St.Gallen

Kooperation wird zum Innovationsmotor

Kooperation wird zum Innovationsmotor
Lesezeit: 4 Minuten

Am Technologietag 2026 der OST in Buchs wurde am 9. Juni deutlich: Die grossen technologischen Fortschritte entstehen nicht im Alleingang. Ob Künstliche Intelligenz, Photonik, Sensorik oder Robotik – entscheidend ist das Zusammenspiel von Unternehmen, Hochschulen und Forschungspartnern.

Text: pd/stz.

«Wer nicht kooperiert, verliert den Zugang zu Wissen, Märkten und Talenten», sagte Michael Auer, Präsident des Hochschulrats der OST, am Technologietag 2026 in Buchs. Der Anlass stand unter dem Motto «Kooperation als Motor für Innovation» und rückte eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Wie lassen sich technologische Entwicklungen schneller, wirkungsvoller und wirtschaftlich nutzbar machen?

Claudia Schärer
Claudia Schärer

Die Antwort zog sich durch den ganzen Tag: Innovation braucht Netzwerke. Sie entsteht dort, wo Disziplinen, Branchen und Technologien aufeinandertreffen. Organisiert wurde der Technologietag von der OST in Zusammenarbeit mit RhySearch, dem Switzerland Innovation Park Ost und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW.

Hubert Büchel
Hubert Büchel

Für Hubert Büchel, Regierungsrat des Fürstentums Liechtenstein, zeigt gerade der Wirtschaftsraum Liechtenstein, dass Innovationskraft nicht primär von Grösse abhängt. «Innovation entsteht nicht allein durch Grösse, sondern durch Spezialisierung, Qualität und unternehmerische Weitsicht», sagte er.

Gleichzeitig sei Innovation kein Selbstläufer. Kleine Wirtschaftsstandorte verfügten naturgemäss nicht über sämtliche Infrastrukturen und Kapazitäten, die für Forschung und Entwicklung nötig seien. Umso wichtiger seien funktionierende Kooperationen mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Als wichtige Partner nannte Büchel unter anderem die Universität Liechtenstein, die OST, RhySearch, den Switzerland Innovation Park Ost und den neuen Sensor Innovation Hub in Buchs.

Kirsten Moselund
Kirsten Moselund

Auch die Schweiz zählt seit Jahren zu den innovativsten Ländern der Welt. Prof. Dr. Martin Wörter, Bereichsleiter Innovationsökonomie der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, erklärte, weshalb das so ist: Die Hochschulen seien exzellent, die Schweiz investiere viel in öffentliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, und das Innovationsfördersystem zeige positive Effekte.

Gleichzeitig werde der internationale Wettbewerb härter. Dänemark, Schweden und Finnland rückten näher an die Schweiz heran. Hinzu kämen geopolitische Verschiebungen, staatliche Subventionen in anderen Ländern, kostspielige Regulierungen, hohe Kosten, Fachkräftemangel und fehlende Eigenmittel im Innovationsbereich. Dennoch gelinge es Schweizer Unternehmen, 30 bis 35 Prozent ihres Umsatzes mit innovativen Produkten zu erzielen.

Unternehmertag Vaduz  
Knut Siercks
Knut Siercks

Eine Herausforderung bleibt die abnehmende Breite der Innovationsaktivitäten. Analysen der KOF zeigen, dass sich Forschung und Entwicklung in der Schweiz zunehmend auf weniger Unternehmen konzentrieren. Immer weniger Firmen betreiben eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Diese Entwicklung bestätigt auch die Innovationskraftanalyse der SATW. «Die Schweiz ist zwar Innovationsweltmeisterin, doch die Entwicklung ist nicht in allen Wirtschaftsklassen so rosig», sagte Dr. Claudia Schärer, Leiterin Foresight der SATW. Aus Sicht der SATW braucht es deshalb eine stärker verankerte Innovationskultur in den Unternehmen, professionelles Matchmaking für Kollaborationen und gut ausgebaute Stellen für Technologietransfer an Hochschulen.

Martin Wörter
Martin Wörter

Wie wichtig solche Ökosysteme werden, zeigte auch Stefan Scheidegger, Projektleiter Früherkennung der SATW. Der Technology Outlook der SATW analysiert Technologiefelder, die in den nächsten drei bis fünf Jahren für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft relevant werden.

Als Beispiel nannte Scheidegger unter anderem Verfahren, mit denen Gold ohne hochgiftige Säuren und ohne Sondermüll aus Elektroschrott gewonnen werden soll. Solche Entwicklungen brauchen Orte, an denen sich Menschen begegnen, Vertrauen entsteht und Zusammenarbeit möglich wird.

Michael Auer
Michael Auer

Ein besonders dynamisches Feld ist die Photonik. Sie gewinnt nicht zuletzt durch den Aufstieg der Künstlichen Intelligenz an Bedeutung. KI-Anwendungen erhöhen den Bedarf an schnellen und energieeffizienten Systemen enorm.

«Der Energieverbrauch globaler Rechenzentren wird sich in den nächsten fünf Jahren aufgrund von KI-Anwendungen verdoppeln», sagte Prof. Dr. Kirsten Moselund, Leiterin des Laboratory for Nano and Quantum Technologies am Paul Scherrer Institut PSI. Das sei eine ernsthafte Bedrohung für die Netto-Null-Ziele. Photonik, also die Nutzung von Licht statt elektrischer Signale zur Datenübertragung und -verarbeitung, könne hier wichtige Lösungen liefern. Dafür brauche es künftig deutlich mehr Ingenieure und mehr Forschungsreinräume für Kooperationen.

Auch interessant

Pflegewissenschaft soll Gesundheitssysteme widerstandsfähiger machen
St.Gallen

Pflegewissenschaft soll Gesundheitssysteme widerstandsfähiger machen

Neurodivergenz als Chance für die Arbeitswelt
St.Gallen

Neurodivergenz als Chance für die Arbeitswelt

OST-Studenten entwickeln Lösungen für Raumfahrt und Schienenverkehr
St.Gallen

OST-Studenten entwickeln Lösungen für Raumfahrt und Schienenverkehr

Stefan Scheidegger
Stefan Scheidegger

Genau hier setzt der Sensor Innovation Hub in Buchs an. Er soll als Zentrum für Technologietransfer miniaturisierte Produkte in Bereichen wie Industriesensorik und Gesundheitstechnik voranbringen. Die Lancierung der Initiative wurde am Morgen des Technologietags gemeinsam mit der OST, dem Switzerland Innovation Park Ost und RhySearch gefeiert.

Neben den Plenarvorträgen boten vier parallele Technologie-Blöcke vertiefte Einblicke in aktuelle Forschungs- und Praxisfelder: Precision Photonics, Prozessinnovation für moderne Sensortechnologien, Sensorik und KI für die Medizintechnik sowie Robotics. Damit wurde der Technologietag nicht nur zur Plattform für strategische Einordnung, sondern auch zum Schaufenster konkreter Anwendungen.

«Der Tag hat gezeigt: Kooperationen sind Innovationstreiber und überlebenswichtig. Das gilt für KMU ebenso wie für Konzerne und explizit für uns als Hochschule, wo der Dialog und die Zusammenarbeit mit Industrie und Politik zentral sind. Wissen multipliziert sich durch Austausch», fasste Prof. Dr. Knut Siercks, Leiter des Departements Technik der OST, zusammen. Ideen seien die Basis, doch bis zur Innovation brauche es mehr: Vernetzung, Vertrauen und gemeinsame Umsetzungskraft.

Auch interessant

OST entwickelt Innovationen für die Industrie von morgen
Ostschweiz

OST entwickelt Innovationen für die Industrie von morgen

OST-Studenten entwickeln Lösungen für Stadler und Beyond Gravity
St.Gallen

OST-Studenten entwickeln Lösungen für Stadler und Beyond Gravity

OST stärkt nachhaltiges Handeln in der Region
St.Gallen

OST stärkt nachhaltiges Handeln in der Region