Kommentar

Edi Züger sah Chancen und packte an

Edi Züger sah Chancen und packte an
Edwin Züger (Mitte) mit seinen Söhnen Christof (links) und Markus bei einer Betriebsbesichtigung im Juni 2022. Bild: Ernst Inauen
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Mit Edwin «Edi» Züger verliert die Ostschweiz einen Unternehmer, der früh an die Zukunft des Schweizer Mozzarellas glaubte. Aus seiner Initiative entstand ein bedeutendes Familienunternehmen. Sein Tatendrang kam auch Käsereien in Lateinamerika zugute. Am 5. Oktober ist der Gründer der Züger Frischkäse AG im Alter von 90 Jahren gestorben. Eine persönliche Würdigung.

Text: Stephan Ziegler

OD  

Seine Söhne Markus und Christof bauten auf diesem Fundament weiter

Sie entwickelten das Sortiment, investierten in die Produktion und erschlossen Exportmärkte. 2003 ersetzte eine kontinuierliche Käsungsanlage die traditionellen Käsekessel; 2005 und 2006 begannen die Exporte nach Europa und Übersee. Zur Würdigung des Gründers gehört auch die Leistung jener Generation, die seine Idee weitertrug und in neue Grössenordnungen führte.

Wie weit dieser Weg geführt hat, zeigen die Zahlen, die Christof Züger im Juni 2026 bei einem öffentlichen Auftritt präsentierte: Die Züger Gruppe beschäftigte rund 450 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 400 Millionen Franken. Aus dem bescheidenen Produktionsbeginn war eine international tätige Unternehmensgruppe geworden.

Für die Ostschweiz bedeutet diese Entwicklung Arbeitsplätze, Ausbildungswissen und einen bedeutenden Absatzmarkt für die Landwirtschaft. Die Züger Frischkäse AG verarbeitet nach eigenen Angaben Milch von mehr als 400 Ostschweizer Bauernfamilien. Der wirtschaftliche Wert von Edis Initiative reicht damit weit über die Werkhallen in Oberbüren hinaus. Er ist auch auf den Höfen sichtbar, deren Milch dort zu Mozzarella, Hüttenkäse, Mascarpone und anderen Spezialitäten verarbeitet wird.

Das Unternehmen ist vollständig im Besitz der Familie geblieben. Christof Züger führt heute die Züger Gruppe, Markus ist Vizepräsident des Verwaltungsrates der Frischkäse AG. Deren operative Leitung liegt bei CEO Mario Breu. Das Lebenswerk des Gründers entwickelt sich unter neuen Verantwortlichkeiten weiter.

Edi begleitete diesen Weg auch im hohen Alter mit Interesse. Bei einer Betriebsbesichtigung im Juni 2022 sagte er: «Ich besuche noch jeden Tag mit Interesse den Betrieb». Seinen Söhnen wollte er dabei nicht hineinreden, denn «die machen das so gut». In diesen Worten liegen Freude am Geschaffenen und Vertrauen in die nächste Generation. Wer ein Unternehmen aufgebaut hat, muss Verantwortung auch weitergeben können. Edi fand dafür eine ebenso einfache wie grosszügige Formulierung.

Auch ausserhalb seiner Unternehmen übernahm er Verantwortung. Von 1984 bis 1995 stand er der Kirchenverwaltung der katholischen Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil vor. In diese Amtszeit fielen die Renovationen beider Kirchen. Während er unternehmerisch Neues aufbaute, setzte er sich zugleich für das gemeinschaftliche Leben vor Ort ein. Die katholische Kirche Uzwil hat dieses Engagement nach seinem Tod ausdrücklich gewürdigt.

Edwin Züger starb nach kurzer Krankheit. Er hinterlässt sechs Kinder mit ihren Familien und 19 Enkelkinder. Der Abschied von ihm gilt einem Vater und Grossvater ebenso wie einem Unternehmer, dessen Entscheidungen die wirtschaftliche Entwicklung der Region mitgeprägt haben.

Mir bleibt neben diesem Lebenswerk die Erinnerung an unseren gemeinsamen Spanischunterricht. Edi lernte eine Sprache, weil er etwas vorhatte, das anderen helfen sollte. So werde ich ihn in Erinnerung behalten: als einen Menschen, der Möglichkeiten erkannte und bereit war, selbst etwas dafür zu tun.

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