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Die Schlüsselpositionen entscheiden über die Zukunft

Die Schlüsselpositionen entscheiden über die Zukunft
Beat Ulrich
Lesezeit: 4 Minuten

Die Besetzung von Schlüsselpositionen wird für Unternehmen immer anspruchsvoller. Geoökonomische Verschiebungen, die KI-Transformation und steigende Anforderungen an Führungsgremien verlangen nach einer strategischen Betrachtung. Beat Ulrich, Senior Management Consultant bei Nellen & Partner AG in St.Gallen, erklärt, warum eine Vakanz in der Geschäftsleitung oder im Verwaltungsrat nicht einfach geschlossen, sondern als Chance für die Zukunft genutzt werden sollte.

«Die Besetzung einer strategischen Schlüsselposition ist weit mehr als eine Personalentscheidung. Sie ist eine unternehmerische Weichenstellung, die den Erfolg einer Organisation über Jahre hinweg prägen kann», sagt Beat Ulrich. Ein personeller Wechsel biete Unternehmen die Gelegenheit, ihre strategische Ausrichtung zu überprüfen. Denn nicht immer ist ein möglichst ähnlicher Nachfolger die beste Lösung. Mitunter verlangt die künftige Entwicklung bewusst nach einem anderen Profil, neuen Kompetenzen oder zusätzlichen Erfahrungen.

«Die erste Frage sollte also nicht lauten: Wer kann die bisherige Person ersetzen? Entscheidend ist vielmehr: Welche Persönlichkeit und welche Kompetenzen benötigt das Unternehmen, um seine Ziele in einer sich verändernden Wirtschaftswelt zu erreichen?», so Ulrich.

Bevor die eigentliche Suche beginnt, sollten deshalb die Ausgangslage und die künftigen Herausforderungen sorgfältig analysiert werden. Welche Kompetenzen sind im Führungsgremium bereits vorhanden? Wo bestehen Lücken? Welche Veränderungen stehen im Markt, in der Branche oder im Unternehmen bevor? Und welche Persönlichkeit passt nicht nur fachlich, sondern auch kulturell zur Organisation?

«Eine Neubesetzung soll ein starker Impuls für das gesamte Unternehmen sein. Diese Chance wird vergeben, wenn lediglich das bestehende Stellenprofil übernommen und nach einer möglichst ähnlichen Person gesucht wird.»

«Erfolgreich ist man nicht allein. Gerade wenn die Welt komplexer wird, lassen sich Schlüsselentscheidungen besser in Zusammenarbeit meistern», fasst es Beat Ulrich zusammen.

Neue Entwicklungen verändern die Anforderungen

Die Erwartungen an Mitglieder von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Internationale Spannungen, geoökonomische Verschiebungen, regulatorische Anforderungen, der Fachkräftemangel und die digitale Transformation beeinflussen die strategische Ausrichtung vieler Unternehmen.

Besondere Bedeutung kommt auch der künstlichen Intelligenz zu. Sie verändert Geschäftsmodelle, Prozesse und ganze Berufsbilder. «Führungskräfte müssen die damit verbundenen Chancen und Risiken beurteilen und die notwendigen Veränderungen im Unternehmen anstossen können», gibt Beat Ulrich zu bedenken.

Dabei gehe es nicht darum, für jede Position einen ausgewiesenen KI-Spezialisten zu suchen. Führungskräfte und Verwaltungsräte müssten jedoch verstehen, welche Auswirkungen neue Technologien auf das eigene Geschäftsmodell, die Organisation, die Governance und die Mitarbeiter haben.

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Weshalb externe Begleitung an Bedeutung gewinnt

Die zunehmende Komplexität ist ein wichtiger Grund, weshalb Unternehmen bei der Besetzung von Schlüsselpositionen häufiger auf externe Unterstützung setzen. Eine Executive-Search-Boutique bringe neben einem zusätzlichen Netzwerk auch Erfahrung, Marktkenntnis, Vergleichsmöglichkeiten und einen unabhängigen Blick in den Prozess ein, so Ulrich.

Interne Personalabteilungen verfügten in der Regel über umfassende Kenntnisse des Unternehmens und seiner Kultur. Die Suche nach Mitgliedern der Geschäftsleitung oder des Verwaltungsrats gehöre jedoch oft nicht zu ihrem Tagesgeschäft. Zudem sei es für interne Stellen anspruchsvoll, «Kandidaten für höchste Führungsfunktionen auf Augenhöhe alleine zu beurteilen und kritisch zu hinterfragen».

Die Leistungen eines externen Partners beginnen idealerweise bereits vor der eigentlichen Suche: Eine strukturelle Vorabanalyse kann aufzeigen, wie eine Geschäftsleitung oder ein Verwaltungsrat aufgestellt ist, welche Kompetenzen vorhanden sind und wo Ergänzungsbedarf besteht.

«Ein klares Anforderungsprofil entsteht wie gesagt nicht allein aus einer Stellenbeschreibung. Es muss aus der Strategie, der Unternehmenskultur und den bevorstehenden Herausforderungen abgeleitet werden. Erst wenn diese Grundlagen geklärt sind, kann gezielt nach der richtigen Persönlichkeit gesucht werden», skizziert Ulrich den Prozess.

«Ein Verwaltungsrat sollte nicht danach ergänzt werden, wen die bisherigen Mitglieder bereits kennen.»

Zugang zu nicht aktiv suchenden Kandidaten

Gerade bei anspruchsvollen Führungspositionen genügt eine öffentliche Ausschreibung häufig nicht; viele geeignete Kandidaten sind erfolgreich in einer bestehenden Funktion tätig und befinden sich nicht aktiv auf Stellensuche. Sie müssen gezielt identifiziert und persönlich angesprochen werden.

«Bei hochqualifizierten Positionen entscheidet der Zugang zu Persönlichkeiten, die über klassische Suchwege kaum erreichbar sind. Ein grosses Netzwerk allein reicht allerdings nicht. Ebenso wichtig sind eine präzise Ansprache, Diskretion und das Verständnis dafür, was einen möglichen Wechsel für die angesprochene Person attraktiv macht», erläutert Beat Ulrich.

Moderne Suchformen erhöhen zwar die Reichweite, ersetzen aber nicht die persönliche Beurteilung. Fachliche Qualifikationen lassen sich vergleichsweise gut überprüfen. Schwieriger ist die Frage, ob eine Persönlichkeit zur Kultur, zur Eigentümerstruktur und zur konkreten Situation eines Unternehmens passt. «Das lehrt einen nur die Erfahrung, ebenso wie die Einschätzung, wie eine Person mit den dynamischen Veränderungen in der Welt umgehen kann.»

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Unabhängigkeit schafft Vertrauen

Auch bei der Besetzung von Verwaltungsratsmandaten gewinnt eine unabhängige Begleitung an Bedeutung. Sie sorgt dafür, dass der Prozess strukturiert, nachvollziehbar und nach klar definierten Kriterien durchgeführt wird. Gleichzeitig hilft sie, persönliche Präferenzen oder bestehende Netzwerke kritisch zu hinterfragen.

«Ein Verwaltungsrat sollte nicht allein danach ergänzt werden, wen die bisherigen Mitglieder bereits kennen. Entscheidend ist, welche Kompetenzen das Gremium als Ganzes benötigt. Ein unabhängiger Prozess vergrössert das Kandidatenfeld und erhöht die Qualität der Entscheidung.» Gerade auch aus Compliance- und Vertrauensgründen empfiehlt Ulrich eine unabhängige Begleitung.

Je komplexer das Umfeld wird, desto wichtiger werden Erfahrung, unterschiedliche Perspektiven und ein strukturierter Auswahlprozess. Eine externe Begleitung kann Unternehmen dabei unterstützen, nicht nur eine fachlich qualifizierte, sondern eine strategisch und menschlich passende Persönlichkeit zu finden, ohne auf bestehende Verflechtungen oder Verpflichtungen Rücksicht nehmen zu müssen.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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