Gast-Kommentar

Der starke Franken als Fitnessprogramm für die Exportwirtschaft

Der starke Franken als Fitnessprogramm für die Exportwirtschaft
Michael Czarniecki
Lesezeit: 3 Minuten

Die Schweizerische Nationalbank hat in ihrer letzten Entscheidung am 18. Juni 2026 die Zinsen bei 0 Prozent belassen. Für exportorientierte Unternehmen scheint das eine gute Nachricht zu sein. Denn ein geringerer Aufwertungsdruck auf den Franken entlastet tendenziell die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Exporte. Zumindest kurzfristig.

Text: Michael Czarniecki

Langfristig stellt sich jedoch eine andere Frage: Entsteht Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich durch einen günstigen Wechselkurs?

Wettbewerbsfähig ist eine Volkswirtschaft dann, wenn ihre Unternehmen ihre Marktanteile im Ausland halten oder sogar ausbauen können. Ein schwächerer Franken hilft dabei, weil Schweizer Produkte für ausländische Kunden günstiger werden. Langfristig aber lassen sich Exportanteile nur sichern, wenn Unternehmen produktiver werden als ihre internationalen Wettbewerber.

Genau hier entfaltet ein starker Franken seine Wirkung.

Ein starker Franken erhöht die Anforderungen an exportorientierte Unternehmen. Wer unter diesen Bedingungen nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren kann, reduziert seine Aktivitäten oder verschwindet ganz vom Markt. Damit werden Produktionsfaktoren frei: Fachkräfte, Kapital, Boden und Wissen.

Diese Ressourcen verschwinden nicht. Sie werden von Unternehmen übernommen, die auch unter den Bedingungen eines starken Frankens erfolgreich sind. In der Sprache des Ökonomen Joseph Schumpeter entstehen «neue Kombinationen von Produktionsfaktoren». Die Volkswirtschaft wird produktiver, weil knappe Ressourcen dorthin wandern, wo sie den höchsten Wert schaffen.

Hinzu kommt ein zweiter Mechanismus. Ein starker Franken erhöht die internationale Kaufkraft der Schweizer Wirtschaft. Maschinen, Software und technologische Ausrüstung aus dem Ausland werden günstiger. Besonders interessant wird dieser Zusammenhang mit Blick auf die Robotik.

In unserer Umfrage unter 200 Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern Schweizer Unternehmen gaben die Befragten an, dass sie mittelfristig bis zu 50 Prozent ihrer heutigen Arbeitsplätze durch Robotik und Automatisierung ersetzen würden, sofern entsprechende Systeme wirtschaftlich verfügbar wären. Für ein Hochlohnland wie die Schweiz könnte dies zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Eine starke Währung ermöglicht es, solche Technologien günstiger zu importieren und schneller einzusetzen als viele internationale Konkurrenten. Selbst wenn Robotiklösungen in der Schweiz entwickelt werden, beruhen sie häufig auf international beschafften Vorleistungen wie Elektronikkomponenten, Software oder spezialisierten Fachkräften, deren Kosten durch einen starken Franken relativ sinken.

Der starke Franken wirkt somit über zwei Kanäle auf die Produktivität: Erstens durch die «Re-allokation von Produktionsfaktoren» zu produktiveren Unternehmen. Zweitens durch eine höhere Kaufkraft bei Investitionen in neue Technologien.

Die aktuelle Diskussion über den Franken erinnert daran, dass Wechselkurse mehr sind als bloss ein Kostenfaktor für Exporteure. Kurzfristig stärkt eine schwächere Währung die Wettbewerbsfähigkeit. Langfristig stärkt eine stärkere Währung die Produktivität. Und Produktivität ist letztlich die nachhaltigste Quelle von Wettbewerbsfähigkeit.

Wer internationale Märkte erfolgreich bearbeiten will, muss solche Zusammenhänge verstehen. Wie positionieren sich Unternehmen in attraktiven Branchen? Wo entstehen die Wachstumsmärkte von morgen? Wie hängen Zahlungsbilanz, Wettbewerbsfähigkeit, Wechselkurse und Zinspolitik zusammen?

Mit genau diesen Fragestellungen beschäftigt sich der «CAS Internationale Wirtschaft» der OST. Der Lehrgang richtet sich insbesondere an Führungskräfte und Unternehmer exportorientierter Unternehmen, die internationale Entwicklungen besser verstehen und daraus fundierte strategische Entscheidungen ableiten möchten.

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