Man kauft Partner-Level und bekommt grosse Teams junger, ambitionierter Berater. Man erhält strukturierte Frameworks, internationale Benchmarks und perfekt designte Präsentationen. Doch wenn es um die Umsetzung geht – um harte Entscheidungen, kulturelle Widerstände, operative Exzellenz im Werk oder im Vertrieb – bleibt die Verantwortung im eigenen Haus. Die Rechnung kommt trotzdem.
Viele Konzepte wirken austauschbar. Standardisierte Modelle, die auf jedes Unternehmen passen sollen – und am Ende zu keinem wirklich passen. In hochspezialisierten Themen wie KI-Implementierung oder Advanced Manufacturing sind fokussierte Management-Boutiquen, die alles aus einer Hand anbieten, näher an der Realität. Und wer gleichzeitig prüft, berät und implementiert, bewegt sich zumindest in einem Spannungsfeld, das Governance-Fragen aufwirft.
Noch unbequemer ist eine andere Beobachtung: Manchmal wird Beratung nicht eingekauft, um die beste Lösung zu finden, sondern um persönliche Risiken zu minimieren. Das berühmte «Die Beratung hat das empfohlen» ersetzt dann unternehmerische Verantwortung. Eine «Save my Ass»-Mentalität im Board ist menschlich. Aber sie ist kein Wettbewerbsvorteil.
Natürlich gibt es Situationen, in denen grosse Beratungshäuser Sinn machen. Bei M&A-Transaktionen in kapitalmarktnahen Prozessen schafft externe Validierung Vertrauen. Ein renommiertes Label kann Investoren beruhigen und Reputation stiften. Das ist legitim.
Doch die eigentliche Kernfrage für einen CEO lautet nicht: Strategie oder Folien?
Sie lautet: Haben wir die Execution-Fähigkeit im eigenen Haus? Sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen? Geht es uns um politische Absicherung oder um echte Veränderung?
Operative Prozessoptimierung im Werk, digitale Produktinnovation, Kulturwandel oder schnelle Turnarounds im Mittelstand brauchen Pragmatismus, Präsenz und Tempo. Keine 120 Slides, sondern Menschen, die mit anpacken, Verantwortung übernehmen und messbare Resultate liefern. Ich kaufe keine Beruhigung. Ich kaufe Wirkung.
Denn am Ende zählt nicht, wer die schönsten Folien hatte, sondern wer geliefert hat.