Die nächste Ausgabe von «Wirtschaft in der Wirtschaft» findet am 28. April 2026 im Hof zu Wil statt. Zu Gast ist Jenny Schäpper-Uster. Thema ist die Frage «Wie macht Arbeit glücklich?».Tickets sind unter www.wirtschaft-in-der-wirtschaft.ch erhältlich.
Bürokratie frisst Freiheit
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Text: stz.
Die sechste Ausgabe von «Wirtschaft in der Wirtschaft» machte Halt im Restaurant Freihof in Gossau. Das Format von Christoph Lanter und Mathias Binswanger bringt wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen in lockerer Gaststuben-Atmosphäre zur Diskussion. Als Gast nahm Stadtpräsident Wolfgang Giella teil.
Auf die Einstiegsfrage, ob er ein überzeugter Bürokrat sei, antwortete Giella mit einem ironischen «Ja». Als Verwaltungschef müsse er Bürokratie bejahen, verwies er auf deren ursprüngliche Bedeutung. Problematisch sei nicht Bürokratie an sich, sondern ein überbordender Bürokratismus mit immer mehr Regeln und Verfahren. «Die Autonomie hat massiv abgenommen», stellte Giella mit Blick auf seine achtjährige Amtszeit fest. Der Handlungsspielraum der Gemeinden sei heute stark eingeschränkt.
Mathias Binswanger ordnete diese Entwicklung volkswirtschaftlich ein. Bürokratie sei ein fester Bestandteil moderner Wirtschaftssysteme. Als Treiber nannte er die zunehmende Komplexität, steigende Sicherheitsanforderungen und einen wachsenden Optimierungsdruck mit immer mehr Kennzahlen und Kontrollen. Daraus sei eine wirkungsvolle Controlling-Bürokratie entstanden.
Diese Absicherungsmentalität führe dazu, dass Fehler um jeden Preis vermieden werden sollen. «Hauptsache, man kann mir keinen Fehler vorwerfen», sei vielerorts zum Leitprinzip geworden. Mut und Innovation blieben dabei oft auf der Strecke. Giella bestätigte eine deutliche Zunahme von Einsprachen und Klagen. Mehr Vertrauen der Bürger sei Voraussetzung, um den Aufwand zu reduzieren.
Am Beispiel der Ortsplanungsrevision in Gossau zeigte Giella die praktischen Folgen. Rund 200 Eingaben aus Mitwirkungsverfahren mussten geprüft und beantwortet werden. Die Mitwirkung sei grundsätzlich sinnvoll, der Aufwand jedoch enorm. Binswanger sprach von einer gut gemeinten Idee, deren Nutzen in der Praxis häufig in keinem Verhältnis zum Aufwand stehe.
Der Anlass wurde von Cronberg und HIG Gossau unterstützt; der LEADER begleitete die Veranstaltung als Medienpartner.
