Klartext von Kris: Die falsche Millionenfrage
Aber die 10-Millionen-Initiative hat einen Denkfehler: Sie tut so, als liesse sich das Problem auf eine Zahl reduzieren. Das ist bequem. Aber falsch. Denn ein Land funktioniert nicht besser, nur weil man eine Zahl festlegt. Es funktioniert besser, wenn Politik funktioniert.
Eine starre Obergrenze löst kein einziges der realen Probleme. Sie schwächt aber unser Land: Weniger Arbeitskräfte bedeuten weniger Wertschöpfung, weniger Investitionen und weniger Menschen, die unser System finanzieren. Die Ausgaben bleiben. Die Last verteilt sich auf weniger Schultern. Das heisst am Ende: die Steuern steigen, das Leben wird teurer.
Gleichzeitig gilt: Viele Menschen spüren, dass sich unser Land verändert. Dass es dichter wird, schneller, manchmal auch fremder. Dieses Gefühl müssen wir ernst nehmen und die Probleme lösen, die dahinterstehen. Mit einer Politik, die den Menschen nützt.
Stabilität entsteht nicht durch Begrenzung, sondern durch gute Politik und deren konsequente Umsetzung. Denn die eigentlichen Probleme liegen in den Parlamenten, Exekutiven und Amtsstuben. Im Innern haben wir ineffiziente Strukturen, falsche Anreize und eine Politik, die konsequent an der Mehrheit vorbeigeht. Wer das nicht angeht, wird auch mit neun oder acht Millionen Einwohnern keine besseren Ergebnisse erzielen.
Um Land und Löhne zu finanzieren, brauchen wir den Zugang zu grossen Märkten, vor allem zu jenem der EU – bilateral gesichert. Unsere Interessen müssen wir selbstbewusst vertreten, auch im Migrationsbereich. Und wenn es Kritik gibt, halten wir das aus. Davon profitieren wir mehr, als wenn wir draussen stehen.
Die Menschen in unserem Land leisten jeden Tag viel. Sie organisieren Familie, Beruf und Unternehmen in einem Umfeld, das immer anspruchsvoller wird. Was sie nicht brauchen, sind einfache Antworten auf komplexe Fragen. Sondern eine Politik, die ihre Probleme tatsächlich löst.
Text: Kris Vietze