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GHG Riederenholz: 170 Jahre jung

GHG Riederenholz: 170 Jahre jung
Das «Städtische Kinderheim Riederenholz» 1978, gezeichnet vom Teufener Künstler Kojiro Matsubayashi, der selbst eine Zeit lang im Riederenholz arbeitete
Lesezeit: 3 Minuten

Seit Anfang 2024 gehört die GHG Riederenholz zur Gemeinnützigen und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St.Gallen (GHG). Ihr Ursprung liegt jedoch 170 Jahre zurück. Seither ist viel gegangen.

Text: pd/stz.

Die GHG Riederenholz hat mit der Armen- und Waisenanstalt, die Pater Theodosius Florentini im Auftrag der Stadt St.Gallen 1856 gründete, nicht mehr wirklich etwas gemeinsam. Zwischen der damaligen «Anstalt» und dem heutigen familienergänzenden Angebot der GHG Riederenholz liegen Welten.

Historisch gewachsen

Pater Theodosius übergab die Führung der Armen- und Waisenanstalt den Ingenbohler Schwestern. Wie die meisten Heime im 19. Jahrhundert sollte sie die Gesellschaft entlasten und soziale Kontrolle gewährleisten: Kinder aus armen, «verwahrlosten» oder als moralisch gefährdet geltenden Familien sollten von der Gesellschaft ferngehalten und zu gehorsamen, arbeitsamen Menschen erzogen werden.

1892 wurden Waisen- und Armenanstalt getrennt, 1929 von der Stadt übernommen. Die Waisenanstalt wurde 1948 zum «Städtischen Kinderheim Riederenholz». Anfang Oktober 1951 bezog es den Neubau an der Brauerstrasse.

Dieser ist auch heute, 75 Jahre später, noch das Zuhause von zwei Kinder-Wohngruppen. Die Wohngruppe für Jugendliche ist im ehemaligen Heimleiterhaus untergebracht. Die Armenanstalt, das spätere «Wohnheim für Betagte Riederenholz» (2022 geschlossen) blieb am ursprünglichen Standort an der Rorschacherstrasse.

Klarer Paradigmenwechsel

Die Heim-Philosophie und das Bild des arbeitenden Heimkindes waren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitet.

«Das war ein eigentliches Wegsperren. Seither fand ein klarer Paradigmenwechsel statt», erklärt Christoph Wiedemann, Institutionsleiter der GHG Riederenholz. «Heute sind wir ein familienergänzendes Angebot für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen. Ein sicheres und verlässliches Umfeld, ein Ort, an dem sie sich nach ihren individuellen Bedürfnissen entfalten und sich auf ihr eigenständiges Leben vorbereiten können.»

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1976 mussten die Ingenbohler Schwestern aus Mangel an Nachwuchs das Arbeitsverhältnis im Riederenholz per Frühjahr 1978 kündigen. Eine Expertenkommission der Stadt kam zum Schluss, das Heim sei weiterzuführen mit dem Auftrag, «schulpflichtige, normalbegabte, verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche aufzunehmen».

Die Neuausrichtung fiel in die Zeit eines schweizweiten Umdenkens im Heimwesen. Anfang der 70er-Jahre hatte eine Protestbewegung die repressiven Methoden in Erziehungsheimen angeprangert. Nach und nach fand ein Umdenken statt: vom Schutz der Gesellschaft zum Schutz der Kinder und Jugendlichen. Das öffnete Spielräume für individuelle Entfaltung und Förderung.

Die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St.Gallen GHG engagiert sich in der Region St.Gallen für über 2000 Menschen mit einem besonderen Betreuungs- und Unterstützungsbedarf. Sie bietet spezialisierte Angebote für Säuglinge, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen und betreibt ein Brockenhaus.

Die GHG wurde 1816 gegründet und setzt sich seit jeher für ein selbstbestimmtes Leben und einen erfüllten Alltag der ihr anvertrauten Personen ein. Sie beschäftigt rund 840 Mitarbeitende in insgesamt 8 Institutionen.

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