Wasserstoff-Wirtschaft skizziert in Buchs die Zukunft
Text: pd/stz.
Der offizielle Start der neuen Zusammenarbeit fand am Vormittag des 17. Juni in Buchs SG mit einem projektinternen Kick-off im Beisein der Politiker Marc Mächler, Regierungsrat des Kantons St.Gallen, Adi Gross, Vertreter der Vorarlberger Landesverwaltung, und Hubert Büchel, Regierungsrat des Fürstentums Liechtenstein, statt. Das Projekt mit dem Namen «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein» wird vom IET Institut für Energietechnik der OST geleitet und zusammen mit elf Projektpartnern aus der Energiewirtschaft, Logistik und Schifffahrt durchgeführt.
Wasserstoff als Energie-Bindeglied
«Im zukünftigen, auf erneuerbaren Quellen basierenden Energiesystem wird die Bedeutung von Elektrizität als Energieträger zunehmen und ihr Anteil an der Endenergie von einem heutigen Viertel auf etwa die Hälfte ansteigen», sagt Silvan Schmid, Projektleiter des H2-Lab, IET Institut für Energietechnik. Zur besseren Speicherung von elektrischer Energie wird nachhaltiger Wasserstoff (H2) eine wichtige Rolle einnehmen.
Im «Wasserstoff-Kernnetz» Deutschlands ist vorgesehen, dass Lindau bis 2032 mit einer H2-Pipeline vom Norden versorgt wird. Der Anschluss bei Lindau bietet der Region Bodensee-Alpenrhein eine einzigartige Gelegenheit, die von Pionierunternehmen angestossenen lokalen H2-Projekte zu vernetzen. «Auch bei der Energiewende hat Versorgungssicherheit Priorität. Wasserstoff kann dazu einen Beitrag leisten. Dabei ist in der grenzübergreifenden Bodenseeregion entscheidend, dass wir zusammenarbeiten, von der Planung bis zur Anwendung», sagt Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell.
Projekt «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein»
Das neue Projekt H2-Lab hat zum Ziel, im Raum Bodensee-Alpenrhein die Hürden für eine Wasserstoffwirtschaft zu senken und diese voranzubringen. Unter dem Lead des IET der OST werden mit elf weiteren Projektpartnern und 17 assoziierten Partnern drei Stossrichtungen vorangebracht:
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Grenzüberschreitendes H2-Netz: Es wird ein mögliches Wasserstoff-Verteilnetz zwischen Süddeutschland, Vorarlberg, dem Fürstentum Liechtenstein und der Ostschweiz angedacht. Dabei orientiert man sich am bestehenden Gasnetz, das umgenutzt und/oder durch neue H2-Pipelines ergänzt werden kann.
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Grenzüberschreitender H2-Handel: Beim Handel mit H2 gibt es regulatorische und technische Herausforderungen, die in diesem Projekt identifiziert werden. «Das ist insbesondere im transnationalen Raum Bodensee-Alpenrhein wichtig, um H2 unterschiedlicher Herkunft und Qualitäten handeln und nutzen zu können», sagt Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG).
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Grenzüberschreitende H2-Anwendungen: Im Projekt werden neue Anwendungen von Wasserstoff geprüft und Pilotprojekte aufgegleist, zum Beispiel für industrielle Hochtemperatur-Prozesse, Lasttransport, Schiffe, Spitzenlastabdeckung und Baumaschinen. «Es existieren viele Studien über mögliche Abnahmemengen von H2. Das wirkliche Potenzial kann aber nur über Detailabklärungen, die Planung von konkreten Projekten und Demonstrationen erschlossen werden», sagt Urs Brunner, Vorsitzender der Geschäftsleitung VfA Buchs SG.
Das Projekt wird vom regionalen Förderprogramm Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein (ABH) der Europäischen Union, dem Forschungsfonds Gas des Verbands der Schweizer Gasindustrie und allen zwölf beteiligten Partnern aus vier Ländern finanziert. Das Interreg-Regionalprogramm fördert die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt zu stärken. Die von der EU bereitgestellten Fördermittel werden im Interreg-Programm ABH durch staatliche Mittel aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein ergänzt.
Mit dem Projekt sollen die bestehenden Aktivitäten der Konsortiumsmitglieder bekannt gemacht und Innovationen in der Region vorangebracht werden. «Es werden wichtige Akteure aus dem Energie- und spezifisch aus dem Wasserstoffbereich erstmals an einen Tisch gebracht, über Ländergrenzen hinweg», sagt Marc Mächler, Regierungsrat des Kantons St.Gallen. Das resultierende Konsortium bildet eine starke Basis auch für künftige gemeinsame Projekte.
Veranstaltung «Transnationales Wasserstoff-Ökosystem» mit Ausstellung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge
Am Nachmittag des 17. Juni fand ausserdem die öffentliche Veranstaltung «Expertengespräche Power-to-X» des IET statt. Die öffentliche Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der VfA Buchs und dem Energieforum organisiert und von Markus Friedl, Leiter IET Institut für Energietechnik, sowie von Urs Brunner, Vorsitzender der Geschäftsleitung VfA Buchs, moderiert. Das Programm wurde von einer Ausstellung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge begleitet. Zu sehen waren drei Pkw, ein Lkw, ein Müllabfuhr-Fahrzeug sowie ein Modell eines Wasserstoffboots, das in Zukunft auf dem Walensee unterwegs sein soll.
Energieproduktion bei der KVA Buchs
Durch die thermische Verwertung von Abfällen zur Strom- und Wärmeproduktion nehmen Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) eine wichtige Rolle in der Energieversorgung ein. Urs Brunner, Vorsitzender der Geschäftsleitung VfA Buchs SG, zeigte in seinem Referat die innovativen neuen Technologien der lokalen KVA, die bereits über einen Heisswasserspeicher verfügt und das Stromnetz im Sommer mit einer Power-to-Heat-Anlage entlastet.
Zusätzlich verfügt Buchs über ein Ballenlager mit 7000 Ballen, mit dem Abfall aus dem Sommer in den Winter verlagert wird. Neu hinzu kommt eine Wasserstoffproduktion, die in Zukunft den Sommerstrom für weitere Verwendungen nutzbar macht.
Wasserstoff-Initiativen in Europa
Es gibt bereits einige Wasserstoff-Initiativen in Europa. Oliver Jochum von Klimapartner Südbaden e.V. stellte die trinationale Wasserstoff-Initiative 3H2 vor, die sich westlich an das Gebiet des H2-Labs anschliesst. Das Ziel dieser Initiative ist die Vernetzung der lokalen Akteure im Raum Südbaden und Basel. Mit rund 100 Unternehmen decken sie die ganze Wasserstoffkette von Produktion über Speicherung, Transport und Endanwendung ab. Viele Projekte befinden sich bereits in der Umsetzung oder im Betrieb, so liegt am Hochrhein bereits die erste Wasserstoff-Pipeline im Boden.
Zudem stellte Hans Rasmusson, Geschäftsführer des European Research Institute for Gas and Energy Innovation (ERIG), ein Projekt in der Slowakei, Österreich und Ungarn vor. Dort liegt der Fokus unter anderem auf der Entwicklung von Business-Konzepten unter Einbezug von Behörden, Forschung, Industrie/KMU und Endnutzern.
Die Schweiz ist insbesondere mit dem Aufbau des H2-Tankstellennetzes und dem Einsatz von H2-Lkw Vorreiterin in Europa. Thomas Walter von H2 Energy AG hob in seinem Referat hervor, dass dieser Hochlauf dank privatwirtschaftlicher Initiative geschehen konnte. Der Startpunkt eines H2-Ökosystems sei jeweils die Anwendung beim Kunden, und sie zeichne sich insbesondere durch eine abgestimmte Produktions- und Verbrauchsplanung aus.
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Wasserstoffnetz am Bodensee
Die lokale Anbindung der Endnutzer an das Wasserstoff-Kernnetz in Lindau ist noch offen. Peter Majer vom Stadtwerk am See in Friedrichshafen erläuterte in seinem Referat, dass in diesem Gebiet alle Erdgasleitungen für Wasserstoff umgenutzt werden könnten.
Er betonte jedoch, dass ein solcher Infrastrukturumbau jetzt aufgegleist werden müsse, wenn er rechtzeitig in Betrieb sein solle. Bei einer Umstellung ist der Netzausbau nur ein Bestandteil. Wichtig ist insbesondere die Betrachtung der Ausspeisepunkte aus dem Netz, damit die Geräte der Abnehmer wasserstofffähig sind.
Wasserstoff-Lkw in der Schweiz
Die Migros Ostschweiz (GMOS) ist Pionierin, was den Betrieb von Lkw mit erneuerbaren Antrieben angeht. Daniel Balmer, Leiter Transportlogistik der Migros Ostschweiz, betonte in seinem Referat, dass die Zuverlässigkeit der Technologien zentral sei. Viele der Fahrstrecken könnten batterieelektrische Fahrzeuge übernehmen. Es gebe jedoch Einsatzgebiete und -zeiten, bei denen eine andere Lösung gebraucht werde, dort kämen Wasserstoff-Lkw zum Einsatz.
Die Wasserstoff-Lkw, die in der Schweiz auf der Strasse unterwegs sind, stammen mehrheitlich von Hyundai. Beat Hirschi, CEO von Hyundai Hydrogen Mobility AG und Präsident H2-Hub Schweiz, zeigte in seinem Referat die existierende Wasserstoff-Fahrzeug-Palette, die Hyundai bereits heute anbietet. Neben Lkw sind dies insbesondere auch Absetz-/Kippfahrzeuge für die Logistik sowie Seiten- und Hecklader, die für die Abfallsammlung eingesetzt werden. Die vielfältigen Fahrzeuge sind Serienprodukte und seien innerhalb weniger Monate lieferbar.
Wasserstoff in der Schifffahrt
Zum Schluss der Veranstaltung präsentierte Joel Schmid, Stiftungsrat-Präsident der Stiftung Quinten Lebt, ihr derzeitiges Projekt eines Wasserstoffboots, das künftig auf dem Walensee der Bevölkerung von Quinten zur Verfügung stehen soll.
Das Projekt wurde mit einem Modellboot an der Olma präsentiert. Dieses Modell war auch bei der Veranstaltung vor Ort und konnte besichtigt werden.