung der Kriegsparteien oder den Druck von aussen? Die Frage, wie Kriege enden, gehört zu den drängendsten politischen Herausforderungen. Die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum widmet ihr einen Gesprächsabend mit Jörn Leonhard, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg.

Unter dem Thema «Über Kriege und wie sie enden. Historische Perspektiven» untersucht Leonhard, unter welchen Bedingungen sich Wege zur Diplomatie öffnen und weshalb sie häufig lange versperrt bleiben.

Wenn der Krieg sich selbst verlängert

Eine zentrale historische Beobachtung Leonhards: Erfolgreiche Diplomatie setzte häufig voraus, dass alle Kriegsparteien ihre eigene Erschöpfung erkannten und politische Verhandlungen als unausweichlich betrachteten.

Doch gerade die bereits erbrachten Opfer konnten den Krieg weiter antreiben. Zugeständnisse und Friedensbereitschaft erschienen in vielen Kriegsgesellschaften als Verrat an den Gefallenen. So nahm die Gewalt selbst dann noch zu, wenn sich ein Kriegsende bereits abzeichnete.

Hohe Erwartungen an den Frieden

Leonhard richtet den Blick auch auf ein Spannungsfeld der Gegenwart: Die Erwartungen an einen Frieden sind historisch gewachsen. Er soll Sicherheit schaffen, Opfer anerkennen, die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen ermöglichen und gesellschaftliche Verständigung fördern.

Gleichzeitig enden Konflikte immer seltener mit einem klassischen Friedensvertrag. Gerade in Bürgerkriegen und hybriden Konflikten fehlen häufig Akteure, die einen verbindlichen Frieden aushandeln und dessen Bedingungen durchsetzen können. An die Stelle eines Krieges kann deshalb eine Vielzahl lokaler Gewaltherde treten.

Der historische Vergleich soll helfen, solche Muster zu erkennen und die Voraussetzungen tragfähiger Friedenslösungen besser zu verstehen.

Scandola  

Ausgezeichneter Historiker zu Gast

Jörn Leonhard veröffentlichte 2023 das Buch «Über Kriege und wie man sie beendet». Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt er 2024 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er gehört der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina an.

Das Lilienberg-Gespräch beginnt am 16. September um 18 Uhr an der Blauortstrasse 10 in Ermatingen. Die Teilnahme kostet 30 Franken, mit Abendessen 90 Franken. Studenten und Lehrlinge bezahlen mit gültigem Ausweis 10 beziehungsweise 70 Franken. Anmeldeschluss ist Dienstag, 15. September, um 17 Uhr.

Die Anmeldung erfolgt über den Ticketshop des Lilienbergs

Auch interessant

Lilienberg stellt Programmleitung neu auf
Thurgau

Lilienberg stellt Programmleitung neu auf

Lanter übernimmt Lilienberg-Intendanz
Thurgau

Lanter übernimmt Lilienberg-Intendanz

«Analoge Möglichkeiten sollen erhalten bleiben»
Vorschau

«Analoge Möglichkeiten sollen erhalten bleiben»