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Wie das Wirtschafts-PortalOst die Region Wil aus dem Schatten geholt hat

Wie das Wirtschafts-PortalOst die Region Wil aus dem Schatten geholt hat
Robert Stadler
Lesezeit: 4 Minuten

Die Grossregion Wil zählt zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der Ostschweiz, bleibt aber in ihrer Wahrnehmung oft unter dem Radar. Mit dem WirtschaftsPortalOst hat sich in den vergangenen Jahren eine Plattform etabliert, die Unternehmen, Gemeinden und Institutionen über Kantonsgrenzen hinweg zusammenbringt. Was kann ein solches Netzwerk leisten und wie die Region weiterentwickeln? WPO-Geschäftsführer Robert Stadler kennt die Antworten.

Robert Stadler, wie geht es der Wirtschaftsregion Wil, ist sie auf Kurs oder unter Druck?
Unsere Region hat überdurchschnittlich viele Unternehmen aus der MEM-Industrie. Gerade diese exportabhängigen Branchen stehen unter Druck und spüren die globalen Unsicherheiten besonders. Insgesamt ist unsere Wirtschaft aber breit diversifiziert, was Stabilität bringt.

Sie haben das WirtschaftsPortalOst seit 2019 mit aufgebaut. Was hat sich in dieser Zeit für die Region verändert?
Die Region ist stärker zusammengewachsen, insbesondere zwischen dem Thurgauer und dem St.Galler Teil unserer Region. Das Bewusstsein, dass viele Herausforderungen gemeinsam besser angegangen werden können, ist gestiegen. Der Stolz auf die Leistungen und Stärken der Region hat zugenommen.

Die Region Wil ist wirtschaftlich stark, aber auch fragmentiert über Kantonsgrenzen hinweg. Ist diese Vielfalt Stärke oder strukturelle Schwäche?
Jede Medaille hat zwei Seiten. Die Frage ist, wie stark man sie zum Glänzen bringt beziehungsweise wie man vermeintliche Schwächen zu einer Stärke macht. Ich erlebe die Vielfalt vor allem als Stärke, weil man mehr voneinander lernen kann. Zudem bringt sie Stabilität, macht aber eine klare Profilierung schwieriger. Das war einer der wichtigen Gründe, weshalb WPO vor sieben Jahren gegründet wurde.

«Ein einzelnes Projekt katapultiert die Region nicht nach vorne.»

Das WPO versteht sich als Plattform für Wirtschaft und Politik. Wo gelingt diese Zusammenarbeit gut, und wo gibt es noch Reibungsverluste?
Unsere Gremien sind alle gemischt zusammengesetzt. Vertreter aus der Wirtschaft arbeiten eng mit Gemeindepräsidenten zusammen und ziehen am gleichen Strang. Das funktioniert gut und wird von beiden Seiten geschätzt. Selbstverständlich gibt es auch immer einzelne Fälle, in denen ein Unternehmen sich über eine bestimmte Regulierung oder einen politischen Entscheid ärgert. Aber der im WPO gepflegte Austausch hilft, das gegenseitige Verständnis zu verbessern.

Mit über 400 Mitgliedern und hoher privater Finanzierung ist das WPO breit abgestützt. Ist das ein Erfolgsmodell oder auch eine Herausforderung in der Steuerung?
Der hohe Privatfinanzierungsanteil von zuletzt 64 Prozent gibt Freiheit, und er ist ein Beweis, dass sich die Wirtschaft selbst engagiert, um den Standort zu fördern. Aber langsam wird es mit so vielen Mitgliedern tatsächlich etwas unübersichtlich (lacht). Bis vor Kurzem kannte ich jedes Mitglied gut und wusste spontan, ob ein Unternehmen schon Mitglied ist oder nicht. Das fällt mir zunehmend schwerer. Die breite Mitgliederstruktur ist toll und ein ziemlich genaues Abbild der Wirtschaftsregion.

Viele Regionen kämpfen um Sichtbarkeit und Profil. Wofür steht die Grossregion Wil heute wirtschaftlich, und wo fehlt noch eine klare Positionierung?
Die Region Wil hat eine breit gefächerte Wirtschaft mit überdurchschnittlichem Anteil in den Bereichen Maschinenbau, Metall- und Lebensmittelindustrie. Sie zeichnet sich besonders durch die hervorragende Erreichbarkeit aus: Sie ist nahe an den Wirtschaftszentren Zürich, Winterthur oder St.Gallen, in einer halben Stunde ist man am Flughafen Zürich und auch schnell am Bodensee oder im Toggenburg. Damit hat die Region ein grosses Potenzial als Arbeits- und Wohnregion. «Wil West» wird dabei helfen, dieses Potenzial noch besser sichtbar zu machen.

Mahlwerk  

Standortförderung ist oft schwer messbar. Woran erkennen Sie konkret, ob Ihre Arbeit Wirkung zeigt?
Es ist tatsächlich meist ziemlich hypothetisch, was ohne Standortförderung wäre. Wir haben Firmen geholfen, einen passenden Standort in der Region zu finden. Aber wären sie auch ohne uns zum gleichen Stück Land gekommen? Man weiss es nicht. Was man aber sieht und an unseren Anlässen spürt, ist ein wachsendes regionales Selbstbewusstsein und eine bessere Verknüpfung über die Kantonsgrenze hinweg. Die so entstandenen Kontakte sind ein Fundament, auf dem weitere Kooperationen und regionale Synergien aufgebaut werden können.

Sie haben zahlreiche Projekte und Formate initiiert. Was hat die Region weitergebracht, und was war eher gut gemeint als wirksam?
Da knüpfe ich an die vorherige Frage zur Messbarkeit der Wirkung an: Unsere Angebote bringen alle im einen oder anderen Punkt einen Mehrwert. Aber es wäre eine unrealistische Erwartung, dass ein einzelnes Projekt die Region nach vorne katapultiert. Es ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Angebote. So hat unser Anlass WPO-Impuls die Innovationskraft in unserer Region sichtbarer gemacht. Oder mit WPOlitik haben wir ein Gefäss geschaffen, in dem sich die Kantonsratsmitglieder aus beiden Kantonen treffen und für regionale Anliegen sensibilisieren lassen, etwas, das es vorher so nicht gegeben hat. Einige in der Corona-Zeit notgedrungen lancierte digitale Angebote haben sich nicht nachhaltig bewährt und wurden zugunsten des persönlichen Austauschs wieder eingestellt.

«Die Region ist stärker zusammengewachsen.»

Sie geben die WPO-Geschäftsführung 2026 ab. In welchem Zustand übergeben Sie das WirtschaftsPortalOst?
Der Verein ist mit funktionierenden Gremien etabliert und steht auf finanziell stabilen Beinen. Nun geht es darum, mit neuen Projekten die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft in der Region weiter zu verbessern und vermehrt auch ausserhalb der eigenen Region zu strahlen. Eine Herausforderung bleibt der sparsame und richtige Umgang mit Flächenreserven.

Und was war Ihr schönstes WPO-Erlebnis in den vergangenen sieben Jahren?
Ein einzelnes Erlebnis herauszupicken, ist praktisch unmöglich. Es sind die Begegnungen mit unseren Mitgliedern, die mich immer besonders freuen. Denn an unseren Anlässen sorgen sie immer für eine besonders positive und vorwärtsgerichtete Stimmung. In besonderer Erinnerung bleibt mir, dass bereits der allererste Anlass mit der neu gewählten Bundesrätin Karin Keller-Sutter so gut ankam und für die weitere Entwicklung von WPO ganz wichtig war. Oder wenn wir mit WPO-Impuls jungen Fachkräften die Augen öffnen konnten, wie innovativ unsere Region ist. Oder die leuchtenden Augen der Fünftklässler, die beim WPO Experience Day auf spielerische Weise erste Einblicke in die Berufswelt erhielten.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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