Für Sonderwünsche bittet der Thurgau Mäzene zur Kasse
Text: Christof Lampart
Trotz schwieriger Finanzlage zeigte sich der Chef des kantonalen Departements für Bau und Umwelt zuversichtlich, dass im laufenden Jahr einige grosse Projekte bezüglich Planung und Ausführung vorangetrieben werden könnten. Dabei vermied es der Magistrat jedoch meist, sich zeitlich genau festzulegen. Dafür seien die Finanzen des Kantons einfach zu angespannt, um bei vielen Projekten mehr als Absichtserklärungen abzugeben.
«Wir müssen bei unserer Planung knallhart priorisieren», erklärte Dominik Diezi und erläuterte am Beispiel der Kartause Ittingen, was auch für andere Projekte gilt, bei denen Dritte zusätzliche Bedürfnisse anmelden. «Die Sanierung in Ittingen stockt nicht, sondern ist für 20 Millionen Franken beschlossen. Wenn man aber noch einen unterirdischen Raum möchte, dann muss dieser über Dritte finanziert werden», forderte Diezi.
Hohe «provisorische» Kosten erwartet
Priorisiert werden als Bauvorhaben vom Kanton das Haftzellen-Provisorium im Kantonalgefängnis, die Erweiterung der Kantonsschule Romanshorn, die Sanierung und Erweiterung des Campus BBZ in Weinfelden sowie das Schiessausbildungszentrum Thurgau in Müllheim-Wigoltingen. Diese Bauten befinden sich in der Projektierung. Diezi machte jedoch klar, dass trotz vorgenommener Kostenoptimierungen auf den Kanton massive Kosten zukommen werden. Sowohl für die Kantonsschule Romanshorn als auch für den Campus BBZ seien «provisorisch» Kosten in der Höhe von 100 bis 110 Millionen Franken zu erwarten.
Dennoch könne man bei vielen Schulbauten jetzt nicht mehr länger zuwarten. «Allein der Campus BBZ Weinfelden ist heute an 15 Standorten eingemietet. Und die Schulen wachsen und sind gefordert. Wir müssen jetzt da vorwärts machen», so Dominik Diezi. Auch beim Strassenbau ist der Thurgau gefordert. «Wir haben fürs Jahr 2026 über 50 Strassenbauprojekte, die wir umsetzen. Das ist aber auch notwendig, denn viele Strassen sind schon in die Jahre gekommen», weiss Diezi.
Beim Brandschutz sieht Diezi den Thurgau gut gerüstet. Die bestehenden Regeln seien ausreichend. Woran es in Crans-Montana gefehlt habe, sei der Vollzug. Dennoch täten Kanton, Bauherren und Planer gut daran, sich grundsätzliche Gedanken zum Thema zu machen. «Wir sind herausgefordert, uns zu überlegen, was ein Kanton machen muss, wenn er die Oberaufsicht hat», so Dominik Diezi. Beim Brandschutz könne man sich keine Nachlässigkeit erlauben, «denn wenn es wirklich nicht gut kommt, dann haben wir die Katastrophe», so der Regierungsrat.
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Was wollen eigentlich die Gemeinden?
Vom Präsidenten des SIA Sektion Thurgau, Peter Dransfeld, Ermatingen, gefragt, was der Thurgau tun könne, damit er nicht zum Schlafkanton für Berufspendler im Raum St.Gallen–Konstanz–Winterthur–Zürich werde, erklärte Diezi, dass der Kanton zwar Entwicklungsschwerpunkte vorgebe, bei der Umsetzung jedoch nicht die Gemeinden übersteuern wolle.
«Die Gemeinden müssen sich überlegen, wie sie sich weiterentwickeln wollen», so Diezi. Doch selbst wenn man als Kanton bei einem Projekt wie Wil West erfolgreich seine Hausaufgaben gelöst habe, garantiere dies noch lange nicht den gewünschten Erfolg. «Bei uns ist alles auf Grün, aber wir müssen jetzt erst warten, wie sich der Kanton St.Gallen entscheiden wird», sagte Diezi.