Thurgauer Know-how schützt Menschen auf allen Kontinenten
Text: pd/stz.
Die Geobrugg AG ist ein Unternehmen, dessen Produkte man im Alltag kaum wahrnimmt, dessen Wirkung aber vielerorts entscheidend sein kann: an steilen Berghängen, in Tunneln, in Minen, an Strassen, auf Rennstrecken oder dort, wo Menschen und Infrastrukturen vor Naturgefahren geschützt werden müssen. Die hochfesten Stahldrahtnetze aus Romanshorn stehen für spezialisiertes Engineering, internationale Erfahrung und Schweizer Qualitätsarbeit.
Davon konnten sich Vertreter von Swiss Engineering aus dem Thurgau und angrenzenden Kantonen bei einem Besuch am Hauptsitz der Geobrugg AG in Romanshorn ein Bild machen. Das Unternehmen gewährte Einblicke in seine Geschichte, seine internationalen Märkte, seine technischen Entwicklungen und die Produktion jener Systeme, die heute auf allen Kontinenten gefragt sind.
Die Ursprünge der Geobrugg AG reichen weit zurück. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der 1836 in Romanshorn gegründeten Seilerei Fatzer. Bereits 1951 wurden erste Lawinenverbauungen aus Drahtseilen entwickelt. Den eigentlichen Entwicklungsschub zur heutigen Geobrugg brachte jedoch die Übernahme von Fatzer durch die Gruppe Brugg in den 1990er Jahren. Damals entstand eine Abteilung namens Geobrugg, die sich auf Schutzsysteme spezialisierte. Aus einem kleinen Team von sechs Spezialisten ist seither ein weltweit tätiges Unternehmen mit rund 550 Beschäftigten geworden.
Wie Chief Marketing Officer Manuel Eicher ausführte, hat Geobrugg Produktionsstätten auf allen Kontinenten aufgebaut. Die Schutzsysteme werden heute nicht nur in Romanshorn hergestellt, sondern auch in New Mexico in den USA, in Chile, Südafrika, Australien, Indien, China und Japan. Jüngst kam eine neue Produktion in Indonesien dazu. Damit ist das Unternehmen nahe bei seinen Märkten und kann Projekte weltweit mit lokalem Verständnis und globalem Know-how begleiten.
Die grösste Nachfrage besteht weiterhin im Bereich Naturgefahren. Steinschlag, Lawinen, Murgänge oder Rutschungen stellen in vielen Regionen der Welt eine erhebliche Bedrohung für Menschen, Verkehrswege, Energieanlagen und Siedlungen dar. Hier kommen die Schutzsysteme von Geobrugg zum Einsatz. Sie müssen enorme Kräfte aufnehmen, unter extremen Bedingungen funktionieren und zugleich wirtschaftlich installierbar bleiben.
Das zweitgrösste Segment bilden Anwendungen für Minen, Bergbau und Tunnel. Auch dort geht es um Sicherheit, Belastbarkeit und Systeme, die unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig eingesetzt werden können. Eine besondere Stellung hat sich Geobrugg zudem im Motorsport erarbeitet. Im Formel-1-Bereich setzt das Schweizer Unternehmen mit seinen Schutzsystemen inzwischen Standards. Was an Rennstrecken installiert wird, muss höchsten Sicherheitsanforderungen genügen und in kritischen Situationen innert Sekundenbruchteilen wirken.
Manuel Eicher machte deutlich, dass die Kernkompetenz von Geobrugg nicht allein in der Herstellung von Netzen liegt. Entscheidend sei vielmehr die Fähigkeit, komplette Lösungen mit definierten Systemeigenschaften zu entwickeln. Es geht also nicht nur um Draht und Geflecht, sondern um geprüfte Gesamtsysteme, die aus Netzen, Verankerungen, Tragseilen, Brems- und Verbindungselementen bestehen. Erst das präzise Zusammenspiel aller Komponenten macht aus einem Produkt ein verlässliches Schutzsystem.
Dieses Engineering-Know-how ist zentral für den Erfolg des Unternehmens. Geobrugg entwickelt eigene Testverfahren, arbeitet mit Forschungsinstituten zusammen, investiert in Weiterbildung und treibt Innovationen kontinuierlich voran. Auch neue Anwendungsfelder werden geprüft. Aktuell testet das Unternehmen etwa Drohnenschutzsysteme, wie Eicher den Besuchern verriet. Damit zeigt sich, dass die Technologie der hochfesten Stahldrahtnetze weit über klassische Naturgefahren hinausgedacht werden kann.
Beim anschliessenden Rundgang durch die Produktion wurde sichtbar, wie aus hochfesten Drähten Netze und Systemkomponenten entstehen, die anschliessend in die ganze Welt geliefert werden. Die Besucher erhielten Einblick in die Bereiche Systeme und Geflechte und konnten nachvollziehen, wie viel Präzision, Maschinenbau und Erfahrung in den einzelnen Arbeitsschritten stecken.
Besonders eindrücklich: Viele der eingesetzten Maschinen werden von Geobrugg-Ingenieuren selbst entwickelt. Das unterstreicht die Rolle des Unternehmens als Know-how-Träger. Wer Schutzsysteme für unterschiedlichste Anwendungen und extreme Belastungen entwickelt, muss nicht nur das Endprodukt verstehen, sondern auch die Produktionsprozesse, Prüfmethoden und Werkzeuge beherrschen.
Produktionsleiter Systeme Granit Miftari sowie Produktionsleiter Geflechte Arnold Hofmann erläuterten den Gästen, wie die Komponenten gefertigt, verarbeitet und für den weltweiten Einsatz vorbereitet werden. Dabei wurde deutlich, dass Geobrugg auf eine Kombination aus industrieller Fertigung, technischem Spezialwissen und grosser Nähe zur Praxis setzt.
Für Swiss Engineering bot der Besuch in Romanshorn einen anschaulichen Einblick in ein Unternehmen, das exemplarisch zeigt, wie Schweizer Ingenieurleistung international Wirkung entfalten kann. Die Verbindung von Tradition, Forschung, Produktion und globaler Marktnähe macht Geobrugg zu einem Beispiel dafür, wie aus regionalem Know-how ein weltweit relevantes Schutzsystemgeschäft entstehen kann.
Die Vertreter von Swiss Engineering zeigten entsprechend grosses Interesse an den Leistungen des Unternehmens. Ob in den Alpen, in Bergwerken, an Rennstrecken oder in neuen Sicherheitsanwendungen: Die Geobrugg AG zeigt, dass spezialisierte Schweizer Technologie auch in einem globalen Umfeld eine starke Position behaupten kann.