Swisca wird zum Komplettanbieter im Mühlenbau
Text: pd/stz.
Die Ceres-Mühle am Brüssel-Schelde-Seekanal stellte die Planer vor eine besondere Herausforderung: Der traditionsreiche Betrieb der Bindewald-&-Gutting-Mühlengruppe (BiGu) sollte umfassend modernisiert werden, doch das bestehende Gebäude bot wenig Grundfläche. Gefragt war eine Lösung, die leistungsfähige Produktionstechnik in einen hohen, räumlich engen Siloturm integriert.
Für Swisca wurde daraus ein Projekt von strategischer Bedeutung. Das Unternehmen mit Standorten in Appenzell und Flawil, bisher vor allem als Maschinenlieferant bekannt, übernahm erstmals das gesamte Leistungsspektrum einer solchen Anlage. Die Verantwortung reichte von der müllereitechnologischen Planung über das Engineering bis zur Inbetriebnahme des Gesamtsystems.
Aus wenig Grundfläche wird viel Leistung
Die BiGu-Gruppe und Swisca entwickelten das Anlagenkonzept gemeinsam und schrittweise aus den betrieblichen Anforderungen und den räumlichen Möglichkeiten heraus. Das Ergebnis ist eine konsequent vertikal angeordnete Mühle: Zwei Mahllinien mit einer Tagesleistung von insgesamt rund 900 Tonnen verteilen sich auf elf Ebenen des alten Silogebäudes.
Die Gebäudehöhe wurde damit zu einem entscheidenden Vorteil. Das Konzept nutzt die Schwerkraft, um das Mahlgut zwischen den einzelnen Verarbeitungsschritten nach unten zu transportieren. Dadurch lässt sich ein Teil jener pneumatischen Transporte vermeiden, bei denen das Produkt unter Energieaufwand wieder nach oben befördert wird.
Swisca beziffert die Reduktion des Energiebedarfs auf rund 40 Prozent. Erste Messungen aus der Anlaufphase weisen laut Unternehmen auf einen entsprechend niedrigen Verbrauch hin. Für die Betreiber ist dies ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor, wirkt sich der Energiebedarf doch unmittelbar auf die laufenden Produktionskosten aus.
Eine Mühle auf mobilen Endgeräten
Eine Anlage über elf Ebenen stellt auch besondere Anforderungen an die Überwachung. Manuelle Kontrollen würden lange Wege verursachen. Deshalb setzt die Ceres-Mühle auf einen hohen Automatisierungsgrad: Sensoren und Waagen erfassen die einzelnen Teilprozesse und melden Abweichungen in Echtzeit. Die gesamte Anlage lässt sich über mobile Endgeräte steuern und überwachen.
Das erleichtert die Prozesskontrolle und ermöglicht es, auf Störungen rasch zu reagieren. Gleichzeitig schafft die laufende Erfassung der Betriebsdaten die Grundlage für einen gezielten Personaleinsatz und die Vermeidung ungeplanter Stillstände.
Entscheidend für die Umsetzung war zudem der modulare Aufbau der Maschinen. Die einzelnen Baugruppen liessen sich auch unter den engen und verwinkelten Platzverhältnissen des ehemaligen Silos einbringen und montieren. Ein auf Hygiene ausgerichtetes Design soll Produktablagerungen vermeiden und Reinigungs- sowie Wartungsarbeiten vereinfachen. Damit verbindet Swisca die räumliche Anpassungsfähigkeit der Anlage mit den Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und wirtschaftlichen Unterhalt.
Internationales Fachpublikum besichtigt die Anlage
Vorgestellt wurde die modernisierte Ceres-Mühle beim ersten «Milling Forum Europe», das vom 7. bis 9. September 2026 in Brüssel stattfand. Nach Angaben von Swisca nahmen rund 350 Industrieexperten am Branchentreffen teil. Die Besichtigung der Mühle bot ihnen Gelegenheit, die neue Anlagentechnik im laufenden Betrieb kennenzulernen.
Stefan Schmitz von Swisca erläuterte die verfahrenstechnischen Hintergründe des Projekts. Zur symbolischen Übergabe feierten die Führungsteams von Swisca und der BiGu-Gruppe die erfolgreiche Inbetriebnahme mit einer gravierten Kuhglocke.
Für das Ostschweizer Unternehmen und seine rund 80 Techniker dient die Ceres-Mühle nun als Referenz für das Zusammenspiel von Maschinenentwicklung, Verfahrenstechnik und Anlagenplanung. Mit dem abgeschlossenen Projekt erweitert Swisca seine Marktposition vom Lieferanten einzelner Maschinen zum Partner für komplette Mühlenanlagen.
