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Unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut bringen

Unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut bringen
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Mit rund 220 Angestellten ist die Brauerei Schützengarten AG ein typisches KMU. Das Personalwesen des Unternehmens passt zu seinem Produkt: Es konzentriert sich auf die wesentlichen Werte

Mit einem attraktiven Salär allein gewinnt man heutzutage keine guten Mitarbeiter mehr. «Vielen Kandidaten ist ein respektvoller und wertschätzender Umgang im Betrieb mindestens so wichtig wie die Entlöhnung», sagt Jeannine Merten, Leiterin Personal der Brauerei Schützengarten AG. «Klar kann man nie genug verdienen, doch fühlt man sich am Arbeitsplatz nicht wohl, dann leidet die Moral, die Motivation und schlussendlich die Arbeitsqualität.»

«Ein persönlicher Kontakt ist viel aufschlussreicher als Fotos von den letzten Ferien.»

Schützengarten fokussiere deshalb bei der Rekrutierung zu einem grossen Teil auf die Persönlichkeit der Bewerber. Selbstverständlich müssten die grundlegenden Anforderungen für die jeweilige Position erfüllt sein, erklärt Merten. «Ist man jedoch gewillt und motiviert, kann man im fachlichen Bereich auch vieles noch dazu lernen.»

In administrativen Funktionen seien flexiblen Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, im Homeoffice arbeiten zu können, bei Bewerbern immer gefragter. Ganz allgemein gewinne auch ein guter Teamspirit an Bedeutung. Ein weiterer wichtiger Faktor wurde jetzt wieder ins Bewusstsein gerückt: «Die Pandemie hat aufgezeigt, welch hohen Stellenwert die Arbeitsplatzsicherheit hat», sagt Jeannine Merten, und hält fest: «Diese bieten wir – trotz im Moment anspruchsvoller Geschäftslage – als langjähriges traditionsreiches Familienunternehmen.»

Die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter können darüber hinaus sehr unterschiedlich sein. «In unserem Unternehmen erleben wir eine grosse Vielfalt von Ansprüchen der Mitarbeiter» sagt Jeannine Merten. «Den einen ist eine ausgewogene Work-Life-Balance wichtig und sie entscheiden sich für eine Teilzeitstelle. Andere hingegen sind bereit für eine Karriere, interessieren sich für Aus- und Weiterbildungen und sind hoch motiviert, noch einiges im Leben zu bewegen und zu verändern.» Sofern es sich betrieblich vereinbaren lasse, unterstütze und begleite Schützengarten jeden einzelnen Mitarbeiter auf dem persönlichen Weg. «Wir sind froh, eine solche Vielfalt zu erleben, denn jeder einzelne eingeschlagene Weg bringt dem Unternehmen wie auch den jeweiligen Teams viele positive Aspekte.»

Genügend gute Bewerbungen

Bis jetzt hat Schützengarten keine Mühe, offene Stellen mit qualifizierten Angestellten zu besetzen. «Wir sind in der glücklichen Lage, auf jede ausgeschriebene Stelle ausreichend und vielversprechende Dossiers zu erhalten» erklärt Jeannine Merten. Darauf will sich die Traditionsbrauerei aber nicht ausruhen: «Trotzdem müssen wir uns auf eine Zeit einstellen, wo wir als Arbeitgeber noch aktiver auf potenzielle Kandidaten zugehen müssen, da vereinzelte Berufsgruppen wie etwa Brauer oder Chauffeure immer schwieriger zu rekrutieren sind.»

Spezielle Goodies für besonders gesuchte Berufsgruppen wird es bei Schützengarten aber nicht geben. «Es gibt in jedem Unternehmen Berufsgruppen, welche anspruchsvoller zu besetzen sind. Da muss man als Unternehmen mit den bestehenden Vorzügen und Vergünstigungen punkten» betont Merten, «alles andere wäre gegenüber den restlichen Angestellten nicht gerecht.»

Auch als während der Corona-bedingten Einschränkungen Berufsgruppen unterschiedlich behandelt werden mussten, gab dies keinen Ärger im Betrieb. «Dank klarer und wiederholter Kommunikation entstanden keine Konflikte zwischen Betriebs- und Verwaltungsmitarbeitern», sagt Merten. Für Büro-Angestellte galt weitgehende Homeoffice-Pflicht, bei anderen ging das nicht: «Unseren Produktions- und Logistikmitarbeitern war bewusst, dass sie ihre Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen konnten.» Allerdings brach aufgrund der Schliessung der Gastronomie ein grosser Teil des Umsatzes der Brauerei ein, weshalb während vieler Monate Kurzarbeit galt und somit die Angestellten weniger als üblich vor Ort waren. «Alle Mitarbeiter brachten enorm viel Flexibilität und Durchhaltewillen auf, wofür wir sehr dankbar sind», unterstreicht Jeannine Merten. «Wir haben eine nicht einfache Zeit hinter uns und freuen uns daher umso mehr, dass wir aktuell wieder in die neue Normalität kommen.»

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Viele Vergünstigungen

Um eine attraktive Arbeitgeberin zu bleiben, habe die Schützengarten AG in den letzten Jahren Fringe Benefits für die ganze Belegschaft laufend ausgebaut. «Unsere Angestellten können von vielen Vergünstigungen profitieren», sagt Merten, «auch die Arbeitsbedingungen werden laufend optimiert.» Dabei investiert Schützengarten auch ins Know-how der Belegschaft: «Wir begleiten unsere Mitarbeiter bei den individuellen Aus- und Weiterbildungen und bauen unsere internen und externen Schulungen laufend aus.» Guten Anklang habe das Angebot eines internen Perspektivenwechsels gefunden, bei dem Angestellte die Möglichkeit bekamen, die Aufgaben einer anderen Abteilung kennenzulernen.

«Fühlt man sich am Arbeitsplatz nicht wohl, leidet die Arbeitsqualität.»

Der eigentliche Rekrutierungsprozess läuft bei der Schützengarten AG wie bei vielen KMU ab. «Aufgrund unserer Firmengrösse braucht es keine komplexen Standardprozesse», hält Jeannine Merten fest. Offene Stellen werden auf der eigenen Website sowie auf den gängigen Job-Plattformen inseriert.

Die Vorselektion der Bewerbungen wird durch das HR vorgenommen. «Wir nutzen die eingereichten Unterlagen und holen gegebenenfalls eine Referenzauskunft ein.» Ein Blick auf das Profil von Kandidaten auf Social-Media-Plattformen gehört nicht zu den Abklärungen – «ein persönlicher Kontakt ist viel aufschlussreicher als die Fotos von den letzten Ferien oder einer Familienfeier.»

Mit wem es einen persönlichen Kontakt gibt, legt das HR nicht alleine fest. Die ausgesuchten Dossiers werden an die jeweiligen Linienvorgesetzten zur weiteren Evaluation weitergeleitet. «Unsere Führungskräfte entscheiden, welche Kandidaten sie persönlich kennenlernen möchten.» In den meisten Fällen werden die Erstgespräche zusammen mit dem HR geführt.

Auch diese Bewerbungsgespräche sind KMU-like, Fangfragen und psychologische Tricks gibt es nicht. «Bei unseren Fragestellungen konzentrieren wir uns darauf, die Kandidaten bestmöglichst kennenzulernen», erklärt Jeannine Merten. «Wir versuchen, die Gespräche in einer entspannten und lockeren Atmosphäre abzuhalten, dadurch müssen wir die Kandidaten nicht aus der Reserve locken, sondern kommen in einen ungezwungenen Dialog.» Erfahrungsgemäss könne in einer entspannten Atmosphäre über alle relevanten Fragen gesprochen werden, dadurch erhalte das Unternehmen ein klares Bild von den Kandidaten – «und der Kandidat auch von unserem Unternehmen».

Text: Philipp Landmark

Bild: Marlies Thurnheer

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