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Die Hälg Group ist enkeltauglich

Die Hälg Group ist enkeltauglich
Tamara Bosshard, Roger Baumer
Lesezeit: 6 Minuten

Nachhaltigkeit bedeutet für die St.Galler Hälg Group, Verantwortung so wahrzunehmen, dass es das Unternehmen auch übermorgen noch gibt.

Die Hälg Group veröffentlicht seit 2022 im Zweijahresrhythmus einen Nachhaltigkeitsbericht, obwohl sie das nicht tun müsste. «Das geschieht vollkommen freiwillig», sagt der Mitinhaber und Delegierte des Verwaltungsrats Roger Baumer. «Wir haben keine gesetzliche Verpflichtung dazu.»

Die Brüder Roger und Marcel Baumer führen die St.Galler Hälg Group in vierter Generation. Das Unternehmen ist in den Bereichen Gebäudetechnik und Facility Management tätig, beschäftigt an 30 Standorten rund 1300 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 350 Millionen Franken. Allein 2025 hat die stetig wachsende Hälg Group fünf KMU-Betriebe akquiriert und integriert.

Seit einigen Jahren beschäftigt sich das Unternehmen aber auch mit anderen Kennzahlen: «Schon vor unserem ersten Nachhaltigkeitsbericht haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir unser Engagement im Bereich Nachhaltigkeit transparent machen können», sagt Tamara Bosshard, die Corporate-Social-Responsibility-Beauftragte der Hälg Group.

«Es ist unternehmerisch und menschlich nachhaltig, gute Arbeitsbedingungen anzubieten.»

Passender Rahmen

Nachhaltigkeitsbestrebungen lassen sich auf verschiedenen Plattformen abbilden. Doch da muss ein Unternehmen über das ganze Spektrum Informationen liefern, die für ein Schweizer KMU zum Teil völlig irrelevant sind. «Beispielsweise konnten wir nicht glaubwürdig darlegen, dass Kinderarbeit bei uns kein Thema ist», sagt Tamara Bosshard. «Wir haben uns nun für einen anderen Weg entschieden.»

Die Hälg Group setzte schliesslich auf eine Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäss dem GRI-Standard. Die Global Reporting Initiative ist eine unabhängige internationale Organisation, die den weltweit am häufigsten genutzten Standard für Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt hat.

«Nun können wir sehr gezielt hinschauen, dokumentieren, Fortschritte präsentieren, auf eine Art und Weise, die unternehmerisch sinnvoll ist und zur Hälg Group passt», sagt Tamara Bosshard. Die Hälg Group veröffentlicht den Nachhaltigkeitsbericht integral auf ihrer Website, im Rahmen einer Kommunikationsstrategie, die grossen Wert auf Transparenz legt. «Wir kommunizieren viel mehr, als wir müssten», sagt Roger Baumer.

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Langfristige Perspektive

Roger und Marcel Baumer übernahmen 2008 die Führung der Hälg Group, kurz danach wurde das Leitbild des Unternehmens neu aufgelegt. Schon damals wurden viele Themen abgebildet, die als nachhaltig gelten; die Ökologie wurde ebenso erwähnt wie die Beziehung zu den Mitarbeitern. Damals wurden dieselben fünf Stakeholdergruppen wie heute genannt: Öffentlichkeit, Kunden, Mitarbeiter, Eigentümer, Lieferanten und Partner. «Als Aktionäre haben wir ein Interesse an einem langfristigen Unternehmenserfolg», sagt Roger Baumer. «Wir wollen das Unternehmen nachhaltig führen, in der Familie halten und unabhängig bleiben.»

Mit dem GRI-Standard werden Nachhaltigkeitsthemen umfassend abgedeckt. Trotzdem kann sich die Hälg Group auf jene Themen fokussieren, die für sie auch relevant sind. «Bereits die Auseinandersetzung mit den sogenannten wesentlichen Themen ist die entscheidende Grundlage zur Definition konkreter Ziele. Wir verstehen heute besser, was unsere Handlungsoptionen sind», sagt Tamara Bosshard.

«Wir kommunizieren viel mehr, als wir müssten.»

Erfolgsfaktor Mensch

Bei der Vielzahl an möglichen Handlungsfeldern könnte ein KMU schnell einmal den Überblick verlieren. Um die für sie relevanten Themen zu identifizieren, hat die Hälg Group eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt. Sechs Themen stehen nun im Fokus: Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, Beschäftigung, Aus- und Weiterbildung, Emissionen, wettbewerbswidriges Verhalten und wirtschaftliche Leistung. 

Im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht steht dazu: «Die Wesentlichkeitsanalyse bestätigt, dass der gesetzte Schwerpunkt unseres Engagements auf soziale Themen zielführend und effektiv ist. In unserem Dienstleistungsgeschäft sind die Mitarbeiter der zentrale Erfolgsfaktor. Nur als attraktiver Arbeitgeber gelingt es uns, unsere Position als Qualitätsanbieter langfristig zu erhalten und zu steigern.»

Im wirtschaftlichen Bereich werden Aspekte wie Compliance und Governance beschrieben. «Das sind unternehmerische Themen, die wir nicht aufgrund der Vorgaben, sondern aus eigenem Antrieb verfolgen, damit das Unternehmen sauber geführt wird», sagt Roger Baumer.

«Bei Corporate Social Responsibility geht es um viel mehr als ‹nur› um die Umwelt», erklärt Tamara Bosshard. Roger Baumer spricht von verantwortungsvollem Handeln in den Dimensionen Wirtschaft, Ethik und Ökologie. «Wir haben dem auch ein eigenes Label gegeben, wir nennen es ‹Enkeltauglichkeit›.»

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CO2-Messung für ganze Gruppe

Die Hälg Group hat sich verpflichtet, aktiv zur Erreichung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen beizutragen. Auch deshalb hat das Unternehmen im Bereich Ökologie den Nachhaltigkeitsbericht stetig ausgebaut.

«Wir haben für das Jahr 2024 erstmals eine CO2-Bilanz für die ganze Gruppe gemacht, das ist ein grosser Schritt in der Entwicklung unseres Nachhaltigkeitsberichts», erklärt Tamara Bosshard. «Vorher konnten wir einzelne Bereiche beziffern, hatten aber keinen umfassenden Wert für alle drei Scopes und kannten auch unser Reduktionspotenzial nicht.»

Der Nachhaltigkeitsbericht der Hälg Group ist ein dynamisches Instrument. «Wir mussten einfach einmal anfangen und einen Pflock einschlagen», sagt Tamara Bosshard. «So konnten wir sehen, wo noch Lücken bestehen und welche Informationen wir benötigen, um konkrete Ziele formulieren zu können.» 

Es entspricht dem Antrieb der Inhaber, dass die Hälg Group nachhaltig agieren soll. Auch der Markt verlangt nach bestimmten Nachhaltigkeits-Labels. «Gerade die öffentliche Hand setzt mehr auf das Thema Nachhaltigkeit», sagt Roger Baumer.

«Bei Corporate Social Responsibility geht es um mehr als ‹nur› die Umwelt.»

Wachstum bedeutet mehr CO2

CO2-Bilanzen sind in die Bereiche Scope 1, Scope 2 und Scope 3 unterteilt. In allen Bereichen zusammen weist die Hälg Group einen Ausstoss von 170’442 Tonnen CO2-Äquivalenten aus. Nur 4200 Tonnen davon, ganze 2,46 Prozent, liegen aber im direkten Einflussbereich des Unternehmens.

Die Hälg Group baut Wärmepumpen ein, konzipiert Gebäudeautomationen, macht Service an Anlagen und trägt so grundsätzlich zur Ökologisierung bei. Doch je mehr das Unternehmen wächst, desto grösser wird seine CO2-Bilanz. Im Scope 3 wird der hochgerechnete Verbrauch installierter Anlagen über Jahrzehnte aufgeführt.

Die allfällige Verbesserung gegenüber früheren Lösungen lässt sich dagegen nicht abbilden. «Da leisten wir einen riesigen Beitrag, der sich leider nicht auf unsere CO2-Bilanz niederschlägt», sagt Roger Baumer.

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Fokus auf Einflussbereich

Bei den eingesetzten Komponenten hat das installierende Unternehmen oft keinen Handlungsspielraum. In grösseren Ausschreibungen werden die Produkte oft vorgegeben, «wir können die Geräte dann nicht wählen», sagt Roger Baumer. Die allermeisten Anlagen und Geräte, die Hälg verbaut, stammen aus Europa, und die europäischen Hersteller haben ihrerseits Klimaziele, wie Roger Baumer erklärt:

«Neue Komponenten sind deshalb tendenziell immer nachhaltiger und ökologischer.» Weil der direkte Einflussbereich gering ist und auch die Lieferanten der Hälg Group an der Reduktion ihrer CO2-Emissionen arbeiten, ist die Beschaffung ein Bereich, auf den sich die Hälg Group nicht fokussiert.

Stattdessen packt die Hälg Group innerbetriebliche Themen an. Dass die Fahrzeugflotte aus ökologischer Sicht Potenzial für Optimierungen bietet, war den Verantwortlichen schon länger bewusst. Nun liefert der Nachhaltigkeitsbericht die Grundlagen für künftige Massnahmen. «Während wir bei den eingekauften Gütern ein pragmatischeres Verfahren wählten, haben wir für unsere Fahrzeugflotte exakte Daten», sagt Tamara Bosshard. «Auch in anderen Bereichen, in denen wir selbst Einfluss haben und uns verbessern wollen, schauen wir genauer hin.»

Dazu zählt beispielsweise die Sanierung eigener Liegenschaften. «Wir machen sie Schritt für Schritt ökologischer und bauen zum Beispiel die Photovoltaik-Anlagen gezielt aus», sagt Roger Baumer. «Das müssten wir nicht tun, wir machen das aber aus Überzeugung.»

Gut mit Daten abgebildet sind auch soziale Aspekte, alles, was die Mitarbeiter betrifft etwa. Absenz- und Krankheitstage werden gezählt, die Fluktuation beziffert oder die Weiterbildungen registriert. «Es ist unternehmerisch und menschlich nachhaltig, gute Arbeitsbedingungen anzubieten», sagt Roger Baumer. «Wir machen kein Wunschkonzert, es gibt nicht alles. Aber unsere Mitarbeiter sollen sagen können: ‹Ich fühle mich hier wohl›, dann gewinnen auch wir als Unternehmen.»

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Schwierige Elektrifizierung

Der ökologische Bereich der Berichterstattung ist der komplexeste und aufwendigste, darin sind sich Roger Baumer und Tamara Bosshard einig. Das zeigt sich auch bei den Bemühungen, die knapp 700 Fahrzeuge umfassende Firmenflotte nachhaltiger zu machen.

Die Elektrifizierung wurde bereits gestartet, zunächst vor allem bei Fahrzeugen, die nicht als Nutzfahrzeuge im Einsatz stehen. Bei den Lieferwagen der Monteure zeigt sich das Unternehmen derzeit noch zurückhaltender. Denn diese mobilen Werkstätten stehen über Nacht oft bei den Mitarbeitern zu Hause. Am nächsten Morgen fahren die Monteure damit direkt zu einer Baustelle. Die Nutzfahrzeuge können somit nicht über Nacht am Firmenstandort geladen werden.

«Das Wichtigste für uns ist, dass unsere Mitarbeiter ihre Arbeit für die Kunden zuverlässig ausführen können», sagt Tamara Bosshard. Gleichzeitig ist ihr als Autorin des Nachhaltigkeitsberichts bewusst: «Wir haben ein Ziel für den CO2-Ausstoss bis 2030 definiert. Im Scope 1 und 2 streben wir eine Reduktion von 25 Prozent an.» Die Flotte leistet da einen wesentlichen Beitrag. «Da braucht es auch noch Überzeugungsarbeit», sagt Roger Baumer. «Wir haben aber ein Projekt gestartet, um die Elektrifizierung der Flotte weiter zu beschleunigen.»

Text: Philipp Landmark

Bild: Rebekka Grossglauser

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