«Fussball und Musik sprechen dieselbe Sprache»
Text: stz.
Giovanni Zarrella, am 24. Oktober treten Sie an der Nacht des Ostschweizer Fussballs auf. Was hat Sie an dieser Einladung gereizt?
Diese Verbindung aus Fussball, Musik und einem guten Zweck hat mich sofort angesprochen. Fussball begleitet mich, seit ich ein kleiner Junge bin, und die Musik ist seit vielen Jahren mein Beruf und meine zweite grosse Leidenschaft. Wenn diese beiden Welten an einem Abend zusammenkommen und wir damit gleichzeitig junge Spieler und ihre Entwicklung unterstützen können, dann passt das einfach wunderbar zu mir. Ich freue mich sehr auf St.Gallen und darauf, gemeinsam mit den Gästen ein grosses Fest zu feiern.
Bei der Nacht des Ostschweizer Fussballs werden nicht nur Spieler ausgezeichnet, sondern auch Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre und Mannschaften. Gefällt Ihnen dieser umfassende Blick auf den Sport?
Sehr sogar. Fussball funktioniert nur, wenn viele Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Natürlich stehen am Wochenende vor allem die Spieler im Mittelpunkt. Aber hinter ihnen stehen Trainer, Betreuer, Physiotherapeuten, Platzwarte, Schiedsrichter, Funktionäre, Eltern, Sponsoren und unglaublich viele freiwillige Helfer. Ohne all diese Menschen gäbe es den Fussball, wie wir ihn kennen und lieben, nicht. Deshalb finde ich es grossartig, dass dieser Abend auch diejenigen ins Rampenlicht rückt, die sonst häufig im Hintergrund arbeiten.
Sie selbst haben in Ihrer Jugend leistungsorientiert Fussball gespielt. Wie nah waren Sie damals an einer Profikarriere?
Fussball war für mich damals weit mehr als ein Hobby. Ich habe sehr viel trainiert und natürlich davon geträumt, eines Tages Profi zu werden. Ich war ein fleissiger, giftiger und zweikampfstarker Spieler – einer, der immer alles auf dem Platz gelassen hat. Als es dann Richtung Herrenfussball ging, musste ich mir aber ehrlich eingestehen, dass andere mehr Talent oder bessere körperliche Voraussetzungen mitbrachten. Das war nicht einfach. Aber es war eine ehrliche und wichtige Erkenntnis.
Was hat Ihnen der Fussball für Ihre spätere Karriere als Musiker und Moderator mitgegeben?
Unglaublich viel. Fussball lehrt dich Disziplin, Verlässlichkeit und Teamgeist. Du lernst sehr früh, dass Talent allein nicht reicht und dass du gerade dann weiterarbeiten musst, wenn es einmal nicht so läuft. Und du lernst, mit Niederlagen umzugehen. Nach einem verlorenen Spiel kannst du dich nicht tagelang verstecken. Du musst analysieren, wieder trainieren und beim nächsten Mal erneut antreten. Genau diese Haltung hat mir später auch im Showgeschäft sehr geholfen.
Heute moderieren Sie mit der «Giovanni Zarrella Show» eine der grossen Samstagabendshows des ZDF. Fühlt sich eine Livesendung manchmal wie ein wichtiges Fussballspiel an?
Absolut! Vor einer grossen Liveshow herrscht tatsächlich eine ganz ähnliche Spannung wie kurz vor dem Anpfiff. Alle haben wochenlang gearbeitet, sich vorbereitet und wissen: Jetzt zählt es. Sobald die Sendung beginnt, kannst du nichts mehr zurückholen. Du musst präsent sein, deinen Mitspielern vertrauen und gleichzeitig jederzeit auf Unvorhergesehenes reagieren können. Und genau wie im Fussball gewinnt auch auf der Bühne niemand allein. Eine erfolgreiche Show ist immer das Ergebnis einer starken Mannschaft.
Welche Rolle übernehmen Sie in dieser Mannschaft?
Als Gastgeber trage ich natürlich die Verantwortung dafür, dass sich alle wohlfühlen und ihre beste Leistung zeigen können. Das gilt für die Künstler auf der Bühne genauso wie für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter den Kulissen. Vielleicht kann man meine Rolle tatsächlich ein bisschen mit der eines Kapitäns vergleichen: Ich möchte Energie geben, Sicherheit vermitteln und gleichzeitig das Ganze im Blick behalten. Entscheidend ist aber immer die Mannschaft. Jeder muss seine Aufgabe kennen, ernst nehmen und für das gemeinsame Ziel arbeiten.
Ihr Herz schlägt besonders für die AS Roma. Wie kam diese doppelte Verbundenheit zustande?
Die Liebe zur Roma begann schon in meiner Jugend. Mein Vater wurde in Rom geboren, und ein grosser Teil unserer Familie lebt dort. Als ich als Teenager ein Spiel im Stadio Olimpico erlebt habe, war es um mich geschehen. Diese Atmosphäre, diese Wärme und diese ganz besondere Beziehung zwischen Mannschaft und Fans haben mich sofort gepackt. Giuseppe Giannini war damals der grosse Kapitän. Später wurde Francesco Totti für eine ganze Generation zur Identifikationsfigur.
Die Nacht des Ostschweizer Fussballs unterstützt Future Champs Ostschweiz und damit die regionale Nachwuchsförderung. Was braucht ein junger Spieler neben Talent?
Vor allem Geduld, Disziplin, gute Begleiter und ein stabiles Umfeld. Talent öffnet dir vielleicht eine Tür – aber danach beginnt die eigentliche Arbeit erst. Junge Spieler müssen lernen, mit Erwartungen umzugehen, Niederlagen zu verarbeiten und sich als Teil einer Mannschaft zu verstehen. Genauso wichtig ist für mich, dass sie neben dem Sport auch eine schulische und persönliche Perspektive entwickeln. Nicht jeder Nachwuchsspieler wird am Ende Profi. Deshalb muss eine gute Nachwuchsförderung immer den ganzen Menschen im Blick behalten.
Was können Musiker und Fussballer voneinander lernen?
Sehr viel. Beide müssen ihr Handwerk beherrschen, sich gut vorbereiten und dann im entscheidenden Moment liefern. Aber gleichzeitig leben sowohl die Musik als auch der Fussball von Emotionen. Ein technisch perfektes Konzert ohne Gefühl wird niemanden wirklich berühren. Und genauso ist es beim Fussball. Die Fans wollen Einsatz sehen, Leidenschaft spüren und sich mit einer Mannschaft identifizieren können. Menschen merken sofort, ob jemand einfach nur sein Programm abspult oder wirklich mit dem Herzen dabei ist. Genau darin sprechen Fussball und Musik für mich dieselbe Sprache.
Sie gelten als besonders nahbarer Entertainer. Ist diese Nähe zum Publikum Teil Ihres Erfolgs?
Ich könnte gar nicht anders auftreten. Für mich stehen da nicht einfach irgendwelche anonymen Zuschauer vor der Bühne. Das sind Menschen, die sich Zeit nehmen, ein Ticket kaufen und mir ihre Aufmerksamkeit schenken. Dafür bin ich sehr dankbar. Und deshalb möchte ich, dass sie sich nicht nur als Zuschauer, sondern als Teil des Abends fühlen. Die schönsten Momente entstehen für mich oft genau dann, wenn diese Grenze zwischen Bühne und Publikum für einen Augenblick verschwindet – und plötzlich alle gemeinsam singen und feiern.
Was dürfen die über tausend Gäste in der Olmahalle 9.1 von Ihrem Auftritt erwarten?
Italienische Lebensfreude, bekannte Songs, ganz viel Energie und hoffentlich auch die eine oder andere Überraschung. Ich möchte dort nicht einfach mein Programm abliefern – ich möchte gemeinsam mit den Menschen feiern. Und bei einer Fussballgala darf es natürlich emotional, laut und ausgelassen werden. Wenn am Ende die ganze Halle singt und niemand mehr ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleibt, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Die Gala bringt Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Politik zusammen. Ist Fussball ein besonders guter gemeinsamer Nenner?
Absolut. Fussball schafft Verbindungen, die es in dieser Form nur selten gibt. Im Stadion fragen die Menschen nicht zuerst danach, welchen Beruf jemand hat, woher er kommt oder welche gesellschaftliche Stellung er hat. Sie jubeln gemeinsam, sie leiden gemeinsam und sie diskutieren miteinander. Natürlich kann Fussball manchmal auch trennen. Aber in seinen schönsten und besten Momenten bringt er Menschen zusammen. Und genau diese besondere Kraft nutzt ein Anlass wie die Nacht des Ostschweizer Fussballs.
Giovanni Zarrella wurde 1978 in Hechingen in Baden-Württemberg als Sohn italienischer Eltern geboren und wuchs zweisprachig auf. In seiner Jugend spielte er ambitioniert Fussball, unter anderem bei der AS Roma, beim VfB Stuttgart und beim SSV Reutlingen. Bekannt wurde er 2001 als Mitglied der Band Bro’Sis. Nach deren Ende baute er sich eine Solokarriere auf und feierte 2019 mit dem Album «La vita è bella» seinen grossen musikalischen Durchbruch. Seit 2021 moderiert er im ZDF die «Giovanni Zarrella Show». Für seine Arbeit erhielt Zarrella 2022 den Deutschen Fernsehpreis und 2023 den Bambi in der Kategorie Entertainment. Sein aktuelles Album trägt den Titel «Universo».
Giovanni Zarrella ist mit der Moderatorin Jana Ina Zarrella verheiratet und Vater zweier Kinder. Sein Sohn Gabriel spielt im Nachwuchs des VfB Stuttgart.
Die 14. Nacht des Ostschweizer Fussballs findet am Samstag, 24. Oktober 2026, in der Olmahalle 9.1 in St.Gallen statt. Die Gala zeichnet Persönlichkeiten und Mannschaften aus, die den Ostschweizer Fussball auf und neben dem Platz prägen. Gleichzeitig unterstützt der Anlass die Nachwuchsförderung von Future Champs Ostschweiz mit jährlich 100’000 Franken.
Durch den Abend führt Sportmoderator Lukas Studer. Neben Hauptact Giovanni Zarrella tritt die Ostschweizer Sängerin Amber Rae auf. Nach dem Dessertbuffet, der Verlosung und der Tombola folgt die After-Show-Party mit DJ Mirkolino.
Informationen und Tickets: www.fussballnacht.ch