Ostschweiz

Cyberrisiken unterschätzt: Digital Conference Ostschweiz 2026 trifft den Nerv der Zeit

Cyberrisiken unterschätzt: Digital Conference Ostschweiz 2026 trifft den Nerv der Zeit
Am 8. September treffen sich im Einstein Congress St.Gallen rund 300 Vertreter aus Wirtschaft, Technologie, Forschung und öffentlicher Hand
Lesezeit: 4 Minuten

Fast jeder zweite befragte Mitarbeiter eines Schweizer KMU hat innerhalb von drei Monaten einen ernsten Cybervorfall im eigenen Unternehmen erlebt. Trotzdem hält nur gut jeder Fünfte das eigene Cyberrisiko für hoch. Eine neue Deloitte-Studie zeigt damit wenige Wochen vor der Digital Conference Ostschweiz, wie dringlich deren diesjähriges Thema ist: Am 8. September dreht sich im Einstein Congress St.Gallen alles um die Frage «Cybersecurity trifft KI – Risiko oder Chance?».

Text: stz.

Treffender könnte das Timing kaum sein. Am 20. August hat Deloitte Schweiz seine neue Studie «Unterschätzt, ungeschützt, unterversichert: KMU-Cyberrisiken in der Schweiz» veröffentlicht. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Cyberangriffe gehören für Schweizer Unternehmen längst zum Geschäftsalltag – doch Risikobewusstsein und Schutzmassnahmen halten mit der Bedrohung nicht Schritt.

49 Prozent der befragten Mitarbeiter geben an, in den vergangenen drei Monaten einen ernsten Cybervorfall bei ihrem Arbeitgeber erlebt zu haben. Gleichzeitig schätzen lediglich 22 Prozent das Cyberrisiko des eigenen Unternehmens als hoch ein.

Bei Mikrounternehmen ist diese Wahrnehmungslücke noch ausgeprägter: 38 Prozent der Befragten berichten dort von einem Vorfall, aber nur 15 Prozent gehen von einem hohen eigenen Risiko aus.

Damit liefert die Studie wenige Wochen vor der Digital Conference Ostschweiz eine aktuelle Bestätigung für die Themenwahl der diesjährigen Veranstaltung.

KI beschleunigt auch die Angreifer

Deloitte warnt ausdrücklich davor, dass künstliche Intelligenz die Cyberbedrohung weiter verschärft. Angriffe werden schneller, intelligenter und mit geringem Aufwand skalierbar. Automatisierte Phishing-Kampagnen, kompromittierte Zugangsdaten und manipulierte Zahlungsprozesse können dadurch auch kleine Unternehmen mit vergleichsweise begrenzten Ressourcen treffen.

Am häufigsten begegnen Schweizer KMU Phishing-Angriffen. 25 Prozent der Befragten haben solche Attacken wahrgenommen – unabhängig von der Unternehmensgrösse.

Gleichzeitig zeigt der von Deloitte entwickelte KMU-Cybersicherheitsindex erhebliche Lücken beim Grundschutz. Im Durchschnitt erreichen die Unternehmen lediglich 58 von 100 möglichen Punkten. Multi-Faktor-Authentifizierung ist erst bei 66 Prozent umgesetzt, passwortlose Authentifizierung und Single Sign-On sogar nur bei jeweils 45 Prozent.

Genau die Verbindung von neuen technologischen Möglichkeiten und neuen Risiken steht im Zentrum der DCONO 2026.

Personaltag 26  
Henriette Engbersen, Bigna Silberschmidt, Richard David Precht, Beat Tinner, Anna-Lena Horlemann und Jill Wick
Henriette Engbersen, Bigna Silberschmidt, Richard David Precht, Beat Tinner, Anna-Lena Horlemann und Jill Wick

Wenn der Mensch zum Angriffsziel wird

Besondere Aktualität erhält damit die Keynote von Jill Wick. Die Wirtschaftspsychologin und Security-Awareness-Expertin beschäftigt sich mit der Frage, weshalb Menschen trotz technischer Schutzsysteme zum entscheidenden Einfallstor werden können.

Social Engineering nutzt nicht primär Sicherheitslücken in einer Software, sondern Vertrauen, Zeitdruck, Hilfsbereitschaft oder Autorität. Mit generativer KI lassen sich solche Angriffe heute professioneller und in grossem Umfang personalisieren.

Damit wird Cybersicherheit immer stärker auch zur Führungs- und Kulturfrage. Unternehmen müssen nicht nur ihre Systeme schützen, sondern ihre Mitarbeiter befähigen, Manipulationsversuche zu erkennen und im Ernstfall richtig zu reagieren.

Von Prompt Injection bis Cyber Resilience

Auch die interaktiven Breakout-Sessions der Digital Conference greifen Fragen auf, die durch die Deloitte-Ergebnisse zusätzliche Brisanz erhalten.

Sylvain Luiset, Head of Cyber Resilience Consulting Switzerland bei Zurich Insurance, zeigt, wie Cybersecurity vom reinen Kosten- und Risikothema zum Business-Enabler werden kann. Christian Loser und Benedict Vuilleumier von Acreo Consulting beschäftigen sich mit der Gratwanderung zwischen KI-Geschwindigkeit und Compliance.

Hanspeter Pfändler von MAIT Swiss widmet sich datenbasierten Geschäftsmodellen und der Skalierung mit KI. Daniel Riedener, Head Cyber Security der Ceruno AG, nimmt die Sicherheit von KI-Modellen und das Thema Prompt Injection unter die Lupe. Yannik Brühl von Arctic Wolf wiederum beleuchtet das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und dem Faktor Mensch.

Damit reicht die Diskussion bewusst über klassische IT-Sicherheit hinaus. Die Frage lautet nicht mehr nur, wie sich ein Unternehmen gegen Hacker schützt, sondern wie es neue Technologien nutzen kann, ohne neue Verwundbarkeiten zu schaffen.

DCONO 2026  Tag der Lernenden St.Gallen  

Nur 11,5 Prozent sind cyberversichert

Wie gross der Handlungsbedarf ist, zeigt ein weiterer Wert der Deloitte-Studie: Gemäss Zahlen des Schweizerischen Versicherungsverbandes verfügen lediglich 72'000 beziehungsweise 11,5 Prozent der in der Schweiz domizilierten Unternehmen über eine Cyberversicherung.

Besonders gross ist die Lücke bei Mikro- und Kleinunternehmen. Ausgerechnet sie können von einem erfolgreichen Angriff besonders hart getroffen werden, weil Betriebsunterbrüche, Datenverluste oder finanzielle Schäden gemessen am Umsatz wesentlich stärker ins Gewicht fallen können.

Die Studie stellt deshalb einen Zusammenhang zwischen Risikowahrnehmung, technischen Schutzmassnahmen, organisatorischer Vorbereitung und Versicherungsschutz her. Cyberresilienz entsteht nicht mit einer einzelnen Softwarelösung.

Vom Quantencomputer bis zur Desinformation

Die Digital Conference Ostschweiz 2026 erweitert diesen Blick nochmals. Anna-Lena Horlemann, Professorin für theoretische Informatik und Mathematik an der HSG, beschäftigt sich mit Post-Quantum-Kryptographie und der Frage, wie sich Unternehmen auf eine Zeit vorbereiten können, in der Quantencomputer heutige Verschlüsselungsverfahren herausfordern.

Henriette Engbersen bringt mit Desinformation und Fake News eine weitere Dimension digitaler Resilienz auf die Bühne. Special Guest Richard David Precht wiederum richtet den Blick auf die grösseren gesellschaftlichen Folgen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.

Damit verbindet die Konferenz konkrete Sicherheitsfragen aus dem Unternehmensalltag mit technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Cybersicherheit wird zur Managementaufgabe

Die zentrale Schlussfolgerung der Deloitte-Studie lautet, dass Cybersicherheit im KI-Zeitalter zu einem Wettbewerbs- und Resilienzfaktor wird. Genau hier setzt die Digital Conference Ostschweiz an.

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