Klartext von Beni: Bitte mehr Ostschweiz!
Die bildungspolitischen Ziele von Bund und Kantonen sehen unter anderem vor, dass 95 Prozent aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen. Dieses Ziel wird nicht überall erreicht.
Die Abschlussquote ist gesamtschweizerisch leicht gesunken: von 91,5 Prozent 2016 auf 90,1 Prozent 2022. In der offiziellen Kommunikation von Bund und EDK werden die deutlichen Unterschiede zwischen den Kantonen jedoch ausgeblendet.
Tatsächlich stehen die Ostschweiz und die Zentralschweiz mit Werten zwischen 92 und 96 Prozent gut da. Hingegen verfehlen die Westschweizer Kantone sowie Basel-Stadt die gesetzten Ziele deutlich. Meine Erfahrung auf Bundesebene ist, dass insbesondere diese Kantone die Akademisierung weiter vorantreiben und unser Land damit in eine Sackgasse führen. Die ungleichen Spiesse zulasten des Berufsbildungswegs sind eine Tatsache, die man nicht zur Kenntnis nehmen will.
Allen Ernstes wird behauptet, mit der beschlossenen Maturitätsreform werde dieser Entwicklung gegengesteuert. Sie soll die Studierfähigkeit der Maturanden stärken und die Vergleichbarkeit der gymnasialen Maturitätszeugnisse in der ganzen Schweiz sichern. Im Ergebnis findet jedoch eine Nivellierung nach unten statt, denn die meisten Vorschläge, die zu einer Niveauerhöhung geführt hätten, fanden in der EDK keine Mehrheit.
Auch die Abbruchquote an den Universitäten wird dadurch nicht sinken. Sie liegt bereits heute auf einem bedenklichen Niveau: Gemäss Bildungsbericht erreichen acht Jahre nach dem Eintritt in eine Universität rund 15 Prozent noch keinen Abschluss an einer Universität, einer pädagogischen Hochschule oder einer Fachhochschule.
Darum mein dringender Aufruf: Die Ostschweiz muss deutlich machen, dass die zunehmende Akademisierung am Arbeitsmarkt vorbeizielt, enorme Ressourcen verschleisst und die wirtschaftliche Basis der Schweiz schwächt.
Text: Beni Würth