Erdölpreise und Unsicherheit bremsen Ostschweizer Wirtschaft

Erdölpreise und Unsicherheit bremsen Ostschweizer Wirtschaft
Neben den höheren Energiepreisen bleiben auch der starke Franken und die US-Zölle ein Thema
Lesezeit: 3 Minuten

Die Ostschweizer Industrie blickt wieder vorsichtiger in die Zukunft. Wie die aktuelle Konjunktureinschätzung der St.Galler Kantonalbank zeigt, haben der Iran-Krieg, gestiegene Energiepreise und neue Risiken in den Lieferketten die Aussichten eingetrübt. Während die Exportindustrie unter Druck bleibt, stützt die Binnenwirtschaft die Region weiterhin. Besonders das Baugewerbe zeigt sich robust.

Text: pd/stz.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die exportorientierte Ostschweizer Industrie bleiben anspruchsvoll. Die Eskalation im Nahen Osten und insbesondere die Blockade der Strasse von Hormus erhöhen die Unsicherheit, verteuern gewisse Vorleistungen und verschärfen die Risiken entlang globaler Lieferketten. Die direkten Auswirkungen unterscheiden sich zwar stark je nach Branche und Unternehmen. Die indirekten Folgen treffen jedoch weite Teile der exportorientierten Industrie.

Besonders ins Gewicht fällt die schwächere Entwicklung der Weltwirtschaft. Deutschland, der wichtigste Absatzmarkt für viele Ostschweizer Industriefirmen, gehört zu jenen Ländern, die von hohen Energiepreisen besonders stark betroffen sind. Der zu Jahresbeginn erkennbare Aufschwung der deutschen Wirtschaft droht damit bereits wieder an Schwung zu verlieren. Das spüren auch Zulieferfirmen aus der Ostschweiz.

Hinzu kommt, dass Unternehmen in einem unsicheren Umfeld Investitionen vermehrt zurückstellen. Dies trifft insbesondere Hersteller von Investitionsgütern, die in der Ostschweizer Tech-Industrie stark vertreten sind. Die Geschäftslage der Ostschweizer Industrieunternehmen wird derzeit nur noch als knapp befriedigend beurteilt. Jeder zweite Betrieb bezeichnet seinen Auftragsbestand als zu klein. Vor allem die Tech-Industrie bleibt unter Druck.

Die unmittelbaren Auswirkungen der höheren Energiepreise und der gestörten Lieferketten fallen je nach Branche unterschiedlich aus. Besonders betroffen sein können energieintensive Firmen, etwa aus der chemischen Industrie oder der Metallerzeugung und -bearbeitung. Zwar machen diese in der Ostschweiz mit rund zwei Prozent der Gesamtbeschäftigung einen vergleichsweise kleinen Anteil aus. Je nach Energiequelle können für einzelne Unternehmen aber erhebliche Mehrkosten entstehen.

Auch längere Lieferfristen und die Verfügbarkeit von Vorprodukten rücken wieder stärker in den Fokus

Ostschweizer Unternehmen rechnen deshalb vermehrt mit steigenden Einkaufs- und Verkaufspreisen. Kurzfristig profitieren einzelne Industriebetriebe und Teile des exportnahen Grosshandels zwar von Vorholeffekten, weil Kunden aus Sorge vor möglichen Engpässen ihre Lagerbestände erhöhen. Dauerhaft kann dies die strukturellen Belastungen jedoch nicht ausgleichen.

Neben den höheren Energiepreisen bleiben auch der starke Franken und die US-Zölle ein Thema. Zwar sind die US-Zölle gegenüber ihren Höchstständen vom Herbst deutlich gesunken. Die handelspolitische Unsicherheit ist aber weiterhin hoch. Die Schweiz hat noch kein formales Abkommen mit den USA abgeschlossen. Zudem könnten höhere Zölle auf Fahrzeuge aus der EU indirekt auch Ostschweizer Zulieferfirmen treffen.

Stabiler präsentiert sich die Binnenwirtschaft. Sie bleibt eine wichtige Stütze der Ostschweizer Konjunktur. Allerdings hat auch hier die Dynamik etwas an Breite verloren. Im Detailhandel ist trotz stabilem Arbeitsmarkt und gestiegener Reallöhne eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Im Gastgewerbe haben sich sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen an die Sommersaison leicht eingetrübt. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich ausländische Feriengäste aufgrund der globalen Unsicherheit mit Buchungen zurückhalten.

Gleichzeitig ergeben sich daraus Chancen für die regionale Tourismus- und Gastgewerbebranche. Sollten Schweizer ihre Sommerferien vermehrt im Inland verbringen, könnte die Ostschweiz davon profitieren.

Besonders positiv bleibt die Lage im Baugewerbe. Bautätigkeit, Auftragsbestand und Auftragsreichweite liegen weiterhin auf hohem Niveau. Getragen wird diese Entwicklung insbesondere vom Wohnungsbau. Damit spricht vieles dafür, dass die Bauwirtschaft auch in den kommenden Monaten eine zentrale Stütze der Ostschweizer Konjunktur bleibt.

Die Ostschweizer Wirtschaft zeigt sich damit zweigeteilt: Während die exportorientierte Industrie mit Unsicherheit, höheren Kosten und schwächerer internationaler Nachfrage kämpft, sorgen Binnenwirtschaft und Baugewerbe weiterhin für Stabilität.