Fatzer liefert Stahlseile für neues Stadion in Miami
Text: pd/red
Fatzer ist eine Tochtergesellschaft der Brugg Group und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter. Das Unternehmen wurde 1836 als Seilerei gegründet und ist heute auf hochfeste Stahlseile und komplexe Seilsysteme für Bauwerke mit hohen statischen Anforderungen spezialisiert. Der Auftrag in den USA zählt gemäss BILANZ zu den bedeutenderen internationalen Projekten des Unternehmens in jüngerer Zeit.
Technisch anspruchsvolle Dachkonstruktion
Das neue Stadion von Inter Miami entsteht auf einem rund 131 Hektaren grossen Areal und soll 25’000 Zuschauer fassen. Zentrales Element ist ein weit gespanntes Dach, das das gesamte Stadion überspannt und auch extremen Wetterereignissen wie Hurrikans standhalten muss.
Für diese Konstruktion liefert Fatzer insgesamt 536 Stahlseile mit Durchmessern zwischen 10 und 140 Millimetern. Das Gesamtgewicht der gelieferten Seile beträgt über 600 Tonnen. Erstmals kommt dabei ein 140-Millimeter-Seil in einer Dachkonstruktion dieser Grössenordnung zum Einsatz, wie Unternehmenssprecher David Jägle erklärt. Das stärkste dieser Seile besteht aus 488 Einzeldrähten, ist in 15 Lagen aufgebaut und hält einer Last von rund 2000 Tonnen stand. Allein die speziell entwickelten Endverbindungen sind über 1,5 Meter lang und wiegen mehr als eine Tonne.
«Obwohl wir regelmässig hochfeste Stahlseile für Stadiondächer liefern, ist dieses Projekt von der technischen Komplexität über die Dimensionen bis zur Logistik aussergewöhnlich», sagte Fatzer-CEO Martin Bechtold gegenüber der BILANZ.
Auch der Transport stellte hohe Anforderungen. Über 40 Lastwagen verliessen im Sommer das Werk in Romanshorn. Die Stahlseile wurden einzeln verpackt, dokumentiert und anschliessend per Seefracht sowie teilweise per Lufttransport nach Florida gebracht.
Auch interessant
Lieferung trotz hoher US-Zölle auf Stahl
Bemerkenswert ist der Auftrag auch vor dem Hintergrund der hohen US-Zölle auf Stahlseile und stahlbasierte Spezialprodukte. Diese betragen derzeit rund 50 Prozent. «Die Stahlzölle sind extrem hoch», sagte Sprecher David Jägle. Allerdings würden diese Zölle alle internationalen Anbieter betreffen, sodass kein spezifischer Wettbewerbsnachteil für Schweizer Unternehmen entstehe. Die zusätzlichen Kosten trage der Auftraggeber in den USA.
Langfristig stellten die Zölle dennoch eine erhebliche Herausforderung dar, hält Fatzer gemäss BILANZ fest. Für dieses Projekt habe jedoch die technologische Spezialisierung den Ausschlag gegeben. Für die geforderten Seilsysteme habe es keine gleichwertige Alternative gegeben.