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«Wir übersetzen Wissen in Handlungsoptionen»

«Wir übersetzen Wissen in Handlungsoptionen»
Matthias Mölleney
Lesezeit: 4 Minuten

Der Think Tank Thurgau will Impulse für den Wirtschaftsstandort liefern, indem er Entwicklungen früh erkennt und für den Kanton nutzbar macht. Stiftungsratspräsident Matthias Mölleney weiss, wie Unternehmen davon konkret profitieren.

Matthias Mölleney, was tut der Think Tank Thurgau konkret für den Wirtschaftsstandort Thurgau?
Er bringt Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft systematisch zusammen, und zwar entlang eines klar strukturierten Jahreszyklus. Wir wählen jedes Jahr ein zentrales Zukunftsthema, bearbeiten es am Wissenschaftskongress, vertiefen es in Talks und machen es im TTT-Forum konkret nutzbar. Unser Beitrag besteht darin, relevante Entwicklungen früh zu erkennen, sie einzuordnen und daraus Orientierung für den Thurgau abzuleiten. Die persönlichen Begegnungen fördern das Verständnis zwischen den Akteuren und führen oft auch zu konkreten Kooperationen.

Wie profitieren Unternehmen im Kanton von Ihrer Arbeit über den reinen Austausch hinaus?
Der Mehrwert liegt aus unserer Sicht in der Übersetzung von Wissen in Handlungsoptionen. Wir achten bewusst darauf, dass unsere Formate nicht bei Diskussionen stehen bleiben, sondern konkrete Implikationen für Unternehmen sichtbar werden, sei es durch Praxisbeispiele, durch den Einbezug von Unternehmen in unsere Veranstaltungen oder durch die gezielte Aufbereitung der Erkenntnisse für den Thurgau. Unternehmen erhalten damit nicht nur Inspiration, sondern, wo möglich, auch Orientierung für strategische Entscheidungen.

Wie sorgen Sie dafür, dass aus dem Wissenschaftskongress nicht nur Diskussionen, sondern nutzbare Impulse für Wirtschaft und Standortentwicklung entstehen?
Das ist unser besonderes Anliegen. Der Wissenschaftskongress ist bewusst nur der Start. Die Erkenntnisse werden anschliessend im TTT-Forum weiterbearbeitet, in dem die Übertragbarkeit auf den Thurgau im Zentrum steht und die Teilnehmenden aktiv eingebunden werden. Ergänzend greifen wir die Themen in vertiefenden TTT-Talks und in unserem zweiwöchigen Newsletter auf. So entsteht ein kontinuierlicher Transfer vom Denken ins Handeln. Die Mitglieder des Stiftungsrats sind zudem alle auch in verschiedenen weiteren Funktionen tätig und bringen die Anliegen und Ideen dort auch ganz direkt ein.

Welche Projekte oder Formate haben der Wirtschaft im Kanton zuletzt den grössten Nutzen gebracht?
Beim Thema des Wissenschaftskongresses 2025 «Klimaneutrales Bauen und Sanieren» wurde sichtbar, dass viele Lösungen bereits existieren und die Herausforderung in der Umsetzung liegt. 2024 befassten wir uns mit Bildung und Künstlicher Intelligenz, einem Thema, das auch für die Wirtschaft sehr relevant ist, beispielsweise bei der Entwicklung von neuen Lernformaten in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.

Kermi  Unternehmertag Vaduz  

Was bringt Ihre Arbeit speziell den vielen KMU im Thurgau?
KMU profitieren vor allem von komprimierter Orientierungshilfe in einer zunehmend komplexen Welt. Sie haben oft nicht die Ressourcen, sich systematisch mit Zukunftsthemen auseinanderzusetzen. Deswegen setzen wir hier an. Wir bündeln relevante Entwicklungen, zeigen konkrete Beispiele und ermöglichen den Austausch mit anderen Akteuren. Damit helfen wir KMU, frühzeitig Chancen zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Zukunftsthemen für den Wirtschaftsstandort Thurgau?
Die Themen wechseln, aber die Logik bleibt. Es geht immer um Transformationen mit langfristiger Wirkung. Aktuell sehen wir insbesondere Nachhaltigkeit und klimaneutrale Wirtschaft, Künstliche Intelligenz und deren Auswirkungen auf Arbeit und Bildung, Fachkräftemangel und demografische Entwicklung sowie die Zusammenarbeit über Organisations- und Branchengrenzen hinweg. Diese Themen sind nicht isoliert zu betrachten. 

Sondern?
Sie verstärken sich gegenseitig. Für 2026 haben wir uns ein Thema ausgewählt, von dem wir auch eine grosse Resonanz erwarten: «Liebi, Sex und Öpfelbömm – Beziehungen im 21. Jahrhundert». Gerade persönliche Beziehungen spielen im Hinblick auf psychische Gesundheit und Stabilität eine zentrale Rolle, was für berufliches Engagement relevant ist.

Welche Rolle spielt der TTT dabei, dass der Kanton für innovative Unternehmen attraktiv bleibt?
Attraktivität entsteht nicht nur durch Infrastruktur oder Steuern, sondern durch Denkräume und Zukunftsfähigkeit. Der Think Tank trägt genau zu diesen Denkräumen bei. Wir bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen, fördern den Dialog und stärken damit die Innovationskultur im Kanton. Zudem zeigen wir auf, dass im Thurgau bereits viele spannende Ansätze vorhanden sind, und machen diese sichtbar.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Zum Beispiel beim Jugendwettbewerb, den ich jedes Jahr wieder ganz besonders faszinierend finde: Es müsste viel bekannter gemacht werden, welche sensationellen Leistungen in einigen der Thurgauer Maturaarbeiten gezeigt werden. Ein komplett selbst geschriebenes, komponiertes und performtes Musical, ein innovativer Ansatz für das Bestäuben von Obstbäumen oder ein Dokumentarfilm, der sogar an den Solothurner Filmtagen ausgezeichnet wurde, sind nur drei Beispiele, die aufzeigen sollen, welches Niveau wir im Thurgau vorweisen können.

Woran erkennen Sie, dass Ihre Arbeit Wirkung zeigt?
Wirkung zeigt sich nicht in einzelnen Projekten, sondern im Gesamtsystem. Wir sehen sie unter anderem daran, dass unsere Themen in Wirtschaft und Politik aufgegriffen werden, sich die Netzwerke zwischen den Akteuren verdichten, unsere Veranstaltungen stabil gut besucht sind und die Resonanz in Medien und Öffentlichkeit wächst. Nicht zuletzt zeigt sich Wirkung auch daran, dass wir seit Jahren einen konstanten Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis im Thurgau etablieren konnten und dieser zunehmend genutzt wird.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Rebekka Grossglauser

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