Kolumne

Solidarität ist keine Einbahnstrasse

Solidarität ist keine Einbahnstrasse
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Der Bau der dritten Röhre des Rosenbergtunnels und der Anschluss Güterbahnhof gehen in die nächste Runde. Der Bundesrat hat die Ergebnisse der ETH-Studie übernommen: Beide Projekte sind für die weitere Entwicklung der Ostschweiz unverzichtbar. Bestätigt werden damit alle bürgerlichen Kräfte unserer Region, die sich seit Jahren für eine realistische Verkehrspolitik einsetzen. Unsere Verkehrsprobleme lassen sich nicht mit Lastenvelos lösen.

 Anders sieht es der Stadtrat der Stadt St.Gallen: Im Widerspruch zum Bundesrat und zur Kantonsregierung hält er den Anschluss Güterbahnhof für überflüssig. Seine Position begründet er mit der eidgenössischen Abstimmung von 2024, als eine Mehrheit der Stadtbevölkerung das Gesamtpaket für den Autobahnausbau ablehnte. Dies im Gegensatz zur Bevölkerung in den Kantonen St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, aber auch im Gegensatz zu den Verlautbarungen der Stadtregierung vor der Abstimmung.

In einem «Tagblatt»-Interview vom vergangenen Oktober lieferte Stadtrat Markus Buschor für diese Kehrtwendung eine bemerkenswerte Erklärung: «Der Stadtrat ist den Einwohnern der Stadt St.Gallen verpflichtet.» Keine Rolle spielen in dieser Argumentation all jene, die in der Region wohnen und in der Stadt arbeiten. Das sind mehrere Zehntausend Menschen, die das Stadtleben mitprägen und als Konsumenten sowie als Arbeitgeber für die Stadt wirtschaftlich enorm wichtig sind. Auf der Strecke bleiben auch die Interessen der beiden Appenzell, die auf eine gute Anbindung an die Autobahn angewiesen sind.

Die Stadtpolitik beklagt regelmässig das fehlende Verständnis der ländlichen Regionen für die besonderen Herausforderungen der Gallusstadt. Umgekehrt zeigt sich jedoch ein noch ausgeprägteres Defizit: die fehlende Bereitschaft der Stadt, die Anliegen ihres Umlands ernst zu nehmen. Ein Stadtrat ohne übergeordnete Perspektive ist Teil des Problems und nicht der Lösung. Solidarität ist keine Einbahnstrasse – auch nicht in der Verkehrspolitik.

Text: Michael Götte

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