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Der Mann mit der scharfen Klinge

Der Mann mit der scharfen Klinge
Ivan Dietsche
Lesezeit: 4 Minuten

Stahl, Holz und Leder gehören für Ivan Dietsche zum Arbeitsalltag. In seiner Messermanufaktur in Altstätten fertigt der 28-Jährige jedes einzelne Stück von Hand und nach den Wünschen der Kundschaft an.

Unter den Bögen in der Altstätter Marktgasse hat Ivan Dietsche vor gut fünf Jahren seine eigene Messermanufaktur «Identity Knives» eröffnet. In der Werkstatt im hinteren Teil des Geschäfts fertigt der Jungunternehmer Messer für die unterschiedlichsten Bedürfnisse an und verkauft sie anschliessend. Das Sortiment reicht von Küchen- über Rasier- bis hin zu Jagdmessern.

Der gelernte Zimmermann macht dabei alles selbst: Er formt und schleift die Klinge, bearbeitet den Holzgriff und stellt das passende Lederetui her. Die meisten seiner Messer entstehen als Einzelstücke, produziert nach den Wünschen der Kunden. In seinem Geschäft können aber auch ausgewählte Messer etablierter Marken gekauft werden. Zudem bietet er Kurse an, in denen jeder und jede das eigene Küchen- oder Outdoormesser herstellen kann.

«Vielleicht steigt meine Partnerin einmal ein.»

Etwas Neues wagen

Zurzeit arbeitet Dietsche an einem neuen Projekt: Er entwickelt eine kleine Serie von handgefertigten Küchenmessern, mit der er künftig auch Haushalts- und Gastronomiefachgeschäfte ansprechen möchte. «Ich muss erfinderisch bleiben, um weiterzukommen», sagt der Messermacher. Ihn reize die Idee, neben individuellen Auftragsarbeiten auch ein Produkt anzubieten, das in grösserer Stückzahl hergestellt werden kann.

Allerdings, betont er, bleibe die Handarbeit weiterhin zentral. «Auch bei der neuen Messerserie wird jedes einzelne Stück von mir gefertigt und bearbeitet.»

Dieses Küchenmesser unterscheidet sich von seinen bisherigen Modellen. Besonders stolz ist Dietsche auf die Form der Klinge. Sie ist so konzipiert, dass das Produkt, das geschnitten wird, weniger stark an der Klinge kleben bleibt. «Schneidet man beispielsweise Kartoffeln durch, klappt die Scheibe direkt auf die Seite weg», erklärt er. Für Hobbyköche und Profis könne das den Arbeitsablauf deutlich angenehmer machen.

Bei der Herstellung arbeitet Dietsche mit der Firma Zellweger in Diepoldsau zusammen. Von ihr wird die Grundform der Klinge ausgelasert. «So bleibt die Kontur der Klinge immer exakt gleich», sagt er. Der grösste Teil der Arbeit erfolgt jedoch weiterhin in seiner Werkstatt. «Etwa 90 Prozent der Messer sind reine Handarbeit von mir.»

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Aus einer Unternehmer-Familie

Dass der gebürtige Widnauer heute sein eigenes Geschäft führt, überrascht nicht. Aufgewachsen ist er in einer Familie, in der Unternehmergeist zum Alltag gehören. Nur wenige Meter von seiner Messermanufaktur entfernt führt sein Vater Michael das Tabakfachgeschäft «Trafik Tabak». Seine Mutter Milena war lange Zeit in der Kosmetikbranche selbstständig und eröffnete vergangenes Jahr zusammen mit Tochter Michelle – Ivans Schwester – das Teehaus «Aroma» an der Altstätter Obergasse.

Die Familie hat sich bewusst für die räumliche Nähe entschieden. «So können wir uns jederzeit austauschen und gegenseitig helfen, falls nötig», sagt der Jungunternehmer.

Die Freude am Handwerk hat er von seinem Grossvater. Dieser arbeitete als Metallbauschlosser und verbrachte viel Zeit in der Werkstatt. Schon als Kind war Dietsche oft an seiner Seite und schaute ihm bei der Arbeit über die Schulter. Stundenlang beobachtete er, wie aus einfachen Rohmaterialien mit Geschick und Geduld etwas Neues entstand.

Sein beruflicher Weg führte ihn aber zunächst zum Holz. Er absolvierte eine Ausbildung zum Zimmermann und bildete sich später zum Vorarbeiter weiter. Irgendwann habe er gemerkt, dass er mehr wolle. Er reduzierte sein Arbeitspensum auf 80 Prozent und richtete sich in der ehemaligen Werkstatt seines Grossvaters einen eigenen Arbeitsplatz ein. Dort begann er, mit Holz und Metall zu experimentieren und erste Messer herzustellen. An einem Weihnachtsmarkt präsentierte er dann erstmals seine selbst gefertigten Küchenmesser und Schneidbretter aus Holz. Die positiven Rückmeldungen bestärkten ihn darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Als er kurze Zeit später auf ein leerstehendes Ladenlokal in der Altstätter Marktgasse aufmerksam wurde, zögerte er nicht lange und griff zu.

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Neue Ideen unkompliziert ausprobieren

Mittlerweile hat sich Dietsche einen «schönen» Kundenstamm aufbauen können. «Mit dem bisherigen Verlauf meiner Selbstständigkeit bin ich zufrieden», sagt er. Gleichzeitig sei ihm bewusst, dass es noch «Luft nach oben» gebe. Gerade deshalb versuche er, immer wieder neue Ideen zu entwickeln. Als Ein-Mann-Betrieb müsse er aber genau überlegen, wo er seine Energie investiere und welche Projekte ihn langfristig weiterbringen.

Die überschaubare Grösse seines Unternehmens ist für ihn ein grosser Vorteil. So könne er neue Ideen unkompliziert ausprobieren und eigene Wege gehen. «Wenn ich einen Fehler mache, betrifft das nur mich», sagt er. Daraus könne er lernen, ohne dass Mitarbeiter davon betroffen seien.

Grössere Ausbaupläne verfolgt der 28-Jährige zurzeit nicht. Er sieht die Zukunft seines Unternehmens eher als kleinen Familienbetrieb. «Vielleicht steigt meine Partnerin einmal ein.» Er kann sich auch vorstellen, sein Geschäft später seinen künftigen Kindern zu übergeben. Zunächst zählt für den Jungunternehmer aber, sich auch in Zukunft breit aufzustellen, um gut davon leben zu können – ohne dabei die Leidenschaft für das Handwerk zu verlieren. «Das Wichtigste ist, dass ich weiterhin individuelle Messer in guter Qualität herstellen und zu angemessenen Preisen verkaufen kann.»

Text: Marion Loher

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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