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Schmid erklärt, wie Liechtenstein seine Verwaltung mit AI verändert

Schmid erklärt, wie Liechtenstein seine Verwaltung mit AI verändert
Balz Zürrer und Fabian Schmid
Lesezeit: 4 Minuten

In der dritten Folge von «shift – Das Signal im Rauschen» spricht Balz Zürrer, Group CEO der Online Group, mit Fabian Schmid, Amtsleiter des Amts für Informatik der Liechtensteinischen Landesverwaltung. Im Zentrum stehen konkrete AI-Anwendungen, neue Arbeitsweisen und der risikobasierte Weg zwischen Cloud, Sicherheit und digitaler Souveränität.

Text: pd/stz.

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verändern nicht nur Unternehmen, sondern zunehmend auch öffentliche Verwaltungen. Doch wie lassen sich neue Technologien verantwortungsvoll einsetzen? Und wie gelingt der Spagat zwischen Innovation, Sicherheit und digitaler Souveränität?

Nachdem Marco Denzler in der zweiten Folge von «shift» erklärt hat, weshalb AI First bei den Menschen beginnt, richtet sich der Blick nun auf die öffentliche Hand. Fabian Schmid gibt Einblick in die technologische Transformation eines ganzen Landes und zeigt, weshalb die Grösse Liechtensteins gleichzeitig Herausforderung und Chance ist.

 

Schmid bewegt sich seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Technologie und Transformation. Vor seiner heutigen Tätigkeit war er in internationalen Management-, Digitalisierungs- und Projektleitungsfunktionen tätig, unter anderem bei Credit Suisse und Holcim.

Heute leitet er das Amt für Informatik der Liechtensteinischen Landesverwaltung. Besonders fasziniert ihn die aussergewöhnliche Breite der Anforderungen. Während sich Unternehmen häufig auf bestimmte Produkte oder Geschäftsprozesse konzentrieren, muss die Informatik eines Landes Lösungen für zahlreiche Ämter und unterschiedlichste Themenbereiche bereitstellen.

Das Spektrum reicht von übergreifenden Identitäts- und Zugriffsservices bis zu spezialisierten Fachapplikationen. Diese Vielfalt bringt eine hohe Komplexität mit sich. Gleichzeitig ermöglicht die überschaubare Grösse Liechtensteins, ausgewählte Lösungen fokussiert und vergleichsweise schnell umzusetzen.

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Liechtenstein versteht sich als «Smart Follower»

Neue AI-Modelle, Anwendungen und Werkzeuge erscheinen in immer kürzeren Abständen. Für eine kleinere Organisation ist es weder sinnvoll noch möglich, jede Entwicklung unmittelbar zu verfolgen. Fabian Schmid bezeichnet die Liechtensteinische Landesverwaltung deshalb als eine Art «Smart Follower».

Sie beobachtet, welche Ansätze sich in der Praxis bewähren, wählt passende Elemente aus und setzt diese anschliessend gezielt um. Im Zentrum stehen konkrete Anwendungsfälle. Statt immer umfangreichere Listen potenzieller Einsatzmöglichkeiten zu erstellen, sollen einzelne Lösungen tatsächlich realisiert und auf ihren Nutzen geprüft werden.

Entscheidend sei, ob sich mit AI ein Prozess effizienter gestalten, eine Aufgabe besser unterstützen oder eine neue Dienstleistung ermöglichen lasse. Die Bereitstellung einer Lizenz allein reiche dafür nicht aus. Die Mitarbeiter müssten begleitet, ausgebildet und anhand konkreter Beispiele an die neuen Möglichkeiten herangeführt werden.

Die technologische Einführung und die Veränderung der Arbeitsweise gehören für Schmid deshalb untrennbar zusammen. Erst wenn die Mitarbeiter verstehen, wie sie AI in ihrem eigenen Arbeitsumfeld sinnvoll einsetzen können, entsteht ein konkreter Nutzen.

Balz Zürrer
Balz Zürrer

Die Arbeit verschwindet nicht, sie verändert sich

Für Fabian Schmid ist klar, dass AI die heutigen Tätigkeiten in der Informatik und in der Verwaltung verändern wird. Dabei gehe es weniger darum, dass Arbeit vollständig verschwinde. Vielmehr verschöben sich Aufgaben, Rollen und die benötigten Fähigkeiten.

In der Softwareentwicklung ist diese Veränderung bereits besonders deutlich sichtbar. Entwickler werden künftig möglicherweise weniger Code selbst schreiben und verstärkt die Rolle von Orchestratoren, Qualitätsverantwortlichen und fachlichen Übersetzern übernehmen. Anforderungen, Architektur, Sicherheit und die sorgfältige Einordnung der Ergebnisse bleiben dabei zentral.

Auch ausserhalb der Informatik müssen die Mitarbeiter lernen, mit AI zu arbeiten und ihre eigene Rolle weiterzuentwickeln. Für Schmid ist wichtig, dass die Menschen diese Veränderung nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten können.

«Wichtig ist, dass allen klar ist, dass eine Entwicklung stattfindet und dass man an dieser Entwicklung teilhaben muss und darf», sagt Fabian Schmid.

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Souveränität verlangt eine differenzierte Betrachtung

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die digitale Souveränität. Gerade für öffentliche Verwaltungen stellt sich die Frage, welche Daten und Anwendungen in einer Cloud betrieben werden können und welche besonders geschützt werden müssen.

Liechtenstein setzt Microsoft 365 als Kollaborationsplattform ein. Vertrauliche und geheime Informationen sowie zentrale Fachapplikationen werden dagegen in eigenen Rechenzentren betrieben. Die Landesverwaltung verfolgt damit einen differenzierten, risikobasierten Ansatz, der sich an der Schutzwürdigkeit der jeweiligen Daten orientiert.

Auch ein Wechsel auf Open-Source-Lösungen wäre für Schmid nicht automatisch günstiger oder sicherer. Neben den eigentlichen Anwendungen müssten Integration, Wartung, Support, Sicherheit und Schulung berücksichtigt werden. An die Stelle eines grossen Anbieters könnten zahlreiche unterschiedliche Vertragspartner treten.

Die Diskussion lasse sich deshalb weder auf Lizenzkosten noch auf die Herkunft einer Technologie reduzieren. Digitale Souveränität sei letztlich auch eine strategische und politische Entscheidung. Sie habe einen Wert, verlange jedoch entsprechende Investitionen und eine realistische Betrachtung der betrieblichen Konsequenzen.

Praxisnaher Einblick

Die dritte Folge von «shift – Das Signal im Rauschen» bietet einen praxisnahen Einblick in die Digitalisierung einer öffentlichen Verwaltung. Das Gespräch behandelt den verantwortungsvollen Einsatz von AI, die Konzentration auf konkrete Anwendungsfälle, veränderte Berufsbilder sowie den Umgang mit Cloud, Open Source und digitaler Souveränität.

Die Folge mit Fabian Schmid ist auch auf Spotify und YouTube verfügbar. Weitere Informationen und alle bisher veröffentlichten Episoden sind unter online.ch/shift abrufbar.

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