Schloss Herdern zieht der Käserei den Stecker
Text: pd/stz.
Seit 1897 wird auf Schloss Herdern im Thurgau Käse hergestellt. Nun hat die Betriebskommission das Ende beschlossen. Für einen langfristigen Weiterbetrieb müssten die Räumlichkeiten und die technische Infrastruktur mit erheblichem finanziellem Aufwand erneuert werden. Stattdessen will der Verein seine Mittel gezielt in Angebote investieren, die den Bewohnern und Klienten unmittelbar dienen.
Geschäftsleiter Silvio Zahnd erklärt gegenüber «Blick», dass sich der Weiterbetrieb der kleinen Käserei allein für die eigenen Spezialitäten nicht mehr rechne. Auch eine stärkere Automatisierung und ein kleineres Sortiment wurden geprüft. Doch keine Variante überzeugte wirtschaftlich. «Letztlich war bei allen Lösungsvorschlägen die Rentabilität nicht gegeben», sagt Zahnd.
Von der Schliessung sind zwei Mitarbeiter betroffen. Eine Mitarbeiterin hat laut Zahnd bereits eine Anschlusslösung gefunden. Den zweiten Angestellten will Schloss Herdern bei der Stellensuche unterstützen. Die Bewohner hätten den Entscheid mit Bedauern aufgenommen.
Mit dem Produktionsende ist auch die geplante Schaukäserei vom Tisch. Besucher hätten dort künftig die Käseherstellung mitverfolgen können. Für den Ausbau hatte sich Schloss Herdern um einen Beitrag von 980’000 Franken aus den TKB-Millionen beworben. Der Betrag war als Mitfinanzierung vorgesehen und entsprach nicht den gesamten Projektkosten.
Noch im Sommer 2024 hatte die Mitgliederversammlung für die Sanierung und Umwandlung in eine «Käserei mit Schaucharakter» einen Bruttokredit von 5,39 Millionen Franken bewilligt. Bereits damals war das Vorhaben überarbeitet worden: Statt der ursprünglich geplanten 1,8 Millionen Liter sollten künftig noch 600’000 Liter Milch jährlich verarbeitet werden. Kleinere Anlagen und weniger Raumbedarf hätten die Kosten senken sollen.
Für die Schlossspezialitäten zeichnet sich dennoch eine Zukunft ab. Ausgewählte Produkte sollen von externen Partnern nach den bewährten Rezepturen weitergeführt werden. Nach Möglichkeit soll dabei auch künftig Milch aus der eigenen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, hält Schloss Herdern in seiner Mitteilung fest. Gegenüber «Blick» erklärte Zahnd inzwischen, die Vertragsabschlüsse stünden kurz bevor. Zu den Produkten, die erhalten bleiben sollen, gehören das Schlossmutschli und der Schlosskäse.
Der Produktverkauf ist ein wichtiger Bestandteil der Vereinsfinanzierung. Schloss Herdern bietet Menschen, die aus sozialpsychiatrischen Gründen einen geschützten Rahmen benötigen, Wohn-, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Mit Partnerbetrieben soll ein Teil der bisherigen Wertschöpfung erhalten bleiben, während die frei werdenden finanziellen Mittel die langfristige Entwicklung der sozialen Angebote stärken sollen.