Thurgau

Vertrauen statt Kontrolle: KMU-Forum diskutiert gesunde Führung

Vertrauen statt Kontrolle: KMU-Forum diskutiert gesunde Führung
Michael Rey, CEO der Rey Technology AG in Sirnach
Lesezeit: 3 Minuten

Am KMU-Forum des Forum BGM Ostschweiz bei der Rey Technology AG in Sirnach diskutierten rund 40 Teilnehmer, wie Führungspersonen mit Vertrauen, Mitsprache und guter Kommunikation die psychische Gesundheit und Motivation ihrer Mitarbeiter stärken können. Praxisbeispiele, Fachreferate und der Erfahrungsaustausch standen dabei im Zentrum.

Text: pd/red

Ein Fitnessabo, kostenlose Früchte, ergonomische Stühle und höhenverstellbare Tische: «Reicht das, damit es den Mitarbeitenden in einem Unternehmen gut geht?», fragte Rey-CEO Michael Rey die Teilnehmer des KMU-Forums vom 18. Juni 2026. Zur Veranstaltung eingeladen hatte das Forum BGM Ostschweiz, das sich für die betriebliche Gesundheitsförderung einsetzt. Michael Rey machte deutlich, dass oben erwähnte Angebote allein nicht genügen. Die grössten Belastungen für Mitarbeiter entstünden häufig durch Druck, fehlende Mitsprache, mangelndes Vertrauen und ungenügende Kommunikation. Für ihn ist betriebliche Gesundheitsförderung deshalb ein zentraler Bestandteil einer Unternehmenskultur, die auf Vertrauen, Mitgestaltung und Flexibilität basiert.

Regelmässiger Austausch statt Jahresgespräch

Während eines Rundgangs durch die Rey Technology AG erhielten die Teilnehmer Einblick in die praktische Umsetzung dieser Grundsätze. Das vor über 40 Jahren gegründete Unternehmen beschäftigt heute rund 130 Mitarbeiter an drei Standorten. Es entwickelt individuelle Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen für Energieversorger und Industriebetriebe sowie für KMU, Schulen und Behörden im In- und Ausland.

2023 wurde der Hauptsitz um zwei Etagen erweitert. Moderne Grossraumbüros mit zahlreichen Rückzugsmöglichkeiten, ein Ruheraum, eine Cafeteria mit Terrasse und verschiedene Gemeinschaftsbereiche sollen die Zusammenarbeit und ein gesundes Arbeitsumfeld fördern. Michael Rey sprach von Rollen statt Hierarchien, flexiblen Arbeitszeiten und einer hohen Eigenverantwortung der Mitarbeitern. Zwar würden die strategischen Ziele vom Verwaltungsrat vorgegeben, die Führungskräfte könnten jedoch zu einem grossen Teil bestimmen, wie diese erreicht wollen. «Ich bin überzeugt, Menschen leisten mehr, wenn man ihnen vertraut», sagte Rey. Eine zentrale Rolle spiele zudem der regelmässige Austausch. Anstelle jährlicher Mitarbeitergespräche setze das Unternehmen auf laufende Feedbacks. «Je früher man merkt, dass etwas nicht stimmt, desto besser.»

Im anschliessenden Austausch diskutierten die Teilnehmer Fragen rund um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Welche Massnahmen wirken tatsächlich? Wie kann gesundheitsorientierte Führung gelingen? Wie lassen sich Teamfähigkeit und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten fördern? Dabei wurden Erfahrungen aus den eigenen Unternehmen geteilt und unterschiedliche Ansätze diskutiert.

Mattes Films  

Niederschwellige Tools für Unternehmen

Zusätzliche Impulse lieferten Inputs von Mireille Félix von Gesundheitsförderung Schweiz. Sie präsentierte niederschwellige und kostenlose Angebote, die Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützen. Dazu gehören etwa Standortbestimmungen, Beratungsangebote sowie Instrumente wie die HR-Toolbox oder das Leadership-Kit. «Man muss nicht gleich ein Label anstreben. Ein erster Schritt kann sein, den aktuellen Stand der betrieblichen Gesundheitsförderung im eigenen Unternehmen zu analysieren», sagte Mireille Félix. Die dafür benötigten Unterlagen würden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Mireille Félix
Mireille Félix

Wie gross das Interesse am Thema ist, zeigen auch die Zahlen des Forum BGM Ostschweiz. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 ist das Netzwerk auf über 340 Mitgliedsbetriebe angewachsen. Der Grossteil davon sind kleine und mittlere Unternehmen. Die Mitglieder profitieren von kostenlosen Beratungen sowie Vergünstigungen bei Veranstaltungen und Weiterbildungen.

«Bereits mit einzelnen Massnahmen lässt sich viel bewirken», sagte Annette Nitsche, Leiterin der Geschäftsstelle des Forum BGM Ostschweiz. Gerade für kleinere Unternehmen sei dies wichtig, da sie häufig nicht über die Ressourcen verfügten, eigene Stellen für betriebliche Gesundheitsförderung aufzubauen.

Annette Nitsche
Annette Nitsche

Pausen trotz Zeitdruck

Zum Abschluss forderte Referent Curdin Sedlacek von der Conaptis GmbH die Teilnehmer dazu auf, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Wer macht Pausen, wenn er gerade viel Stress hat? Wer lässt sich auf Gespräche mit Arbeitskollegen ein, wenn der Zeitdruck hoch ist? Führungspersonen müssten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, da ihr Verhalten einen direkten Einfluss auf die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter habe. Zudem erläuterte Sedlacek die Bedeutung grundlegender menschlicher Bedürfnisse wie soziale Eingebundenheit, Wirksamkeit, Selbstbestimmung und Autonomie. Werden diese auch im Arbeitsalltag erfüllt, steigere dies Motivation, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit.

Curdin Sedlacek
Curdin Sedlacek

Der abschliessende Apéro auf der Terrasse der Rey Technology AG bot Gelegenheit, die Diskussionen weiterzuführen, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

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