Energieeffizienz macht Unternehmen krisenfester
Text: pd/stz.
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Schwankende Energiepreise, steigende CO₂-Kosten und wachsende Anforderungen aus den Lieferketten machen die Energieversorgung zur strategischen Aufgabe. Wer seinen Verbrauch kennt, Abhängigkeiten reduziert und Investitionen vorausschauend plant, kann seine wirtschaftliche Widerstandskraft stärken. Diese Verbindung zwischen Dekarbonisierung und unternehmerischem Erfolg stand im Zentrum der Veranstaltung von dekarbon mit act Cleantech Solutions, KEEST und carbon-connect.
Durch den Abend führte Christoph Lanter mit Humor und spürbarer Begeisterung. Andreas Rothen, Geschäftsführer von act Cleantech Solutions, unterstrich bei der Begrüssung den wirtschaftlichen Stellenwert des Themas: Der Übergang zu einer fossilfreien Wirtschaft sei zu einem zentralen Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Risikomanagement geworden. Gleichzeitig stelle die Elektrifizierung von Wärme, Mobilität und Industrie neue Anforderungen an die Stromversorgung.
Martin Schwab, Präsident des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE, CEO der CKW und Mitglied der Axpo-Konzernleitung, zeichnete dazu ein anspruchsvolles Zukunftsbild. In seiner Keynote «Haben wir genügend Strom für die Wirtschaft von morgen?» verwies er auf den VSE-Stromversorgungsindex. Dieser erreicht in der Prognose für 2050 lediglich 69 statt der angestrebten 100 Punkte. Der Index richtet den Blick insbesondere auf das kritische Winterhalbjahr. Aus Sicht des Verbands ist die langfristige Versorgungssicherheit unter den heutigen Voraussetzungen nicht gewährleistet.
Als zentrale Schwachstellen nannte Schwab den zu langsamen Ausbau der erneuerbaren Winterstromproduktion, Verzögerungen beim Netzausbau und drohende Einschränkungen beim Stromimport ohne geregeltes Abkommen mit der EU. Er plädierte dafür, die Förderung konsequent auf Winterstrom auszurichten und Speicherlösungen wie Grossbatterien und Pumpspeicher rascher einzubinden.
Auch Unternehmen seien gefordert. Schwab empfahl, Stromeinkäufe längerfristig zu planen und Preisrisiken abzusichern. Bei Photovoltaikanlagen gewinne die Abstimmung auf den eigenen Verbrauch an Bedeutung. In Verbindung mit Batteriespeichern lasse sich der selbst produzierte Strom gezielter im Betrieb nutzen.
Die kantonale Perspektive brachte Regierungsrat Walter Schönholzer ein
Er erläuterte die Revision des Thurgauer Energiegesetzes, die der Grosse Rat am 2. September beschlossen hat. Sie sieht unter anderem höhere Anforderungen beim Heizungsersatz und eine stärkere Nutzung des Solarpotenzials vor. Bei umfassenden Dachsanierungen sollen die betroffenen Flächen zur Eigenstromproduktion genutzt werden, soweit dies technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei Nicht-Wohnbauten gilt dies auch für umfassende Fassadensanierungen.
Florian Wissmann, Leiter des Amtes für Energie, stellte den Massnahmenplan Klima 2027–2031 vor. Für den dazugehörigen Rahmenkredit ist nach den am Anlass vorgestellten Planungen eine Volksabstimmung im Juni 2027 vorgesehen. Wissmann verwies zudem auf bereits bestehende Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen: von Energieberatungen über Effizienzprojekte bei Druckluft und Abwärme bis zu Machbarkeitsstudien für Netto-Null-Fahrpläne.
Wie sich ökologische Ziele in der industriellen Praxis umsetzen lassen, zeigte Aurelia Drenovac von der Nussbaum Matzingen AG. Das Verpackungsunternehmen produziert nach eigenen Angaben an drei Standorten jährlich rund 400 Millionen Aluminium-Aerosoldosen. Der betriebliche CO₂-Fussabdruck dient dabei als Grundlage, um Massnahmen zu beurteilen und Investitionen auszurichten.
Ein Beispiel ist «Nucan AluGreen PCR». Für diese Dosen verwendet Nussbaum ausschliesslich Aluminium aus gebrauchten Getränkedosen. Nach Unternehmensangaben lassen sich die CO₂-Emissionen des Aluminiums gegenüber der Herstellung von Primäraluminium mit Kohlestrom um bis zu 96 Prozent reduzieren. Die Einsparung bezieht sich damit auf den Materialvergleich.
Weitere Fortschritte soll die geplante Umstellung auf moderne UV-Härtungstechnologie bringen. Drenovac bezifferte das angestrebte Energieeinsparpotenzial in der Fertigung auf 65 Prozent. Photovoltaikanlagen an den Werken, Kunststoffrecycling sowie Angebote für eine umweltfreundlichere Mitarbeitermobilität ergänzen die Strategie.
Im anschliessenden Podiumsgespräch rückten Petra Roth von der Thurgauer Kantonalbank und David Dünnenberger vom KEEST die Herausforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen in den Mittelpunkt
Viele Betriebe müssen regulatorische Vorgaben, Nachhaltigkeitsanforderungen ihrer Kunden und volatile Energiekosten gleichzeitig bewältigen. Für die systematische Analyse fehlen im Tagesgeschäft jedoch häufig Zeit und eigene Fachkapazitäten.
Hier setzt die Impulsberatung «Betriebsoptimierung» an. KMU-Kunden der TKB erhalten eine für sie kostenlose Fachberatung samt Bericht im Wert von 1575 Franken. Das gemeinsam mit dem KEEST und dem Kanton Thurgau angebotene Programm richtet sich insbesondere an Betriebe mit rund zehn bis 250 Mitarbeitern. Die Fachleute analysieren den Energieverbrauch, schätzen die CO₂-Emissionen ab, identifizieren Einsparpotenziale und priorisieren geeignete Massnahmen.
Pascal Freudenreich, Gründer und Geschäftsführer von carbon-connect, stellte zum Abschluss die Plattform dekarbon.energy vor. Sie bündelt die Kompetenzen von KEEST, act Cleantech Solutions und carbon-connect. Das Angebot reicht von CO₂-Bilanzen, Klimastrategien und Netto-Null-Fahrplänen über ESG-Ratings und Nachhaltigkeitsberichte bis zur technischen Umsetzung konkreter Massnahmen. Dazu kommen die Einordnung regulatorischer Anforderungen sowie Unterstützung bei Finanzierungs- und Förderfragen.
Einen Einstieg bietet der «dekarbon-Radar». Ein kurzer Online-Fragebogen erfasst die betriebliche Ausgangslage. Darauf aufbauend erstellen Fachleute eine individuelle Auswertung und besprechen diese mit dem Unternehmen. Der Bericht zeigt relevante Anforderungen, mögliche Fördermittel und nächste Schritte auf. So sollen aus einer komplexen Ausgangslage konkrete Entscheidungen werden, die Energieverbrauch und Emissionen senken und den Betrieb wirtschaftlich stärken.