Neue Software vereinfacht Verteilung überschüssiger Lebensmittel
Text: pd/stz.
Ob Brot, Äpfel oder Joghurt: Die «Schweizer Tafel» sammelt täglich rund 35 Tonnen überschüssige, aber einwandfreie Lebensmittel ein und verteilt sie an über 500 soziale Einrichtungen: eine logistische Meisterleistung. Denn damit die richtigen Mengen an den richtigen Ort kommen, braucht es eine präzise Koordination.
Vor zehn Jahren hat die Hilfsorganisation deshalb «Food-Bridge» lanciert: eine App, die die Verteilung von Lebensmitteln vereinfacht. Das bisherige Tool entspricht jedoch nicht mehr den aktuellen Anforderungen und soll abgelöst werden.
Dominic Sieber, Softwareentwickler bei Abacus, und Philip Tobler, Wirtschaftsinformatiker bei der Genossenschaft Migros Ostschweiz, haben sich der Aufgabe angenommen, die Web-App von Grund auf neu zu entwickeln. Dies im Rahmen ihrer Masterarbeit im MAS Software Engineering an der OST – Ostschweizer Fachhochschule.
Philip Tobler hatte bereits einen Bezug zur Schweizer Tafel. Er leistete für diese Hilfsorganisation Zivildienst. Dabei fuhr er selbst mit Kleinbussen von Migros-Filiale zu Migros-Filiale, um Lebensmittel einzusammeln, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr hätten verkauft werden können. Diese verteilte er dann an Gassenküchen, Notunterkünfte und andere soziale Einrichtungen.
Die Idee für die Masterarbeit entstand in einem Telefonat mit seinem damaligen Chef bei der «Schweizer Tafel». «Es ist motivierend, ein Projekt anzugehen, das einem echten Kundenbedürfnis entspricht und das nachher nicht in der Schublade verschwindet», sagt Philip Tobler. Dominic Sieber ergänzt: «Für uns war auch der gesellschaftliche Nutzen zentral. Durch die Web-App erhalten Produkte eine zweite Chance, was einerseits Food Waste reduziert und andererseits Armutsbetroffenen hilft.»
Mehrwert durch effiziente Prozesse
Die neu entwickelte App, die den bisherigen Namen «Food-Bridge» weiterführt, schlägt eine Brücke zwischen Produzenten beziehungsweise Lebensmittelhändlern, Hilfsorganisationen und Lieferanten. Sie werden in einem einzigen digitalen System miteinander vernetzt. «Überschüssige Nahrungsmittel können auf der Plattform als Spende inseriert werden», erklärt Dominic Sieber. «Hilfsorganisationen sehen die Angebote in Echtzeit, können diese bestellen und gleichzeitig die Lieferung in die Wege leiten.»
Die Web-App hilft damit ganz konkret, Lebensmittel schnell und unkompliziert an Bedürftige zu verteilen. Davon profitieren alle Beteiligten: Produzenten und Händler gewinnen freie Lagerkapazitäten, Hilfsorganisationen können verfügbare Lebensmittel schneller finden und ihren administrativen Aufwand reduzieren. Lieferfirmen wiederum erhalten präzise Informationen, was die Koordination der Transporte vereinfacht.
Durch diese effizientere Abwicklung der Prozesse trägt die «Food-Bridge» dazu bei, dass mehr Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden und tatsächlich den Weg zu armutsbetroffenen Menschen finden.
Diesen Sommer startet die Betaphase
Bei der Entwicklung der Web-App galt es, die unterschiedlichen Ansprüche der Stakeholder zu berücksichtigen. Basierend auf deren Anforderungen und Feedback setzten Dominic Sieber und Philip Tobler die verschiedenen Funktionen der App um. Dafür nutzten sie moderne Technologien zur Softwareentwicklung, namentlich die Frameworks Angular und Java/Spring Boot.
Zusätzlich integrierten sie eine relationale SQL-Datenbank zur strukturierten Speicherung der Daten und automatisierten die Entwicklung und Bereitstellung der Software mit Azure DevOps. Insgesamt schufen sie damit eine stabile technische Grundlage, damit die App langfristig zuverlässig funktioniert und bei wachsendem Bedarf problemlos erweitert werden kann.
Noch ist die neue Web-App nicht im Einsatz. Dominic Sieber und Philip Tobler verpassen ihr derzeit den letzten Feinschliff. Ziel ist es, diesen Sommer in die Betaphase zu gehen. In dieser Testlaufzeit wird die Anwendung von ausgewählten Nutzern unter realen Bedingungen ausprobiert, um mögliche Fehler zu erkennen und weiteres Feedback zur Bedienung und zu den Funktionen zu sammeln. Danach soll die «Food-Bridge» startklar sein.
Mit der Entwicklung einer App von Grund auf betraten die beiden MAS-Absolventen Neuland. Doch genau dieser ganzheitliche Ansatz war es, der ihnen an ihrer Masterarbeit und am Studium insgesamt besonders gefiel. «Wir haben gelernt, den gesamten Prozess von der Idee bis zur Einführung eines Softwareprojekts kompetent zu begleiten», sagt Dominic Sieber. Dieses breite Verständnis komme ihnen nun auch im Berufsalltag zugute.
Um im dynamischen IT-Umfeld innovative Softwarelösungen zu realisieren, sind vielfältige Kompetenzen im Bereich moderner Methoden, Prozesse und Technologien notwendig. Der MAS Software Engineering der OST ermöglicht es den Teilnehmern, ihre fachlichen und methodischen Fähigkeiten in der Softwareentwicklung umfassend zu erweitern. Sie werden befähigt, Softwareprojekte über alle Phasen hinweg kompetent und effizient zu bearbeiten, von der Anforderungsanalyse und Architektur bis hin zur Entwicklung, Implementierung und Wartung.